Lesereise des Grauens

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Dienstag II

Die Urlaubsstimmung, die allerorten durchschlägt, hat auch mich erfasst, obwohl ich gar keine Zeit für diese Kinkerlitzchen habe.

Ich habe mir ein Schlau(ch)boot besorgt, in dem sitze ich vor meinem Schreibtisch. Der Rücken schmerzt bereits unerträglich. Das kommt von der ganzen unbequemen Streckerei. Es dauert eine halbe Ewigkeit, bis ich mit meinen Fingern an die Tastatur komme. Vorteile hat es schon. Meine ohnehin geschliffene Sprache wirkt jetzt noch geschliffener. Ich erkämpfe mir Buchstabe für Buchstabe, bis sich ein Wort gebildet hat. „Wieder eins!“ schreie ich zu meiner Frau Sybille Lüdenthal (Name geändert), die sich die Zehennägel anmalt.

Sie wissen bestimmt, dass die gute Frau eine international unbekannte Zehennägelkünstlerin ist, die vor Urzeiten als Fälscherin echte Van Goghs und Rubrechts auf ihre Zehennägel pinselte. Anschließend rammte sie die Nägel gegen eine Eisenstange, damit die kleinen Kunstwerke bei Zeiten vom Fuß fielen und für viel Geld an Sammler in der ganzen Welt verkauft werden konnten. So kam sie an ihre erste Millionen, die wir ausgaben, als ich sie in Sankt Max kennenlernte, damals beim Skifahren. Ach, ist das lange her. Demnächst mehr dazu.

Mit dem Franz ist nicht gut Kirschen essen

Mit dem Franz ist nicht gut Kirschen essen. Das sagten die Kinder, die mit dem Franz zu tun hatten. Die aus der Nachbarschaft. Und die aus der Schule. Nicht gut Kirschen essen. Ja, warum denn? Der Franz ist ein Genauigkeitsfanatiker. Der zählt die vorhandenen Kirschen und teilt sie auf, damit jeder seinen gerechten Teil erhält. Gerechtigkeit! Das Wort war eine Bombe. Das war nicht gern gesehen. Nicht hier. Nicht in dieser Welt.

Er musste eben immer auffallen. Aus der Rolle, die man für ihn vorgesehen hatte, fallen.

In der Schule saß er ruhig auf seinem Platz. Kein Kichern. Kein Geschwätz. Mit so einem musste es ja bergauf gehen. Der musste aufsteigen. Das sahen alle, die mit ihm zu tun hatten. Die Eltern, unrechtschaffende Leute, sorgten sich. Sie sprachen den Lehrer an, der nur abwinkte und sagte: „Mit dem Franz nimmt es kein schlimmes Ende! Macht seine Hausaufgaben, folgt dem Unterricht. Mit so einem kann man was anfangen.“ Und dann sagte der Lehrer Maier noch die Worte, die eh schon über den Franz kursierten: „Mit dem ist nicht gut Kirschen essen.“

Das Jahr, in dem ich das Gewehr meines Vaters war

Ich hatte ja wieder einmal einen Auftrag zu erledigen. Aber darüber berichte ich erst im nächsten Kapitel.

Hier will ich von meinem Vater erzählen. Hochgewachsen. Ein Turm von einem Mann. In seinen Haaren nisteten seltene Vögel. Er spießte die Wolken mit einzelnen, abstehenden Haaren auf. Es kam auch mal vor, dass er eine Passagiermaschine durchbohrte.

Das Haar riss den Boden auf und schob sich oben wieder heraus. Druckabfall. Geschrei. Und das nur wegen eines einzelnen Haars. Kinder, die sich an dem Haar festhielten. Dachten, es wäre ein Baum. Und während man stirbt, kann man klettern. Die Kinder dachten nicht ans Sterben. Ans Verrecken noch weniger. Auch nicht ans Abnibbeln. Die sahen den Baum und wollten sehen, wer schneller hochkam. Die Erwachsenen zerrten an ihren kleinen schreienden Bälgern, schrien, sie sollten sich zusammenreißen, es werde schon alles gut ausgehen, man werde zwar zerschellen und verbluten, man werde tausend Tode sterben, aber das sei ja kein Grund, so ein Geschrei zu veranstalten.

Die Flieger rasten meinem Vater massenhaft in die von Haarwachs verklebten Haare, so dass man schon bald die Flugrouten änderte, man flog nicht länger über unser Heimatdorf.

