Editorische Meisterleistung soeben erschienen

Lieber Peter,
nur kurz die Mitteilung, dass ich keine Zeit habe, dir zu schreiben.
Hans

Lieber Hans,
wunderbare Nachricht.
Peter

Lieber Peter,
ich sehe mich außerstande dir zu schreiben.
Hans

Lieber Hans,
das ist schade, schafft mir aber Zeit, mich um andere Dinge zu kümmern.
Peter

Lieber Peter,
demnächst mehr.
Hans

Lieber Hans,
ich konnte deinen letzten Brief wegen meines Ablebens leider nicht mehr lesen.
Peter

Aus „Peter Weber/Hans Hothem – Der Briefwechsel (Kritische Ausgabe), erschienen bei Sumpfkamp

Du Kunst Mich Mal – Folge III

Herr Rohm und Frau Blum haben sich noch nie gescheut, durch fremde Brillen zu blicken. Man kann dabei viel Befremdliches entdecken und genau das zeigen die beiden in der neuen Folge „Du Kunst Mich Mal“.
Kein Mensch weiß, unter welch widrigen Umständen sie dieses Stück wahre und falsche Kunst gedreht haben. Sie haben der Kälte getrotzt, Anfeindungen und den Verlockungen von dunkler Bitterschokolade. Herausgekommen ist ein Stück Film- und Zeitgeschichte, das sich um nichts anderes dreht als um die bedenklichsten Formen von Grenzüberschreitungen. Ein aktuelleres Thema kann es derzeit nicht geben und auch keine authentischere Live-Berichterstattung.

 

Filme auf der Couch (Buchtipp des Monats)

„Ich – Einfach unverbesserlich“ ist ein geschönter Titel, heißt das Original übersetzt doch „Verabscheuungswürdiges Ich“, womit der geschulte Filmpsychologe schon viel anfangen kann. Aha, wird er denken, da liegt ein Film vor, der sich selbst hasst. Ja, aber warum hasst er sich denn, der Film? Etwa weil er ein Animationsfilm aus dem Computer ist? Also ein herzlos gemachtes Stück Film? Das könnte sein, aber dafür kann er ja nichts. Und vor allem greift das zu kurz.
Da wäre zunächst, um zum Inhalt, zum Innenleben zu kommen, der Superschurke Gru. Gru, das klingt unfertig, als würde ein Teil seines Namens fehlen. Ein fehlerhaftes, nicht zu Ende gedachtes Wesen, dessen Namen ein Laut ist, etwa wie ihn einsilbige Tauben gurren würden.
Gru, dessen Sprachduktus an einen Osteuropäer erinnert, vermutlich ein Russe, ist ein Superschurke, der inmitten einer wunderschönen Vorstadt wohnt.
Hier werden bereits viele Vorurteile aufgebaut, die Kinder nicht sehen sollten. Osteuropäer haben – laut dem Film – gegurrte Namen und sind Schurken. Das ist für ein friedliches Zusammenleben der Völker fatal.
Weiter: Im Haus lebt der Superschurke mit einer Armee aus gelben Minions, Helfern, die an gelbe Bonbons mit Taucherbrillen erinnern. Die gelbe Gefahr? Weit gefehlt, denn die Bonbons sind so animiert, dass wir sie in unser Herz schließen sollen, was Kinder vermutlich dazu animieren soll, ihre Süßigkeiten zu lieben. Da sind Löcher in den Zähnen vorprogrammiert. Besuche beim Zahnarzt. Ein Leben mit Füllungen. In den USA Rechnungen, die nicht bezahlt werden können.
Umso mehr muss man vor diesem Film warnen.
In seinem Haus plant Gru die Entführung des Mondes. Die Entführung des Mondes, da muss man sich einmal vorstellen, was passieren würde, würde er, der z.B. für die Schlaflosigkeit von uns Menschen verantwortlich ist, der Werwölfe zu dem macht, was sie sind, verschwinden. Die Welt, wie wir sie kennen, wäre nicht mehr die, die sie einmal war.
Hier werden also nicht nur Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgeheckt, sondern Verbrechen gegen einen ganzen Teil des Weltalls. Schlimmer geht’s nimmer.
Und warum will Gru das tun? Damit seine Mutter stolz auf ihn ist.
Aha!
Es geht um Selbsthass. Und schon kommt uns der Titel „Verabscheuungswürdiges Ich“ wieder in den Kopf. Würde die Mutter ihr Kind so lieben, wie man es erwarten könnte, wäre Gru ein Wesen, das sich in die Vorstadtidylle einpassen würde.
Es ist also ein Film über fehlende Mutterliebe, unvollständige Namen, über einen, der sich eine Armee aus Bonbons halten muss, um sich ein Polster gegen die Unbill der Außenwelt zu schaffen.
Aber das war es noch nicht.
Auftritt Vector, von dem man sich fragt, warum er nicht Victor heißt. Auch da ist etwas schiefgelaufen, auch dort fing es mit dem Namen an. Es ist also enorm wichtig, welchen Namen wir unserem Kind geben.
Vector verdrängt Gru von Platz 1 der Superschurkenhitparade, als er die Cheops-Pyramide entführt, also eine, die wie eine Chipssorte klingt.
Ausgerechnet eine Pyramide, was an den IS erinnert, an die Auslöschung des kollektiven Gedächtnisses.

