Sonntag

Es laufen Vorbereitungen, deren Ziel im nächsten Jahr liegt. Projekte sind zu planen, die mich in den verschiedensten Rollen zeigen werden. Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich zum Schauspieler geboren bin, auch wenn mich der Mime David Hasselhoff (Name geändert) unterstützt, indem er mit mir gemeinsam übt, so etwa, wie ich einen Besoffenen geben muss, der versucht, die Betonung liegt auf versucht, einen Hamburger zu verspeisen, ist dies doch bereits ein Kunststück, ist man nüchtern.

Die Kinder aus meinen letzten siebzehn Ehen sind zu Besuch, nicht nur zu Besuch, sollen sie sich doch bei mir heimisch fühlen. Hin und wieder, man ist schließlich auch Vater, lasse ich ihnen einen Lächeln zufallen. Sie nehmen sich meiner emotionalen Ausbrüche gierig an, fassen mit ihren Augen nach mir, der sich unaufhörlich auf das Produzieren von Weltliteratur konzentrieren muss.

Der erste Kaffee des Tages soll mir dabei helfen, dem Schlafstand zu entwachsen, jenem Zustand, der mich in den Gefilden der Träume gefangen hält. Das Alter macht mich nicht nur milder, sondern auch schläfriger. Nacht für Nacht segele ich auf den Gewässern des Unterbewusstseins, mehr und mehr Freude daran findend, sodass ich zu einem Reisenden werde, der sich eine Welt ohne die Häfen der Realität vorstellen mag.

Neuste Forschungen haben ergeben, dass wir vermutlich alle schlafen müssen. Mir scheint das reinster Irrsinn zu sein, würde doch die Welt in sich zusammenbrechen, würden tatsächlich alle der Gewohnheit Schlaf anhängen. Schlaf ist ein Hobby, eine Leidenschaft, von denen in Anspruch genommen, die mit der spröden Realität so wenig anzufangen wissen, dass sie auf die Ozeane ihrer Träume treiben müssen, wollen sie nicht verrückt werden.

Soeben ist einer meiner Söhne durch das Zimmer gewackelt, die Augen verquollen vom nächtlichen Gelage des Schlummerns. Schlafen liegt dieser Familie. Wir alle sind großer Schläfer gewesen. Bereits mein Vater, der es bis zum Titel des Großschläfers brachte, verschlief große Teile seines Lebens, so seine Hochzeit, meine Geburt – am Ende verschlief er gar sein eigenes Ableben, sodass er sich noch heute nicht sicher sein wird, ob er tatsächlich tot ist oder nicht. Der arme Mann.

Vor Schlaf sei ausdrücklich gewarnt, ist er doch den Kühnen vorbehalten, die über jene Nervenstränge verfügen, die nötig sind, will man eine ganze Nacht durchschlafen. Genug. Nicht, dass Sie mir noch einschlafen.

Guten Morgen, Welt!

Samstag III

Abendgedanke: Wie ich auf meinem Balkon sitze und die Sonne mir ihre Strahlen ins Gesicht spritzt, sodass ich meine Augen schließe, muss ich an den Tod denken, der laut Aussagen Auferstandener mit einem ähnlichen Licht aufwarten soll. Heißt das jetzt, dass man seinen Tod auf einem Balkon verbringt? Schrecklich und schön zugleich wäre das. Nichts würde sich ändern. Und das habe ich nun wirklich nicht gewollt. Wenn man stirbt, will man doch eine Abwechslung vom Leben haben. Sonst bringt das ganze Totsein nix. Da kann man ja gleich am Leben bleiben.

Halbschattengewächse (Fragment)

Mein letzter Fall hatte, wie Sie wissen, hohe Wellen geschlagen. Ich war vom Polizeipräsidenten höchstpersönlich suspendiert worden.