 

Ein Schütze war er, mein Vater. Er trug ein Gewehr im Arm. Er schaukelte es wie ein Baby, sprach auf es ein, fütterte es mit Kugeln, ließ es sich erbrechen. Sein Babygewehr wurde auf alles gefeuert, was als „bewegliches Ziel“ auszumachen war. Er schoss auf die Autos der Nachbarn, auf die Nachbarn.

Ein Mörder war er nicht. Er liebte halt den Schussapparat, er liebte das Spannen, Zielen und Feuern.

Er fuhr ja oft mit mir in den Wald hinaus. Wir kletterten auf einen Baum und saßen dort, angespannt und kauten Kaugummi oder einen Müsliriegel.

„Irgendwas wird schon kommen“, sagte mein Vater, „was wir töten können. Ein Elch, ein Wildschwein, ein Nachbar. Ich leg mit meinem Gewehr an und schieß es über den Haufen. Man kann das gar nicht glauben. So ein Wunder.“ Er strahlte mich an. „Hier drückst du, und dort vorne fällt etwas wie ein nasser Sack um. Na, wenn das nicht toll ist. Willst du es denn einmal halten, mein kleines Baby?“

Ich nickte und er überreicht mir seine Todesfernbedienung, er legte sie samtweich in meine buttrigen Hände, und es war mir, als würden das Gewehr und ich verschmelzen. Es drückte sich tief in meine Handfläche, bis man den Kolben gar nicht mehr sehen konnte, weil er zu einem Teil der Hand geworden war. „Du bist ein wahrer Gewehrmann“, sagte mein Vater.

Wenn nichts vorüber kam, wenn sich kein Reh verlief, schossen wir Äste von den Bäumen, Vater ließ sie mit seiner Todesfernbedienung fallen, er schnitt sie aus der Ferne ab. Wenn es jemals ein Wunder gab, dann in Form eines solchen Gewehrs.

Im Schützenverein war er auch, keine Frage. Schützenkönig! Darum verhafteten sie ihn auch trotz der vielen Opfer nicht. Ein König ist König. Der ist unangreifbar. Unverhaftbar. Wir residierten in einem großen weißen Haus, das mein Vater schwarz hochgezogen hatte, in zahllosen Nächten, in dunklen Regennächten, weil er an den Tagen arbeiten musste. Er war bei der Polizei. Gut so. Die kam nie auf den Gedanken, dass man  bei uns in Dosenfeld einmal recherchieren müsste. Wegen meines Vaters! Wer so einen guten Kommissar im Dorf hat, der muss sich nicht fürchten, argumentierte das Polizeipräsidium.

 

Und doch gab es ein Jahr, in dem alles anders war. Mein Vater hatte sein Gewehr verlegt. Oder es war gestohlen worden. Er schwitzte, die Angst um seine Kleine, um seine Geliebte, machte ihn kirre. Er flehte alle an, sie mögen sein Gewehr suchen. Sie mögen es ihm bringen. Ohne seine Fangschüsse würde er sterben, erklärte der Vater. Er ließ die Mutter eine Pressekonferenz abhalten. Von überall aus dem Dorf kamen sie und lauschten der Mutter, die mit zitternder Stimme verlas, was der Vater in der Nacht diktiert hatte. Er drohte dem Dorf. Sollte sein Gewehr nicht auftauchen, würde er das Dorf dem Erdboden gleichmachen. Er würde alles tun, was ihm just in dieser Sekunde der Aufregung nicht einfiel, aber tun, so viel sei sicher, tun würde er es.

Das Gewehr blieb fort. Die ersten Wochen musste mein Vater das Bett hüten. Er trieb seine Traumschafe über die Bettdecke und zählte sie. Stets war da eins, was nicht da war. Es war hinter dem Kissen, am Fußende. Das Leben als Traumschäfer war der reinste Stress.

Nach und nach beruhigte er sich. Die Zeit begann, da er mich umhertrug.

„Komm!“, sagte er. „Ich habe kein Gewehr mehr, drum nehm ich dich.“

Vater befestigte einen Gurt an mir und schob ihn über die Schulter. Da hing ich. Kopfüber. Das Blut schoss mir in den Kopf. Vater zielte mit mir meist auf alte Frauen. Er hielt ihnen meinen Lauf vor das Gesicht und drückte ab. Ich feuerte Speichelkugeln.

Nahezu ein Jahr war ich das Gewehr meines Vaters. Eine wilde und verrückte Zeit, an die ich mich noch heute gern zurück erinnere.

