Montag II

Zukünftig soll mit Drohnen ausgeliefert werden. Ein alter Hut für mich, der ich doch schon seit langer Zeit mit einem Adler arbeite, der meine Post ausfliegt. Er sitzt weit oben in seinem Horst auf meinem Haus. Verwegen blickt er nach unten, um etwas zu erspähen, was er aufpicken könnte. Er ist eine einsame Waffe, die ich einst abrichtete, damals, als ich noch in den Bergen arbeitete.

Ich besuche ihn öfters. Tatkräftig, wie es in der Bergsteigersprache heißt, erklimme ich das Dach, um mich seinem Schnabel zu nähern, der aufgeregt nach mir hackt.

„Ruhig, mein Brauner“, beruhige ich ihn.

Im nächsten Moment bestücke ich ihn mit einem meiner Bücher, das ich ihm unter das Gefieder schnalle. Oft zieht es ihn beim Flug nach unten. Zu schwierig ist der Stoff, den ich ihm auflud. Schwere Literatur, die es in sich hat. Träge zieht er seine Runden, um dann auf sein Ziel loszupreschen, wie es in der Adlerflugabrichtersprache heißt.

Guten Abend, Welt!

Die Verteidigung der Ebooks

Ich habe kürzlich gehört, das Ebook würde aussterben. Das kann doch nicht sein, habe ich gedacht. Jetzt hat es seit Jahrhunderten überlebt, und nun das. Was soll dann kommen? Etwa das gedruckte Buch? Am Ende verlangt man, dass ich bei einer Buchhandlung in der Innenstadt einkaufe. Nicht mit mir. Schon als Bub habe ich bei Amazon eingekauft. Die haben sich gefreut, wenn ich meinen Warenkorb vollgepackt habe. Stattdessen soll ich fortan von einem Buchhändler beraten werden. So geht das Abendland unter, sage ich euch. Wir werden alle in der Hölle schmoren. Wer das Ebook nicht ehrt, pflegte meine Großmutter zu sagen, ist nix wert. Die wuchs noch damit auf, mit einer Ebook-Bibel saß sie in der Küche und lauschte dem Wind, der die Fensterläden schlug, als wolle er dem Haus etwas lehren, was es nicht verstand.

Und plötzlich soll alles anders werden. Gedruckte Bücher, die durch ihre Form vom Buchstaben ablenken. Die werden der Untergang der Literatur sein, weil keiner mehr auf den Inhalt, sondern einzig noch auf die Verpackung achtet.

Niemals werde ich zu einem Knecht dieser neumodischen Erscheinung, die wie ein Geist durch die Realität wandelt. Ich lasse mir meine fiktiven Welten nicht von einer wie auch immer gearteten Gegenständlichkeit zerstören. Ich atme Luft, die kann ich auch nicht sehen. Im Unsichtbaren wohnt das Leben. In den Gedanken und in den Träumen.

Zur UNTAT (4)

„Guido Rohm schreibt, weil er schreiben muss. Ein Mensch, der neugierig ist, wie er aus der Sprache heraussteigt, in die er sich selbst gewühlt hat. Das sind seltene Menschen und es sind meistens die besten Literaten. Also schrieb Guido Rohm „Untat“ (Conte, 2013), einen knappen, präzisen Text, der nichts weniger ist als eine Zäsur. Ein Text über Henne und Ei, über das Böse und wie es hergestellt wird, über die Unschuld, deren oberstes Ziel es ist, Unschuld zu zerstören, über … ja, über was eigentlich noch? Finden Sie es einfach selbst heraus. Etwas, das ich hier unbedingt noch erwähnen muss: In „Untat“ passiert das, was nun wirklich nur in der besten Literatur passiert: Das Buch ist unglaublich komisch und diese Komik ist unglaublich deprimierend. Man wird blendend unterhalten – und blendend irritiert. Man lacht, während man weint und man weint, während man lacht.“ Dieter Paul Rudolph

>>>>Keine Rezension, sondern eine Liebeserklärung.