Ich saß gerade bei einem gemütlichen Whiskey in meinem Büro, als der Präsident hereinstürmte. Er machte mir wegen der zahllosen Toten Vorhaltungen, die ich ignorierte, indem ich die Morgenzeitung durchblätterte. Wieder mal nur Unsinn, den niemand interessierte. Man hatte im Osten der Stadt eine Bushaltestelle eingeweiht. Der Bürgermeister und noch einige andere Politiker lachten dumm in die Kamera. Schließlich, man hat ja eine gewisse Kinderstube aufzuweisen, hob ich doch meinen Kopf und drehte die Augen in Richtung des Polizeipräsidenten, der so fett war, dass er bereits sein ganzes Hemd durchgeschwitzt hatte. Es war widerlich. Ich mochte gar nicht hinsehen, konnte meinen Blick aber auch nicht schweifen lassen, weil das ein gewisses Desinteresse zum Ausdruck gebracht hätte.

„Das wird nichts mehr mit ihnen, Hesse!“, sagte er gerade.

„Ja“, sagte ich. „Guter Einwand. Das sagt meine Frau auch ständig.“

Der Polizeipräsident, dessen Name ich vergessen hatte, lief aufgeregt auf und ab. Ich hätte ihn zu gerne nach seinem Namen gefragt, unterließ es aber. Es hätte den wild gestikulierenden Mann weiter unnötig aufgebracht. Um ihm zu zeigen, dass ich seine Worte ernst nahm, stellte ich mein Whiskeyglas zur Seite.

Alkohol wird im Dienst nicht gern gesehen, auch wenn es Teil des allgemeinen Dienstgebarens ist, den einen oder anderen Schluck zu trinken. Bei uns, das wissen eigentlich alle, außer der Öffentlichkeit, trinkt jeder. Selbst die Putzfrauen trinken. Ich habe die norddeutsch aussehenden Frauen, die aus Süddeutschland stammen sollen, schon öfter beim gemütlichen Cocktailplausch erwischt.

„Na, na, meine Damen“, sagte ich dann zu ihnen, „Sie werden doch nicht alleine trinken wollen!“

Eilig mischten sie mir einen Sex on the beach oder Harlem Hot Sex.

Gute Frauen, die es im Hygienegewerbe noch weit bringen werden. Ich ließ ihnen extra einen Teil der Küche mit unseren Tatortbändern absperren, den wir anschließend mit kleinen bunten Schirmchen schmückten.

Die Einweihungsfete unserer kleinen Cocktailbar zog sich bis in die frühen Morgenstunden hin.

Ich musste gerade daran denken, als mich die harschen Worte des Polizeipräsidenten in die Wirklichkeit zurückholten. Er führte eben aus, dass er mich nicht länger halten könne. Es sei an der Zeit, dass ich mich in eine Art Zwangsurlaub verabschiede.

„Sie sind suspendiert“, keuchte er.

Ich machte mir Sorgen um den guten Mann. Er aß im Übermaß, trank aber viel zu wenig. Ob ich ihm doch einen Whiskey anbieten sollte?

Lieder nicht! Wer weiß, wie er mein laxes Verhalten aufnahm. Ich konnte nicht noch mehr Zornesröte in seinem Gesicht riskieren. Am Ende fiel er noch ausgerechnet in meinem Büro tot um. Und dann? Man würde mir den Herzinfarkt zur Last legen. Die Presse würde sich auf mich stürzen. Man würde meine unmittelbare Suspendierung einfordern. Ich wäre im Arsch! Dabei hatte ich genug Ärger. Auch waren noch nicht alle Fälle der letzten Woche gelöst, so etwa der „Fall des toten Leichnams“ oder „Der Fall der trüben Tasse“. Nein! Die Gerechtigkeit brauchte mich. Ich durfte sie auf keinen Fall im Stich lassen.

Ich schreckte mich mit einer plötzlich in den Raum geschleuderten Frage aus meinen Gedanken auf: „Was haben sie gesagt?“

Da war es. Die Röte! Der Polizeipräsident stampfte wie ein wild gewordenes Kind auf und verlangte, dass man mich aus meinem Stuhl entfernte.

„Sie meinen …?“, fragte ich.

„Ich meine, dass wir Sie uns nicht länger leisten können, Hesse!“

Ha! Da war es wieder. Mein Name. Aber wie hieß er? Ich müsste es mit einem Trick versuchen.

