Donnerstag

Es gibt diese Leser, die unbedingt wissen wollen, was ich verdiene.

„Na, sag mal, Guido, wir sind doch unter uns. Was verdienst du denn mit deinen Büchern so?“

Das ist natürlich geschickt von diesen Schergen des Finanzamts. Aber stets schweige ich wie ein Grab. Nicht mit mir, denke ich, während Bedienstete die Koffer mit Geld in meinen Tresor neben der Küche schleppen. Lastwagenweise kommen die Scheine hier an, sie werden am Hintereingang vom Personal gewogen und für gut befunden, um dann in die stählerne Höhle verbracht zu werden, die mein Hab und Gut vor fremden Händen beschützt.

Dort befinden sich viele Dinge, über die ich nie reden würde. Etwa das Bernsteinzimmer. Der Heilige Gral. Alles Dinge, die man während einer wilden Party gut und gerne mal herzeigen kann. Das entzückt die Leute, vor allem die Damen mit und ohne Hut. Die wollen das alles anfassen, vor allem die Vorhaut Jesu Christi, die ich erst vor wenigen Wochen von einem Reliquienhändler kaufte. Was der alles anbot, ich wusste gar nicht, was ich zuerst erwerben sollte. Holz aus dem Holzauge des Ungläubigen Thomas, Haare von allen dreizehn Jüngern, sogar eine Häutchen der „Jungfrau“ Maria. Und alles befindet sich seit Kurzem in meinem Besitz.

Ich bin kein besonders gläubiger Mensch und habe schon so einigen Religionen angehangen, so dem Glaube, dass Geld glücklich macht, dem Glaube, dass es morgen nicht regnet, später bin ich auch noch dem Glauben an die Allmacht des Finanzmarkts verfallen. Hat mich das glücklicher gemacht? Reiner? Besser? Nichts davon.

Ich sitze in meiner Villa, ein verwöhnter Erfolgsautor, der, selten gibt es das, nicht nur vom Publikum, sondern auch von den Kritikern geliebt wird.

Diese Liebe nimmt zum Teil seltsame Formen an, etwa wenn junge Frauen mit riesigen Spiegeln am Horizont auftauchen, auf die sie mit eigens für diesen Tag hergestellten Lippenstiften ihre Liebesbekundungen malen. Meine Frau Verona (Name geändert) sieht das nicht gern und lässt in diesem Fall die Hunde von der Leine. Bösartige Biester, mit Zähnen wie Dolche, die sie in den Körpern meiner Anhänger versenken, wieder und wieder, sodass ich nachts Albträume von den Massakern habe.

„Ja, muss das denn sein?“ frage ich meine Frau, die nickt, ja, es müsse sein, und dann geht sie wieder in den Keller hinunter, um mit dem Flammenwerfer zu üben.

Es ist alles nicht so einfach. Nicht so, wie Sie sich das in Ihren neidvollen Träumen ausmalen. Auch als Autor hat man Sorgen, etwa ob PUSCHI, unsere Katze, wieder von ihren nächtlichen Touren zurückkehrt. Die Stirn in Falten geschlagen, so sitze ich auf dem höchsten Aussichtsturm und rufe in die Nacht hinaus: „PUSCHI!“ Aber PUSCHI will nicht kommen, und vielleicht hat sie recht, vielleicht bietet ihr ein Leben außerhalb der Villa die Freiheit, die hier nur ein schales Wort ist, geschrieben in meine zahllosen Romane.

Wer weiß!

Sinnkrise?

Warten wir es ab!

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