Merkwürdige Romanfänge (9,10,11)

9. Verfahren. Und das ausgerechnet auf dem Weg zu meinem Gerichtstermin.

10. Wow. Ich war tatsächlich auf der abgesagtesten Party des Jahres.

11. Ich hatte ihn mit einem glatten Überschuss verfehlt.

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Ich verdrück mich mal – 17 Gründe für den Selbstmord

Sich der Endlichkeit entledigend, dieses leidigen Themas Leben, entleibte sich Martin Z. am 2. Dezember 1970, nicht ohne zuvor einen letzten Blick in sein Arbeitszimmer geworfen zu haben, das ihm einen wohligen Schauer über den Rücken jagte, sah er sich doch tot in der mehr als idealen Lage, nicht mehr aufräumen zu müssen. Hätte er doch nur früher geahnt, wie leicht man der Mühsal der Arbeit entfliehen konnte, er hätte sich bereits vor dreißig Jahren aus dem Chaos seines Kinderzimmers mit einem Strick befreit. Aber wie seine Mutter gern zu sagen pflegte: „Lieber spät, als nie.“

Aus „Ich verdrück mich mal – 17 Gründe für den Selbstmord“, vergriffen

Ein Liebhaber seiner Zeit

Leonard Portsman war ein großer Bewunderer seiner Zeit. Wo er auch ging und stand, sprach er die Dinge an, um ihnen voller Bewunderung seinen Respekt zu zollen. „Also diese Bank hier“, sagte er über eine Bank in einem Park, während seine rechte Hand die Holzplanken massierte, „ist so wunderschön. Ich könnte sie denn ganzen Tag streicheln.“ Doch schon im nächsten Moment sprang er einem Papier hinterher, das ein Mädchen von einem Eis gezerrt hatte. Während er dem Kind durch die Haare fuhr, verliebte er sich in eine Eiche. Portsman ließ von dem Kind ab, langte nach einem Stein, den er in der Hand wog, als wäre er ein Diamant, bis er eines Mülleimers ansichtig wurde, dem er versichern musste, wie wunderschön er sei. „Eine Zierde für Ihre Gattung!“ Portsmann hätte ihn zu gernen abgeschraubt, um ihn seiner Sammlung einzuverleiben, ließ es aber, wurden seine Augen doch längst von einer Sraßenlaterne angezogen, die giraffengleich ihr Haupt über ein Stück Gehweg beugte. 

Aus „Ein Liebhaber seiner Zeit“, Roman, vergriffen

VATIKAN – Das heimliche Wesen aus einer fremden Welt

„Ich verbiete mir sämtliche Versuche, sich in unsere Leere einzumischen“, sagte der Vatikan. Er beugte sich bedrohlich weit nach vorne, sodass seine dunkle Gestalt den Anschein machte, jeden Moment auf den Boden zu plumpsen. Die Bischöfe beäugten den Vatikan, von dem nur wenige Eingeweihte wussten, dass es ein Wesen aus einer fernen Galaxis war. „Uno? Was ist das überhaupt?“, knurrte der Vatikan, der allmählich hungrig wurde. Die Bischöfe hoben ihre Brauen und verdrehten die Augen. Galaxis hin, Galaxis her. Besonders helle war der Vatikan noch nie gewesen. Kein Wunder, dass er menschliches Personal benötigte, um den Durchblick nicht vollends zu verlieren. Man räusperte sich und versicherte der außerirdischen Wesenheit, sich richtig entschieden zu haben. Der Vatikan nickte, hickste und knallte schließlich doch noch fluchend auf die altrömischen Fliesen. Ein Kopfschütteln schwappte durch den Raum.

Aus „VATIKAN – Das heimliche Wesen aus einer fremden Welt“, Roman, vergriffen 

Niesberts Rede

Niesbert bereitete seine Rede seit Jahren vor. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Arbeitest du wieder an deiner Rede?“, fragte seine Frau. Niesbert hatte keine Zeit. Die Rede, sie verlangte ihm alles ab. Er hatte bereits abgenommen. Dreihundert Gramm. Wenn das so weiter ging, würde er wegen der verdammten Rede vor die Hunde gehen. „Vor die Hunde“, flüsterte er. „Vor die Hunde!“ Er spürte, dass er allmählich wahnsinnig wurde. Als die Sonne hinter den Häusern der Stadt versank, schrie er auf. Da war es! Nach so vielen Jahren. Das zweite Wort seiner Rede.

Aus „Niesberts Rede“, Roman, vergriffen