„Sie wollen damit also sagen, Herr …“

Jetzt musste er mit seinem Namen rausrücken. Es bleib ihm gar nichts anderes übrig. Ich hatte ihn an der Angel. Da, er zappelte bereits. Oder war das der befürchtete Herzinfarkt? Was sollte ich tun? Ich zögerte. Noch wollte ich keine Hilfe holen! Man würde wieder alles mir in die Schuhe schieben.

Als ausgebildeter Polizist tat ich das, was man mir beigebracht hatte. Ich blickte mich mehrmals um und verließ den Tatort, um später, wenn alles vorbei war, zurückzukehren, um Zeugen zu befragen, die etwas gesehen haben könnten.

Der Mann, dessen Namen ich nicht kannte, lag wie erstarrt zu meinen Füßen.

„Hesse“, blubberte es aus seinem Mund.

Ich würde seinen Namen schon noch erfahren. Spätestens aus der Todesanzeige in der Zeitung.

Samstag II

Ich soll ernst werden, ernster, das in jedem Fall, redet mir eine Stimme ein, die, als eine von vielen, in meinem Innen tobt. Ich höre ihr zu, auch wenn ich so tue, als überhöre ich sie.

Darauf kommt es doch an. Sich gehörig überhören zu können, sonst fällt man noch auf sich rein. Und dann? Am Ende wird man zu dem, der man ist. Die große Tragik des Lebens hätte sich erfüllt. Da bin ich lieber ein anderer. Einer, der keiner ist, der mir bekannt vorkommt. Sonst wird es rasch langweilig, wenn man sich erst mit seinesgleichen einlässt. Da kommt man unter die Räder. Verliert sich im Drogensumpf.

Ich, so viel steht fest, werde mich nicht mit mir einlassen, sonst gehe ich mir noch auf den Leim, und komme nimmer von mir los. Dann lieber neben mir sitzen und ein Gespräch führen, um sich dabei, durch geschickte Fragerei, kennenzulernen. Man kann ja ein Freund von sich werden. Und sich gelegentlich treffen. In der Stadt. Auf einen Kaffee. Aber wie bei allen großen Freundschaften, wird sie nur Bestand haben, wenn man sich wieder trennt, um sich auf sich freuen zu können.

Näher will ich mir nicht kommen. Gott bewahre.

Wie schreibe ich einen erfolgreichen Roman (Lektion 3)

Wie entwickelt man die Idee für einen erfolgreichen Roman? Eine scheinbar schwierige Frage, die leicht zu beantworten ist.

Ideen wurden früher in sogenannten Dunkelkammern, heute Darkrooms genannt, entwickelt.

Im Darkroom ist es, wie der Namen schon sagt, absolut dark. Nichts ist zu sehen, bis man plötzlich eine Idee fühlt, die sich stangenartig zwischen die geballte Faust zwängt. Nun heißt es, rubbeln, rubbeln, rubbeln, bis der Arzt kommt. Konnte die Idee auf die Art nicht gemolken werden, kann man sie selbstverständlich auch in den Mund nehmen. Der Blow-Job ist längst eine anerkannte Herangehensweise im Ideenentwicklungsgeschäft. Lutschend wird man die Idee, läuft es wie geplant, in den Hals gespritzt bekommen, damit sie von dort tief in den Magen eindringen kann, um sich zu entfalten.

Eine andere Methode, eine Idee zu entwickeln, ist es, sich einen Ideenknäuel in einem der zahlreichen Ideenläden, die es allerorten gibt, zu besorgen. Zuhause kann man die Idee entwickeln, um sie zu einem Roman zu stricken, der die kühlsten Herzen wärmen wird.

Das war es schon. Eine Idee kann also jeder entwickeln.

Und morgen lernen wir, wie man an einen Verlag kommt.

Samstag

Kopfschmerzen malträtieren meinen übergroßen Kopf. Bis heute gibt er der Hirnforschung Rätsel auf.

Der Rockstar, den ich mir eingeladen hatte, ahnungslos, um welch krankhafte Person es sich dabei handelt, ist fort. Entschwunden, lachend, mit seinem Tross aus Bodyguards und Groupies, mit denen er am gestrigen Abend bei uns eingefallen war. Pete. S. Wolfsson. Ich zittere, denke ich an seinen Namen, der fortan als Menetekel an der Wand meines Innenlebens prangen wird.

