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gries

Antigriesgedicht

Gries, riefen sie.
Junge Männer mit
Nachttöpfen auf den Köpfen.
Keine Ahnung, woher sie kamen.
Nicht aus dem dritten Stock.
Sonst hätte ich sie ja gekannt.

Gries, riefen sie.
Und später zogen sie
in den Gries,
die Dummköpfe,
wo doch jeder weiß,
wie klebrig der wird,
wenn er abkühlt.

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bar

Oh Mann, wir waren ein tolles Trio. Das blonde Gift tat dem Koffer und mir einfach nur gut. Wir machten die verrücktesten Sachen. Wir warfen Bänke um. Zertraten Luftschlangen. Wir ließen uns stundenlang auf dem Rücken den Fluss hinabtreiben, bis es keine Flüsse flussabwärts mehr gab. Ich Trottel ahnte nicht, dass sich längst etwas zwischen dem Gift und Charlie angebahnt hatte. Eine Flasche und ein Koffer. Das passte nicht in meinen Kopf. In einer Gewitternacht brannte die Elektrik im Motterl durch. Und die beiden Liebenden gleich mit ihr. Sie verschwanden auf Nimmerwiedersehen. So stand es auf einem Zettel, den sie mir auf die Stirn geklebt hatten. Dieser Kleber, ich bekam ihn kaum ab. Noch Jahre später knubbelte ich daran herum. Ich begann wegen des Klebers zu trinken. Fiel auf und schließlich von Bar zu Bar, in meinem Kopf diese sexuell aufgeladenen Bilder von Charlie und dem blonden Gift, die, während sie es taten, über mich lachten. „Flaschen und Koffer lachen nicht“, beruhigte mich Joe. Ihm gehörte eine Kneipe am Rande der Stadt. Dort lernte ich Wilhelmine kennen. Wilhelmine. Ein Körper wie eine Dynamitstange. Sie war Joes Frau. „Komm nicht mit Feuer in ihre Nähe“, sagte Joe. „Sie hat bereits ihre ganze Familie an Motter mit Feuerzeugen verloren. Sie ist und bleibt eine Dynamitstange.“

Auszug aus Raymond Motters Roman „Das große Schaf“

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motterstelle

Es war eine verflucht trostlose Zeit. Mary hatte sich mit einem Kerl eingelassen, der in Nacktschnecken machte. Ich verdingte mich als Handlungsreisender. Ständig auf Achse. Kein Zuhause. Motterls, in denen ich meine einsamen Nächte verbrachte. Ich und mein Koffer. Er nannte sich Charlie. Er steckte eine Menge ein: Hemden, Schlipse, Unterhosen. Wir zogen von Stadt zu Stadt. Glücksritter, die auf der Suche nach ihrem Stück vom Kuchen waren. „Ein Stück Kuchen, nur eins“, sagte ich zu Charlie. Seine Leder knirschte traurig. Und dann tauchte an einer Motterstelle plötzlich dieses blonde Gift auf.

Auszug aus Raymond Motters Roman „Das große Schaf“

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Aus dem Leben der Motter (1)

mottermais

Motter können Mais nicht ausstehen. Es geht die Mottersage, dass einst ein Maiskolben FREHNLEHN, die Urmottermutter, in ein Feld lockte und dort vergewaltigte, zerhackte und tötete. Genau in dieser Reihenfolge. Harter Tobak, wie überhaupt alle Geschichten, die sich Motter allabendlich zum Einschlafen erzählen. Vermutlich stimmt sie gar nicht, aber trotzdem wird sie von Mottermund zu Mottermund getragen. Eine heikle und eklige Angelegenheit, die bereits zu vielen Krankheiten führte. (Mottermundschmotter nennt sich eine.) Trifft ein Motter nun auf ein Maisfeld, kann er sich nicht halten und ergeht sich in Beschimpfungen, die mehrere Maisgenerationen zurückreichen. Eigenwillig, aber nicht direkt inkonsequent bzw. eigenwillig, aber konsequent, um die schnelle Variation des Satzes auch noch angeboten zu haben.

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Wie Motter sich ärgern

schotter

Ist ein Motter verärgert, etwa weil man ihn streicheln oder ihm Tee anbieten wollte, sucht er eine Bahnstrecke auf, um die sich dort befindlichen Gesteinsbröcklein weit in die Gegend zu katapultieren. Er lässt sie spritzen, bis es zu Verletzungen der Atmosphäre kommt, wie er hofft. Noch nie hat ein Motter sich ohne Gesteinsbröcklein seiner schlechten Stimmung hingegeben, sodass die meisten von ihnen stets eine kleine Tüte Gesteinsbröcklein bei sich tragen. Auch in Gesteinsbröckleinläden kann man sie erwerben. Kosten aber eine Menge Schotter. Darum laufen die meisten Motter lieber einige siebenhundert Kilometer bis zum nächsten Schienenstrang.

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Über die Motterspeisung

dotter

Motter verspeisen nur Dinge, auf die sie sich einen Reim machen können. Darunter befinden sich so exotische Speisen wie Furunkelbotter, Feuchtlotter und Rhabarberhotter. Hat sich der Trompetenrüssel erst in eine Dose verliebt, kann es geschehen, dass der Motter nicht mehr ausziehen möchte. Manche Motter leben bis zu vier Jahre mit einer Dose, bevor ihnen bewusst wird, dass sie längst verhungert sind.

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Motter neigen zu Gewaltausbrüchen, sind aber zärtlich, wenn dies von einer Magd aus Unterkottenbach verlangt wird. Seit den Verfolgungen des 3. Juli 1982 befinden sie sich auf der Flucht. Am liebsten halten sich Motter auf Dachböden oder in überdimensionalen Briefkästen auf. Motter können lesen und verehren das Werk des Philosophen Markus Möwenberg, der über sie in Band V seiner Werke schrieb: „Motter, schrie ich oft als Kind, wenn ich nicht schlafen konnte, aber Motter kam nicht, weil sie bei Votter weilte, keuchend. Es verdarb mir die Kindheitsabende.“ Votter konnten bislang von der Wissenschaft weder nachgewiesen noch seziert werden, was man in Fachkreisen für eine Schande hält.

Motter

(Bild: Eggs Gildo)