Hörte mein Vater nachts ein Geräusch, griff er nach mir und suchte das Haus ab. Er flüsterte: „Die wissen nicht, dass ich einen Sohn habe. Die armen Irren!“

Er nahm mich auf die Jagd mit, fuhr mit mir nach Schottland in einen Park, der für Jäger war. Wir wohnten dort und schossen beinahe einen Elch. Meine Speichelkugeln hätten ihn verletzen können, wären wir näher an ihn herangekommen.

 

Und dann plötzlich, ohne Vorwarnung, war sein Gewehr zurück. Es glich einem Wunder. Von einem Tag auf den anderen lag es auf den Stufen vor unserem Haus.

„Papa!“, schrie die Mama.

Vater schnappte nach mir, der ich allezeit griffbreit in seiner Nähe stand oder lag. Er stürmte zur Tür hin. Einbrecher? Wo? Bei dem Geschrei musste ein Verbrechen geschehen sein.

„Dein Gewehr“, sagte die Mutter.

Vater erstarrte. Er ließ mich fallen. Wie ein Baum sein Obst. Wie ein Bauer die heiße Kartoffel. Wie die Wolken den Regen.

Vater bückte sich und hob seinen Schatz auf. Keine Fragen! Keine Vorhaltungen! Nichts! Das Gewehr, so dachte Vater wohl, muss schon seine Gründe gehabt haben, auf Wanderschaft gegangen zu sein.

Nie sprach er darüber. Er holte es heim, stellte mich in mein Kinderzimmer zurück und sah mich nicht mehr. Ich verschwand aus seinem Leben. Einfach so!

„Du hättest halt ein Gewehr werden sollen“, sagte meine Mutter und strich über mein Haar. Sie blickte angewidert in ihre Hände, die wie Specksteine glänzten. „Wasch dir wieder mal die Haare.“

Bis heute erinnere ich mich mit einem wohligen Gefühl an die Tage, an denen ich das Gewehr meines Vaters sein durfte. Sie spuken durch meinen Kopf. Sie erzählen mir davon, wie es hätte sein können, wäre ich ein Gewehr.

Traurig wuchs ich in Dosenfeld heran. Ich war eine Zimmerpflanze, die kaum Wasser brauchte. Ich saß hinter meinen Büchern und lernte. Sehnsüchtig blickte ich oft aus dem Fenster. Mein Blick verlor sich in der Ferne. Im Geäst. Im Wald. In der Vergangenheit.

Oft schloss ich die Augen und sah alles ganz klar vor mir. Mein Vater, der etwas gehört hatte, oben auf dem Hochsitz, und der nach mir griff und anlegte und forderte: „Spuck!“

Das Kind

Aus Karl Bordmanns Aufzeichnungen

 

… es ist zum Heulen. Kinkerlitzchen. Es kann nicht von mir stammen. Eva behauptet es. Sitzt rum und heult, das dämliche Weib. Ich habe ihr schon hundertmal erklärt, dass es Einbrecher gewesen sein müssen. Hurensöhne, die in dieser Gegend auf einem Raubzug waren. Und weil sie nichts gefunden haben, zerschlugen sie das gesamte Mobiliar.

Jetzt will sie mich verlassen. Soll sie doch gehen. Es ist sowieso alles am Ende. Mir fehlen die Kräfte, um noch etwas zu schreiben.

Am Horizont braut sich ein Sturm zusammen. Er wird alles mit sich reißen. Ich kann es in meinem kleinen Finger spüren. Dieses Ziehen.

Sitze hier in meinem Sessel und trinke. Eva wühlt oben. Vielleicht packt sie ihre Koffer. Ich werde sie nicht aufhalten. Ich könnte es tun. Ich habe es schon einmal getan. Was hat das gebracht? Nichts! Reden wir nicht darüber. Ich will nichts davon hören. Es gibt Bilder, die nicht verschwinden wollen. Ich werde …

 

… ein Klopfen. Ich bin mir sicher, ein Klopfen gehört zu haben. Eva ist fort. Gott sei ihrer erbärmlichen Seele gnädig. Es war eine Menge Arbeit, sie nach Hause zu bringen. Die Erde ist feucht. Sie ist schwer, zu schwer für einen alten Mann wie mich.