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Samstag

Zurück von den Feierlichkeiten zum dreißigsten Geburtstag meiner Schwiegernichte, bei der ja wieder alle dabei sein durften: meine Hunde Rasmus und Fonkreich, Sebaline und Vastebüle, natürlich auch meine momentanen drei Ehefrauen und diverse Kinder. Sie hingen allesamt an meinem Rochschoß. Ich war an diesem Abend eher zurückhaltend und ließ mich verschämt ins Zelt tragen. (Ich müsse etwas abnehmen, meinte meine Frau Vrono (Name geändert). Ich schimpfte sie für diese Frechheit in Grund und Boden. Das ließe ich mir von ihr nicht noch einmal sagen. Blablabla. Im Grunde alles uninteressant. Treffen mit dem Frontmann der Hailstones, einer Hardcore-Punk-Fuck-the-System-Band, mit dem ich diverse Drogen im Dunkel der Nacht konsumierte.

Mein „Funkenmariechen des Todes“ ist erschienen und hat sich sofort an die Spitze der Kindle-Charts bei Amazon gesetzt. War ja nicht anders zu erwarten.

In der Nacht erzählte Gauß, der Mathematiker und Börsenspekulant aus Bad Homburg, noch eine lustige Geschichte über seine Zeit als Drogenfahnderin. Sie hatte damals, so Gauß, keinen Hund, sondern einen Drogenbullen, mit dem sie am Frankfurter Flughafen patrouillierte. Muss lustig ausgesehen haben. Blondlock-Gauß und ihr Bulle Legolas, der sich später, da war er längst im Ruhestand, in einem Stall erhängte. Er hätte sogar einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er genau erklärte, warum das ein Scheißleben für einen Drogenbullen sei. Er wolle nicht mehr. Blablabla. Was eben in solchen Schreiben steht. Die Beerdigung sei gigantisch gewesen. Aus der ganzen Umgebung seien die Tier gekommen, Schweine, Elefanten, Flugmäuse (die ganze Vogelschar), um Abschied von Legolas zu nehmen. Später drehten sie eine TV-Serie über ihn. (Drogenbulle Legolas ermittelt). Wurde aber nach dem Piloten abgesetzt. (Sie zeigten die erste Folge einem Piloten aus Island, der den Daumen hob oder senkte. – Rätsel der Fernsehmoderne! Warum geben die einem Piloten eine solche Macht? Nachforschungen erforderlich.)

Später kamen wir nach Hause und tranken noch einen Abschiedsschnaps. Ich rauchte auf der Terrasse noch eine Tüte. Gutes Zeug, aber höchst illegal. Höchste Zeit, die Drogenpolitik in diesem Land zu überdenken. Knallte auf jeden Fall mächtig rein und präsentierte mir den Sternenhimmel als bonbonbunte Lachnummer aus einem Fellini-Circus.

Guten Morgen, Welt!

Die Lieblingsbuchhandlung

Jetzt hat man mich gebeten … Sie haben das ja bestimmt gelesen? Über Amazon und so! Die sind … Wohlgelitten sind sie nicht mehr, seitdem bekannt wurde, dass sie bei Amazon die Leute schlagen und in Bussen durch … Kanäle in der Erde transportieren … Das kam nicht gut an, beim interessierten Erreger, dass Amazon quasi das Vierte Reich auf Erden ist. Die sind nur noch vergleichbar mit … Sie wissen schon!

Und jetzt soll ich meine Lieblingsbuchhandlung vorstellen, damit man einmal einen positiven Schritt zurück an die Oberfläche der Welt wagt.

Ja! Schön, dass man mich gebeten hat, kann ich da nur sagen. Fein! Lieblingsbuchhandlung also!

Habe ich Ihnen schon erzählt, dass ich mein Haus kaum noch verlasse. Also, ich geh schon raus. Der Mensch braucht das ja: Luft, Atemluft, Benzinluft, Smog, Fabrikgestank. Ohne wird es schnell gefährlich für den Mensch. Drum geht man auch mal raus. Mal ums Haus laufen. Um die Häuserzeile. Um die Stadt. Ehe man sich versieht, war man wieder mal drei Tage unterwegs. Ja! Nein! Jetzt bin ich vom Weg abgekommen. Vom erzählerischen Weg quasi.

Lieblingsbuchhandlung! Ja! Die liegt in der Innenstadt, weil da alles liegt. Da liegen Kaufhäuser und Parkplätze, da liegt die Polizeistation, der Bahnhof, die Straßen. Und die Buchhandlungen liegen da auch.