Meine Frau Veronika (Name geändert) liegt seit Stunden auf ihren wunderschönen Knien und übt sich in der Gebetshaltung der Putzenden.

Wolfsson ist kein Mensch, er ist ein Tier. Goldkettenbehängt, mit seiner Lieblingsgitarre in der linken Hand, die er Kurt-Manuel (Name geändert) nannte, stolzierte er an mir vorüber, mir den Kopf dabei tätschelnd und dem Satzauswurf: „Du bischt also der Audor!“  Hatte ich da einen schwäbischen Einschlag gehört?

Wir kamen erst gar nichts ins Gespräch. Meine Hand umspielte den Damenrevolver, den ich meiner Hosentasche trug. Sollte ich ihn ziehen? Ich unterließ es, als ich seiner Bodyguards ansichtig wurde, die alle Ex-Sträflinge seien, erklärte mir „die Stimme Wolffssons“. „Die Stimme“ war eine junge Frau, die ihm, wie sie mir in seinem Aufrag erklärte, die anstrengende Konversationsarbeit abnehme. Wollfsson selbst setzte sich an unseren Wohnzimmertisch, um dort mit einem Geldschein als Lupe  weißes Pulver zu begutachten.

Peter 004

„Die Stimme Wolfssons“ erklärte mir, dass der Meister ein „kleines“ Problem habe. Andere würden es vielleicht Sucht nennen, aber man unterlasse das Wort, würde es der Situation doch nicht gerecht werden. Wolfsson, so die „Stimme Wolffssons“ sei ein krankhafter Voyeur. Und tatsächlich, kaum hatte sie es ausgesprochen, sprang er an unser Fenster und sah hinaus, dabei seine Hand zwischen den Hosenbund zwängend, um, wie sich die „Stimme“ ausdrückte, „gleich Hand anzulegen“.

Ein „Nein“ entfuhr mir. Wolfsson hielt inne.

„Oh, oh“, sagte „die Stimme“.

Und was dann folgte, kann nur mit den besten Hotelzimmerauftritten von Rockbands wie THE COWS OF VIOLENCE oder STABHOCHSPRUNG verglichen werden.

Wolfsson, unterstützt von seinen Schergen des Satans, seinen willigen Helfern aus South-Central, zerstörte alles, was mir lieb und teuer ist, so meinen Achenbach-Fernseher von Mercedes, den er nach unten trug, um ihn aus dem Erdgeschoss auf den asphaltierten Gehweg zu werfen. Sie mussten ihn insgesamt dreimal katapultieren, bis er schließlich irreparable Schäden aufwies. Diese kranken Hirne. Sein Hass, der sich auf mich und meine ihn unterbrechende Aussage richtete, kannte keine Grenzen. Sie verhöhnten meine Bücher, hielten ihn vor, Kinder eines Schwachsinnigen zu sein, drohten ihnen, sie ins Waisenhaus eines Romans von Dickens zu sperren. Die ganze Bibliothek zitterte wie Espenlaub.

Und ehe ich mich versah, hatte der Spuk ein Ende gefunden. Gott sei es gedankt! Wollfsson, seine „Stimme“, seine Schläger und seines sexbesessenen Groupies düsten neuen Zielen entgegen, neuen ahnungslosen Facebook-Bekanntschaften, die noch nicht ahnten, welch Orkan sich auf sie zubewegte.

Guten Morgen, Welt!

Wie schreibe ich einen erfolgreichen Roman (Lektion 2)

Das Kapitel. Darum soll es heute gehen. Das Kapitel, manche behaupten, es wäre gut zwei oder noch mehr zu haben, befruchtet den Roman. Es schwängert ihn sozusagen.

Das Kapitel dringt in den Roman ein. Manche Romane genießen es, andere, vor allem Debütromane behaupten, es würde schmerzen. Durch kräftiges Reiben kommt es schließlich zu einem Erguss. Worte schießen in Richtung Hirn des Lesers. Es kommt zu einem Wettrennen der Worte, bis sich eines von ihnen festsetzt. Neun Monate später kann ein neuer Gedanke schlüpfen. Er muss nicht immer schön sein. Aber er ist da.