Unten ist etwas. Ich müsste nachsehen. Nein. Soll es doch dort sein. Soll es umherkriechen. Es kommt aus dem Meer. Manchmal muss ich lachen. Ich kenne es. Es kommt aus meinem Kopf. Aber es lebt. Obwohl es aus meinem Kopf kommt, lebt es. Ist das nicht wunderbar. Es ist mein verfluchtes Kind. Meines und Evas. Wir haben es gezeugt, als ich sie …

 

… Papa! Es ruft nach mir. Es will, dass ich nach unten komme. Scheiß auf alles. Ich werde hier liegen und langsam verrotten. Liegen und sterben. Das ist es. Ich habe die Schnauze voll. Ständig bimmelt das Telefon. Die Nachbarn. Oder eine ihrer Freundinnen, die sie suchen. Sie werden sie nicht finden. Ich müsste mir die Finger waschen, der Dreck der Erde sitzt noch darunter. Das Kind schleift sich unten über den Boden. Es ruft nach mir. Papa! Das ist zum Lachen. Das ist zum Weinen. Es ist das hässliche Kind einer hässlichen Liebe. Ich sollte nach unten gehen. Sollte es mit der Schaufel zu Mama bringen. Dort gehört es hin. Würde nichts bringen. Weil es in meinem Kopf geschlüpft ist … Mehr trinken!

 

… kaum glauben. Ein wunderschöner Sonnentag. Und ich bin noch am Leben. Ich habe den Sturm überlebt, diesen Orkan, den Gott sandte, um das Böse vom Antlitz des Planeten zu wischen. Im Haus herrscht völlige Ruhe. Die Brandung schlägt wie ein Pendel. Regelmäßig, so wie mein Puls. Es könnte alles gut werden.

Ich werde nach unten müssen. In den Keller. Ich habe keinen Wein mehr. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich ohne Wein kein Mensch bin. Ich bin eine leere Hülle. Eva wusste es. Sie hat es gesagt. Wieder und wieder. Gott, halt doch deine schäbiges Maul, hab ich gerufen, aber sie hat es wiederholt. Die Worte kamen wie Kugeln aus ihrem Mund. Wie ein Maschinengewehr war sie. Eine … Jetzt ist sie nicht mehr. Es ist gut, was ich getan habe. Gut. Es geht um die Ruhe, die ich mir verschafft habe. Die Zeit, die mir bleibt. Wenn ich nur gesünder wäre, ich würde etwas schreiben, dass sie schon lange nicht mehr gelesen haben. Einen Schrei. Den würde ich aufschreiben. Ich habe ihn gehört. Er ist noch in meinem Ohr und …

 

… unser Kind. Ich habe es gesehen. Es ist … es lag … Mir fehlen die Worte. Eine Missgeburt. Eine totale Missgeburt. Ein schleimiges Etwas. Es lag unten auf den Fliesen. Hinter sich eine Schleimspur aus Blut. Eva muss es in ihrem … Sie muss es dort unten bekommen haben. Und dann hat es sich befreien können. Ich weiß nicht … Es muss die Erde zur Seite geschoben haben und hat sich über die Terrasse ins Haus geschleift. Ich habe mich nicht verhört. Es hat gerufen. Papa, hat es gerufen. Es wollte zu mir. Ich habe es nicht berührt. Nein, das kann ich nicht.

Ich habe mir Wein geholt. Bin nach oben zurück. Hier sitze ich und schreibe. Ich schreibe alles auf, alles, was …

 

… in der Nacht konnte ich es hören. Es hörte sich wie ein Miauen kann, gefolgt von einem Wimmern. Und dann hörte ich ganz deutlich, wie es wieder Papa rief. Nicht. Nein. Es hat nicht gerufen. Es hat es geflüstert. Ich sollte gehen. Nein! Ich darf nicht gehen. Es ist ein Kind des Hasses. Es wurde mit Blut gezeugt. Es wurde mit einem Hammer gezeugt. Mit einer Schaufel. Papa. Das kann nicht sein. Ich werde vermutlich nur verrückt, nur verrückt, verrückt.

Es hört sich an, als wäre es auf die unterste Stufe gekrochen, als würde es sich auf dem Weg nach hier oben befinden. Ich könnte wen anrufen. Wen? Ich könnte es erschlagen. Sie wie … Ich will jetzt nicht daran denken.

Ich muss mir diese Welt aus dem Kopf trinken. Dann wird schon alles gut. Alles wird gut. Alles …

 

… Tür zugeschlossen. Ich denke nicht, dass es etwas bringt. Ich werde es nicht abhalten. Es weint. Ich bin ein schlechter Vater. Es kratzt an der Tür. Es muss über lange Fingernägel verfügen. Es hört sich an, als würde man Metallspitzen über das Türblatt ziehen. Es heult, es kratzt. Es ruft mich.