Wenn ich jetzt wieder mal denke: Ja, Rohm, du könntest mal in deine Lieblingsbuchhandlung fahren, dann geht es ab in die Stadt. So eine Lieblingsbuchhandlung ist schon was … Man spürt gleich die Wärme, die sie ausstrahlt. Das Herz schlägt einem schneller, und wenn man um die Ecke kommt und sie erblickt, da wird man schier verrückt vor Liebe. Die Augen sind aufgerissen. Die Hose … Lassen wir das! Man stürmt über die Straße hinweg. Hupkonzert. Blechschäden. Aber was kümmert einen das? Man hört es nicht, nimmt es nicht wahr, weil man seiner Lieblingsbuchhandlung in die offenen Arme rennt. Ach …

Und rein da! Wie ein ungestümer Geliebter. Tür auf und rein mit seinem Ding, äh, Körper! Unmittelbarer ungeschützter Kundenverkehr!

Der Besitzer schreckt auf, weil er das nicht gewöhnt ist, dass einer in seinen Laden gestürmt kommt.

„Der Sexshop ist nebenan“, murmelt er vielleicht.

Papperlapapp. Sexshop. Unsinn! Das ist mein Sexshop. Überall Bücher. Krimis. Science-Fiction. Und neben den Krimis wieder Krimis: Landhauskrimis, Reihenhauskrimis, Regionalkrimis, Überregionalkrimis, Haushaltswarenkrimis. Für jeden Geschmack liegt da ein Krimi, damit auch jedes Hirn etwas zum Lesen hat.

„Juchhu!“, schrei ich da. „Endlich!“

Der Buchhändler, der mich nicht erkennt, zuckt bereits am ganzen Körper.

Ich lass ihm keine Chance und knuddel ihn durch, weil er natürlich mein Lieblingsbuchhändler ist, auch wenn er bis dato nichts von seinem Glück wusste.

Seltsam ist das! Natürlich! Ich bin doch früher – so vor sieben bis zwölf Jahren – jeden Tag hier gewesen, in meiner Lieblingsbuchhandlung. Und ich komm jetzt wieder öfter. Ich bin doch nicht blöd und bestell weiterhin beim Vierten Reich, denn wenn das der Leser meiner Bücher rausbekommt, dann aber … Dann gnade mir Gott! Ich hab das doch erlebt, bei Facebook, wie die Leute gewettert haben, die sind quasi mit ihren virtuellen Fackeln über die Hauptstraße gestürmt und haben jeden sinnbildlich geteert und gefedert, der sich zum Vierten Reich bekannt hat. Und ein Nazi … Nein, nein, damit will ich nichts zu tun haben. Ich bin ein anständiger Mensch mit einer realen Lieblingsbuchhandlung, die …

Wenn ich die erst wieder aufsuche, die Lieblingsbuchhandlung, wird das auch meine kindliche Liebe zum Buch als Gegenstand wieder entfachen. Da bin ich mir sicher, denn diese Liebe, wie soll ich sagen, die hat schon etwas gelitten. Da werde ich dann wieder jedes Buch in die Hand nehmen und streicheln und an meine Wange halten, und wenn der Lieblingsbuchhändler nicht hinschaut, werde ich es auch mal … Sie wissen schon, was ich meine!

Nicht, dass ich … Nein, nein, ich bin kein Perverser, sondern ein Leser, also … hin und wieder … Auf der anderen Seite … Ich weiß ja gar nicht mehr wohin mit all den Büchern. Und all die Veröffentlichungen, die kann ich nicht kaufen, sonst muss ich bald anbauen, und das Geld hab ich einfach nicht.

Trotzdem ist es gut und richtig, mal wieder seinen Lieblingsbuchhändler zu besuchen, um sich aus der tödlichen Umarmung des Vierten Reichs zu befreien.

So ein realer Buchhändler, der einen knurrig empfängt, und der einen erschlagen will, wenn man keine Lyrik kauft, der ist schon was … So etwas findet man beim Vierten Reich einfach nicht, da herrscht die kühle Lagernetzstimmung. Fürchterlich.

„Ja, hast du denn das und das“, werde ich fragen, und mein Lieblingsbuchhändler wird nachdenken und sagen, nein, aber er könnt es mir online bestellen.