Fortan muss der Vater oder die Mutter sich um den Gedanken kümmern. Er muss rundum versorgt werden. Am besten, Sie besorgen sich eine ausgebildete Amme, die Ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. Kann der Gedanke erst auf eigenen Beinen stehen, können Sie ihn in die Welt entsenden, auf dass er dort in einer Anwaltskanzlei andere Gedanken verklagt.

Zurück zum Kapitel. Gerade die Männer unter den Schriftstellerinnen haben eine – oft durch die Medien gepushte – falsche Vorstellung davon, wie groß ein Kapitel sein muss. Manche meinen, es müsse mindestens fünfzig Seiten lang sein. Das ist Unsinn und gehört ins Reich der Legenden. Das Durchschnittskapitel misst im erregten Zustand zwischen sechszehn und achtzehn Seiten.

Viele Autoren haben in ihrer Jugend Filme aus dem Hardcorebereich gesehen, in denen Autoren beim Verkehr gezeigt werden, die a) ständig können und b) ein Kapitel von mindestens vierzig Seiten aufzuweisen haben. Lassen Sie sich von diesen Darstellungen nicht täuschen. Schreiben sollte ein Akt zwischen Ihnen und dem Papier sein, nicht aber professionell betrieben werden. Der Akt des Schreibens sollte von Liebe erfüllt sein.

Um einen erfolgreichen Roman zu schreiben, müssen Sie schlicht Spaß und Freude am Verkehr entwickeln.

Frauen können übrigens keine Kapitel schreiben, weil sie über keines verfügen. Sie haben Hirn. Das kann wichtig sein, muss es aber nicht.

Und morgen lernen wir, wie eine Idee entwickelt wird.

Donnerstag

Literatur ist eine Schmutzarbeit. Den ganzen Tag habe ich unter Tage gearbeitet. Du musst so schreiben, als könntest du auf eine Goldader stoßen, bis du feststellst, eines fernen Tages, dass du nur Dreck nach oben schleppst. Du kriechst zu deiner Familie an den Tisch, die dich nicht erkennt. Die denken, ein Fremder hätte sich verirrt, aber den nehmen sie gerne. Sie bedienen dich mit einem Lächeln, sodass dir ihre Gesichter zum ersten Mal so fremd erscheinen, dass du sie entdeckst. Ein fremdes Gesicht ist ja immer eine Wohltat für den ausgetretenen Blick. So viele Bilder sind schon über deinen Blick gelaufen, dass du ihn ausklopfen müsstest, um wieder klar sehen zu können.

Und morgen werde ich wieder mit dem Aufzug nach unten fahren, ich werde einfahren, wie ein Verbrecher, der ich bin, der sich am Berg versucht, der ihn aufbrechen will, um auf Glanz zu stoßen. In der Tiefe findet sich nichts.

Glanz findet man liegend auf der Wiese, über sich die Sonne.

Ordnung im Kulturland

Eine Anklageschrift

Und wieder einmal muss der gewissenhafte Schreiber dieses grundehrlichen Blogs zur Feder greifen, um auf Verfehlungen und Unzulänglichkeiten im Kulturland Deutschland aufmerksam zu machen. Meine Finger müssen in den Wunden bohren, die offen klaffen.

Auch mir wäre es mir lieber, ich müsste dies nicht tun, habe ich doch auch anderes zu tun. So müssen meine Blumen gezüchtigt und die Frösche im Teich gegossen werden. Sei es drum, ich lasse mich hinab, können die Dinge, die vorgefallen sind, doch so nicht länger hingenommen werden.

Zum Sachverhalt: Bettina S. aus Dortmund wies mich auf den tragischen Umstand hin, dass der Begriff Roman auf mehr als ein Buch angewendet wird.

Eiligst recherchierte ich im Netz, und siehe da, Bettina hatte recht.

Wie, so frage ich in den öffentlichen Raum hinein, wie kann es möglich sein, dass mehr als ein Buch Roman genannt wird? Dies führt zu Verwirrungen bei den Käufern, den Endverbrauchern also, solchen, die sich sicher sind, den Roman in Händen zu halten, obwohl es noch einen ganz anderen gibt, nicht nur einen, sondern eine ganze Reihe davon.

