Kameraauge

Zwei Miniaturen

Das Autotier träumt

Das Kameraauge hat etwas gefangen, es hat ein Tier gefangen, ein Autotier, das groß und dumpf auf seinem Parkplatz steht, seinem vorbestimmten Parkplatz, auf dem es steht und brummt und wartet, bis sein Herrchen kommt, um es Gassi zu fahren, um es um die Häuser zu führen, um es vorzuführen, den Gesichtern, die vor dem Eiscafé sitzen, den Gesichtern, die das Tier bewundern sollen, seine Größe, seine Farbe, seine Gewalt, denn wenn es sein muss, kann es so unendlich gewalttätig sein, es kann kleine Kinder und Igel verschlucken, aber von all dem ahnt das Kameraauge, das unbestechlich hinsieht, nichts, es sieht nur das Tier, das friedlich in der Sonne döst.

Auf vier Rädern steht es da, auf seinen vier Rädern, die es rollen lassen, schneller und schneller, so schnell soll es rollen, dass es manchmal Angst um sich selber bekommt, es hat Angst auseinanderzufallen, und deshalb genießt es die Zeit, wenn sein Herrchen keine Zeit für es hat, für das Autotier, das groß und wild vor einem Haus steht, auf seinem Parkplatz, bis es losstürmen muss, hin zur Benzinstelle, wo sie alle hin müssen, all die Autotiere, um Benzin zu saufen, damit sie nicht kraftlos am Straßenrand krepieren, und anschließend jagt sein Herrchen das Autotier hinaus in die freie Autobahn, hinaus in die Wildnis, damit es sich mit all den anderen Autotieren messen kann, damit es herausfinden kann, ob es eine evolutionäre Chance hat, um herauszufinden, ob es mehr von seiner Art geben wird oder ob es dazu bestimmt ist, auszusterben. Es steht in der Sonne und träumt.

Hände

Und plötzlich tauchen sie auf, Hände, zwei an der Zahl.

Die Hände wedeln, sie drücken die einzelnen Buchstaben der Tastatur, aber nicht so wie ein Mensch einen anderen drücken würde, um ihm seine Liebe zu bekunden, sondern rasch und schnell, wie man es von einem eilig dahingehenden Fußgänger oder einem spielenden Kind kennt, das Himmel und Hölle spielt, das hin und her springt, das aufgeregt ist und das nicht weiß, wo es sein Ei legen soll.

Die Hände hämmern und ackern, sie graben um, sie halten inne, sie verweilen, sie scheinen nachzudenken, während wir darüber nachdenken, wo wohl die Hände ihre Hirne sitzen haben. Wie zwei erschöpfte Flügel liegen sie auf der Tastatur, wie zwei abgeschnittene Flügel, die nicht mehr in der Lage sein werden, einen Vogel in den Himmel hinaufzutragen, bis sie es plötzlich doch tun, bis sie plötzlich doch wieder aufgeregt wedeln, weil das Kind sein Spiel wieder aufgenommen hat, sein wirres und unübersichtliches Himmel-und-Hölle-Spiel, das wir nicht verstehen, wir können nur den Flug der Hände beobachten, der kein Flug ist, sondern ein aufgeregtes Auf-der-Stelle-laufen. Die Hände täuschen ihr Vorwärtskommen nur vor!