„Online!“, werde ich schreien. „Niemals!“

Und dann werde ich entrüstet den Laden verlassen, weil, mit so einem onlinebestellenden Naziverbrecher will ich nun beim besten Willen nichts zu tun haben. Wenn das rauskommt … Facebook kennt da keine Gnade. Keine!              

Dienstag

Ich war bereits zum dritten Mal erwacht, als mich die Idee ansprang, mal keinen Roman zu schreiben. Sie galoppierte auf meinen Bauch und wieherte. Fuhr ihre Krallen aus und würgte mich. Ich konnte die Idee nur mit einem David-Bowie-Messer erlegen. Ich schnitt ihr die Zunge aus dem halbgeöffneten Maul. Und als sie schon lange tot war, schrie ich noch: „Stirb, Vieh!“

Ich mache das ja immer so mit meinen Idee. Manchmal prügel ich sie auch durch die Zimmer meiner Fünftausend-Zimmer-Villa. Dafür muss man Ausdauer haben. Das ist nichts für den gemeinen Self-Publisher bei Amazon, dafür muss man einen Millionenhit wie „Blut ist ein Fluss“ geschrieben haben.

Wenn mir einer mit Kunst kommt, bekommt er eins auf die Fresse. Höchstens sie ist wertvoll und er schenkt sie mir, damit ich sie im Notfall verkaufen kann. Dann kann die Kunst bleiben.

Das war ja gestern wieder ein Tag! Nachdem ich ihn vermessen hatte, ergab er die Länge von 24 Stunden. Da stimmt etwas nicht. Seit Jahren umfasst jeder Tag 24 Stunden! Das ist doch merkwürdig, oder? Warum sind es nicht mal 23 Stunden? Oder nur eine halbe Stunde? (Das könnte knapp werden, wenn man nur eine halbe Stunde hat: Aufstehen, rasieren, Zigarre und Pfeife rauchen, Kaffee trinken, hinlegen, schlafen!)

Meine Frau Barbara (Name geändert) und ich haben gestern hauptsächlich rumgelegen. Klingt wieder einfach, war aber eine Heidenarbeit, weil wir überall rumlagen. Zuerst auf der Kommode, später auf den Stühlen, in der Spüle, auf der Klobrille. Ich habe zu Susie (Name geändert) gesagt: „Das stellen sich die Leute immer wie ein Zuckerschlecken vor, so ein Starautorenleben. Die sollten jetzt mal hier mit uns auf der Türklinke liegen. Dann wüssten wie, wie schwer es sein kann, wenn man den ganzen Tag rumlungert.“

Die Feiertage sind ab sofort vorbei. Ab heute weht ein anderer Wind. Ich werde wieder Weltliteratur fabrizieren, so welche mit Leuten, die von Türmen fallen und sich den kleinen Finger beim Großeinkauf brechen. Vielleicht mal ein Liebesroman. Mit einer Menge Mullbinde drin. Und einem Versicherungsvertreter, der gar kein Arsch ist. Die Weltliteratur, die bricht mit den Klischees.

Unsere Tochter Erik (Name geändert) ist bei ihrem Vater. Die Villa kommt einem ganz verlassen vor. Das bisschen Personal kann so eine Tochter nicht ersetzen, auch wenn sich Tischabstaubemädchen Cordula (Name geändert) müht, sie zu imitieren. Gerade eben kommt sie verschlafen aus ihrem Kinderzimmer und reibt sich die Augen. „Muss ich schon aufstehen?“

Ich nicke. Tochter hin, Tochter her. Die Tische muss wer abstauben.

„Aber später legst du dich wieder hin, weil Ferien sind“, ermahne ich sie.

Als Bestsellerautor bin ich selbstverständlich schon wach. Mein Tagebuch muss ja gefüttert werden. Tagebuch ist ein Zwergreh, das ich im Wald gefunden habe. Es stand so einsam herum, da ich habe ich es in eine Tüte gepackt und mitgenommen. Weil ich nicht wusste, wie ich es nennen sollte, taufte ich es Tagebuch. Die Tauffeier fand im Badezimmer statt. Unser Priester (der in einem Schrein hinter unserer Villa wohnt) hat ihm außerdem die Beichte abgenommen.