Unzucht! Ich muss das Wort hier bemühen. Unzucht!

Roman kann nur einer sein, die anderen müssen sich da bitte einen anderen Begriff einfallen lassen, denn sonst ist das Chaos vorprogrammiert. Wie soll man da denn noch durchblicken?

Stellen Sie sich vor, Sie geben den Begriff ROMAN bei Google ein. Millionen von Ergebnissen, die sie erschlagen.

Dieser Zustand der Unordnung darf nicht länger gedeihen.

Ich fordere daher alle Verlage auf, sich von dem Begriff, der bereits für mein Buch UNTAT benutzt wird, zu distanzieren.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Wie schreibe ich einen erfolgreichen Roman (Lektion 1)

Um einen erfolgreichen Roman zu schreiben, bedarf es zunächst einmal Buchstaben. Nicht zu viele, nicht zu wenige – immerhin wollen wir doch niemand überfordern. Unterfordern selbstverständlich auch nicht.

Buchstaben sind in der heutigen Zeit überall anzutreffen, so etwa in den Mobiltelefonen junger Leute.

LOL. Die hätten wir also schon mal. Mit LOL kann man noch keinen ganzen Roman schreiben, aber wir sind nahe dran. ROFL. Aha, die nächsten Buchstaben. Das nimmt ja kein Ende mehr. Jetzt nur keine Panik bekommen. Nicht von dieser großen Ansammlung in die Ecke treiben lassen. Sie sind nur noch wenige Buchstaben von Ihrem ersten Bestseller entfernt. Sie müssen die kleinen Gesellen in die richtige Reihenfolge bringen, um die Story allmählich in Gang zu kriegen.

Hm, wie könnte es beginnen? Vielleicht mit ROLF. Ja, das ein guter Anfang. Ich merke schon, aus Ihnen wird mal ein hintersinniger Autor. Da ist einiges an Potential zu entdecken. ROLF. Das ist … Wie soll ich mich ausdrücken? Groß! Das ist das Wort. Es ist groß.

Es würde mich nicht wundern, wenn man ihren ROLF dereinst mit ersten Sätzen von Max Frisch und Thomas Mann in einem Atemzug nennen wird. Schüler werden ihren Roman aufschlagen, aufgeregt, weil der Lehrer sie bereits auf dieses extraordinäre Wort einschwor. Und sie werden alle im Chor lesen: „Rolf.“ Ein Name, ein Satz, eine Offenbarung. Die Erschließung eines neuen Kontinents. Sie laden den Leser ein, Rolf zu betreten. Alles schwingt mit, auch eine gewagte Sexualität. Denn warum sollten wir Rolf betreten? Und wie betritt man einen Menschen, will man komplett als Person in ihm Platz nehmen? Na, na, na? Eben!

Die erste Lektion „Wie schreibe ich einen erfolgreichen Roman“ nähert sich ihrem Ende. Wir beenden Sie mit etwas, dass Sie sicherlich kennen.

Nein, tun Sie nicht so bescheiden. Sie haben schon davon gehört. Ich rede vom PUNKT. Wir machen einen Punkt und beenden unseren kleinen wissenschaftlichen Exkurs, damit es auch morgen heißen kann: Wie schreibe ich einen erfolgreichen Roman.

Morgen reden wir über die Länge eines Kapitels. Ja, ja, ein heikles Thema. Gerade für die Männer unter den Autoren.