Aus einer Analyse des Films „Ich – Einfach unverbesserlich“ in dem Standardwerk „Filme auf der Couch – Die Filmpsychoanalyse“

Weihnachtslied

„Jetzt singen wir aber alle noch ein Weihnachtslied.“
„Nein, nein, ich will jetzt auspacken.“
„Lass den Jungen halt.“
„Ein Lied wenigstens.“
„Sing der Mama eben ein Lied.“
„Copkiller.“
„Was?“
„Das ist über einen Polizistenmörder. Rap halt.“
„Ein Weihnachtslied.“
„Schöner die Nadeln nie klingen.“
„Glocken.“
„Lass den Jungen jetzt auspacken.“
„Soll ich nicht singen?“
„Pack aus!“
„Ich würd jetzt schon gern singen.“
„Hier wird nicht gesungen.“
„Mama?“
„Hör auf den Papa.“
„Und wenn ich was von Dr. Dre …“
„Wem?“
„Dr. Dre.“
„Jetzt singen schon die Akademiker.“
„Papa …“
„Gib her, ich pack jetzt für dich aus.“

The Truth about Moses

– Grüß dich, Moses.

– Der liebe Gott, sieh da, was machst du denn so?

– Ich gott halt so vor mich hin.

– Und was willst du?

– Ich hab eine Vision für dich.

– Eine Vision?

– Ja, die lag hier noch rum.

– Für die kann ich mir auch nichts kaufen.

– Du sollst die Israeliten befreien.

– Nix da, ich hab heute gar keine Zeit. Und jetzt schleich dich.

Aus „The Truth about Moses“

sargnotizen

  1. wäre es nicht viel angebrachter, die leute so zur letzten ruhe zu betten, wie sie ihr leben lang geschlafen haben. (arm angewinkelt, hand unter dem kopf z.b.).

2. man putzt und putzt die zähne, obwohl sie am ende dann doch verrotten.

3. öffentlich aufgebahrte tote sollten eine rote clownsnase tragen, um ihnen den schrecken zu nehmen und anzuzeigen, dass es ihnen fast gut geht.

4. der sarg und der/die tote sollten auch irgendwie spaß machen. daher rate ich zu trauergimmicks, wie z.B. furzkissen auf den stühlen in der trauerhalle oder einer wasserspritzenden blume am hemd des toten. das erhöht enorm den funfaktor bei der trauerfeier.

Die Belohnung

„Und?“
„Was?“
„Sind wir im Paradies?“
„Ja, was weiß denn ich.“
„IHR SEID IN DER HÖLLE.“
„Wer war das?“
„Da hat einer gesagt, wir wären in der Hölle.“
„In der Hölle? Unsinn! Die haben uns versprochen, wir kämen ins Paradies. In der Hölle, das kann gar nicht sein.“
„IHR WERDET UNSÄGLICHE PEIN ERLEIDEN.“
„Was hat er gesagt?“
„Wir würden unsägliche Pein erleiden.“
„Ich will jetzt meine 72 Jungfrauen.“
„EIN ÜBERSETZUNGSFEHLER.“
„Was?“
„Übersetzungsfehler.“
„IHR BEKOMMT 72 WEINTRAUBEN.“
„Was?“
„72 Weintrauben.“
„Was will ich denn mit 72 Weintrauben?“
„ESSEN UND EWIGWÄHRENDEN DURCHFALL ERLEIDEN.“
„Was?“
„Ewigwährender Durchfall.“
„Jetzt hab ich aber die Schnauze voll. Wozu hab ich mich den in die Luft gesprengt?“
„WEIL DU EIN WICHSER BIST.“
„Was hat er gesagt?“
„Du bist ein Wichser.“
„Eben. Und darum will ich jetzt auch meine 72 Jungfrauen, damit das mal ein Ende hat.“