Es wird kommen.

Es will doch zu seinem Papa!

Es …

 

… Ruhe.

Das hat nichts zu bedeuten. Das ist die Ruhe vor dem Sturm. Ich habe die Waffe geladen, die kleine, die Eva in ihrem Nachttisch aufbewahrte.

Ich bin bereit. Wenn es kommt, werde ich den Lauf tief in meinen Mund stecken und mich entfernen. Ich weiß nicht, ob die Kugel tödlich ist. Ich vermute es. Ich hoffe es.

Draußen ist seit Stunden nichts zu hören. Stunden? Es könnten auch nur Minuten sein. Das Kind sammelt sich. Konzentriert sich. Es hat nicht aufgegeben. Nein.

Mein Blick ruht eisern auf der Tür. Hier wird es ein zweites Mal schlüpfen. Es will in meine Welt.

Ich denke es ist Zeit, es zu begrüßen.     

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schund

 

Der Briefwechsel von Jochen Mersmann mit Heiner Lampert (2)

Lieber Heiner,

hier die gewünschten Wörter aus meinem Roman: es, weiter, Wille, Samstag, Menstruation, Hochhaus. Wähl einen anderen Titel für dein Stück. So wird das mit Peymann nie was. Wetter immer noch beschissen.

Jochen

 

Lieber Jochen,

danke für die Wörter. Wir haben sie unseren Bekannten Winfried und Herta Müller gezeigt. Ich glaube, dass sie neidisch darauf waren. Winfried wollte gar nicht glauben, dass es deine Worte wären. Er sei sich gewiss, sie so oder so ähnlich schon einmal gelesen zu haben. Ich konterte mit einem Lachen und dem Hinweis, dass dies gänzlich unmöglich sei. Hier auf dem Land leben eben recht einfältige Menschen.

Peymann hat auf meinen letzten Brief wieder nicht reagiert. Ich denke nicht, dass ich meine Stücke noch von ihm inszenieren lassen möchte.

Die örtliche Theatergruppe zeigt übrigens Interesse an „Der lange wirre Weg, den ich an einem 8. Dezember verließ“. Ich meine mich erinnern zu können, dir daraus vorgelesen zu haben.

Richter plant ein weiteres Treffen der Gruppe 47. Sollten wir wider Erwarten nicht eingeladen werden, muss ich dieses andauernde Desinteresse als Neid werten.

Schade, dass du nur Karten schreibst. Der Schinken war wohl aufgebraucht?

Dein Heiner

Provinz

A und ich (und unsere Kinder) sitzen ja hier in der Provinz fest, und deshalb kann ich mir die meisten Filme, die mich interessieren, erst ansehen, wenn sie als DVD erscheinen. Wir müssten sonst nach Frankfurt fahren, aber dafür sind wir zu bequem, zu eigenbrötlerisch, zu besessen von unserer Wohnungshöhle, die wir nur verlassen, um in der Umgebung zu jagen. Daher kann ich mir erst heute MOONRISE KINGDOM ansehen. Und ein paar Folgen WALKING DEAD warten auch noch, auch einige Fragen, die ich beantworten soll; eine erste keucht in meinem Maileingang und bettelt um Beantwortung. Ich will sie nicht mit ein paar schnellen Worten abspeisen, also muss sie warten, während ich darüber nachdenke, was ich zu ihr sagen werde.

 

Selbstbildnis mit Küchengerät II

Heute: Meine Knoblauchpresse und ich

„Zudrücken. Alles muss raus. Das Leben. Der Saft. Kraft. Wende sie auf. Lass die Muskeln spielen. Rinnen muss es. Tief ins Becken, bis kein Tropfen mehr zu finden ist. Benutze deine Hände. Nicht dein Hirn. Blende alles aus. Werde zu einem Teil deines Instruments. Keine Haut. Die hast du abgezogen. Nackt. Nur du. Die Situation. Die Anstrengung. Und wenn es getan ist, dann wirf die Reste in den Müll. Begrab sie in der Nacht auf einem Acker. Und wenn du in einsam in deinem Bett erwachst, dann weißt du warum. Du schmeckst dein Verbrechen auf der Zunge. Ein leichtes Brennen. Schließ die Augen und denk an dein nächstes Opfer.“

Kurt Fachinger, Erpresser