Mittwoch II – Die Roulade

Rauchen ist nicht die schlechteste Alternative. Man könnte stattdessen einen Menschen erschießen. Oder foltern. – Ein Text, der entsteht, entsteht ja in der Zeit, also Buchstabe für Buchstabe, und dieser hier wurde eben von meiner Frau unterbrochen, die mir einen Löffel hinhielt, Soße darin, die ich probieren sollte. „Da wehrt man sich doch nicht, oder?“, fragte sie. Und ich murmelte: „Nein!“ Beschloss es gleich hier einzubauen, so wie man etwas in ein Auto einbaut, von denen ich nichts verstehe. Oder in einen Computer. Von denen verstehe ich ebenso wenig. – Wo war ich? Bei meinem Rauchvorgang, der längst abgeschlossen ist, von meiner Zigarette, die ich draußen auf meinem Balkon rauchte, dort, wo ich sitze und in die Luft starre, in die Wolken, ins Grau, während aus der Ferne Geräusche rollen, so wie Wellen, die sich langsam auf meinen Strand zubewegen, bis sie im Sand meines Hirns versickern. Und von den Alternativen wollte ich erzählen, von den Dingen, die man gewöhnlich und ungewöhnlich tun kann, wie einen Menschen retten oder töten. Davon, was ich alles nicht so tue, weil ich ein Unterlassungstäter bin, ein Sitzenbleiber und Ausdenker. Es wird ausgedacht, bis im Denken kein Tropfen mehr drin ist, bis das Denken wie ein Schwamm ausgedrückt ist, immer mit dem Hintergedanken, gar nicht mehr denken zu wollen, weil das nicht die schlechteste Alternative in dieser mit Alternativen überlaufenden Welt wäre. – In der Küche klappert es jetzt, und es wird nicht mehr lange dauern, bis ich zum Essen gerufen werde, und ich werde hinüberschlendern, als käme ich zufällig vorbei. Ich werde die Nase in den Duft hängen, weil man seine Nase in fremde und nichtfremde Küchenangelegenheiten stecken soll.

Guten Abend, Welt!

Roulade 002

Vertilgt. Die Roulade auf dem Bild, die ist ein Blick in die Vergangenheit.   

Mittwoch

Du hast doch nur das eine Leben, vorausgesetzt, es stimmt, was man uns lehrt.

Es könnte auch sein, dass wir mehrere zur Verfügung haben. Wenn dem so ist, können wir uns selbstverständlich Zeit mit allem lassen. Warum ein Cowboy gewesen sein, wenn man noch einer werden kann? Auch einen Sauerbraten kann man im nächsten, gar übernächsten Leben verspeisen. Man hat die Zeit unzähliger Leben, da muss es einen nicht ärgern, wenn man dieses verschläft. Oder wenn man es verarbeitet. Oder verkauft. Oder versieht, indem man in den Fernseher blickt, als ob es dort etwas zu entdecken gäbe. Ein anderes Leben vielleicht, eins, das man nicht führt, weil man es sich für ein anderes Leben aufgehoben hat. Man kann ruhig das Leben wie Konfetti von seinem Lebenswegkarnevalswagen werfen. Eine Handvoll Liebe. Weg damit. Eine Handvoll Freundschaft. Weg damit. Es wird schon das eine oder andere Kind geben, das sich danach bückt, um es glücklich in seinen mitgebrachten Beutel zu stecken.

Sollte es allerdings kein weiteres Leben geben, gestaltet sich die Sache etwas anders.

Nicht so negativ. Gehen wir vom Besten aus. Mit Optimismus hat man noch jede Chance vertan.

Wider dem Buchhandel

Eine Buchmesse, die kann doch niemand wollen. Bücherhandel sollte weltweit verboten werden. Die Würde eines Buches ist unantastbar.

Wenn man sich schon einem Buch nähert, dann mit einer gewissen Rücksicht. Man kann es einladen. Auf einen Tee. Kann seinen Rücken bewundern, um – vielleicht – beim dritten Treffen die Hand, wie zufällig, dort zu platzieren, nicht zu platzieren, das wäre rüde, es wäre ein Akt der Gewalt. Wie ein Windhauch sollte die Hand wehen.

Zum Essen kann man es einladen, sich einen Film ansehen, auch wenn man damit rechnen muss, ermahnt zu werden, dass Bücher den Filmen vorzuziehen wären, entstammt das Buch doch einem weitaus älteren Geschlecht.

Die Hochzeit ist nicht ausgeschlossen, und hat man erst den Ehering am Finger, kann die Nacht gemeinsam verbracht werden, auch wenn dies aus der Mode gekommen scheint. Heutzutage wird der One-Night-Read bevorzugt.

Aber Handel mit Büchern ist und bleibt ein Verbrechen.