Die Morgenstunden kommen allmählich in Gang. Ein paar Vögel zwitschern bereits. Die Wachen sind auf der Hut. Ich habe die Anweisung gegeben, auf jeden Fan zu schießen, der keine Autogrammkarte verlangt. Die eine wollen, werden in den Aufenthaltsraum verbracht, in dem sie bei trockenen Plätzchen und Wasser darauf warten, von mir empfangen zu werden. Es geht ihnen im Aufenthaltsraum gut. Es gibt einen Arzt, der sich um die Krankheiten im Alter kümmert. Ich habe auch einen Pflegedienst engagiert. In der Ecke steht ein Töpfchen.

Ha! Da war es ja gut, so lange geschrieben zu haben. Eben steht meine Frau Veronique (Name geändert) auf und bläst mit mir ins selbe Horn. Das machen wir öfter so. Ein Hobby. Die Zwergrehe der Umgebung horchen auf und spitzen die Ohren.

Und das war es schon wieder.

Guten Morgen, Welt!

Die Zukunft der Literatur

So ein Krimi, ja, was soll ich Ihnen da erzählen, der schreibt sich nicht von allein. Da muss man schon, gell, sein Köpfchen und seine Fantasie reinstecken, dass da am Ende ein gescheiter Krimi rauskommt.

Jetzt hab ich heut Morgen bei Amazon nachgeschaut, um mal zu wissen, was ich als nächstes schreiben sollte. Weil, so eine Literatur, die muss nicht gut sein, die muss vor allem dem entsprechen, was der Leser eh schon kennt. Der will keine Enttäuschung erleben. Der will das lesen, was er kennt, und allzu schwer sollte es auch nicht sein. Gefunden hab ich den >>>>Herrn Fitzek und den >>>>Herrn Dan Brown. Wobei, der Herr Dan Brown war zwar hinter dem Herrn Fitzek, aber das hat nix zu heißen, weil das Buch vom Herrn Brown noch nicht mal erschienen ist, sondern erst im Mai kommen wird. Das ist natürlich schon eine Prachtleistung, ein Buch derart oft an den Leser zu bringen, das es noch nicht mal zu kaufen gibt. Die nächste Steigerung, aber das ist jetzt Unsinn, wäre, wenn der Herr Dan Brown nur noch Bücher ankündigt, die sich wie verrückt verkaufen, also wie geschnitten Brot sozusagen, die aber nie erscheinen, weil, da legt der Leser vielleicht gar keinen Wert drauf. Die ähneln sich oft die Bücher, was muss er die da wieder und wieder lesen. Da genügt es vollkommen, sie bei Amazon oder anderswo anzukündigen, damit sie gekauft werden, ohne je das Licht der Welt zu erblicken. Das, vermute ich mal so, wird die Zukunft der Literatur sein: Bücher an den Mann oder die Frau bringen, die es nie geben wird. Es reicht, wenn der Käufer es in seinen Warenkorb packt, bei Amazon oder anderswo, und das passt gut, weil, den gibt es auch nicht, den Warenkorb, der ist mehr eine Vorstellung von einem Warenkorb, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Um das Ganze abzuschließen: Die Zukunft gehört den Romanen, die erst gar nicht mehr erscheinen, weil man sie längst kennt, die man aber unbedingt besitzen muss, weil man ja mitreden will. Man ist kein Depp. Man will schon über den neuen Brown reden können. Aber dafür genügt im Grunde der Klappentext, oder?

Sonntag (II)

Nur schnell, mal so nebenher. Habe eben mit den Jungs Karten gespielt. Das mit dem Taschengeld tut mir leid. Sie sollen früh lernen, nicht um Geld zu zocken. Werde mir gleich von dem Gewinn bei Amazon ein Buch bestellen. Das mit Amazon würde ich nie öffentlich eingestehen, weil man sonst aufpassen muss, dass man nicht die Scheiben eingeworfen bekommt. Beim letzten Mal, als ich zugab, bei Amazon Bücher einzukaufen, fand ich am nächsten Tag den Schriftzug AUSBEUTERNAZISCHWEIN auf meinem Unterarm. Jemand musste es über Nacht dorthin tätowiert haben. Leute gibt es.

Jetzt ein bisschen schneller Sex. Danach Mittagessen. Die Hektik des Sonntags.