Liebes Tagebuch (1)

Liebes Tagebuch,

das war ja wieder, du weißt schon, aber was soll ich sagen? Ich erhielt einen Anruf, aber darüber möchte ich jetzt nicht, man weiß ja nicht genau, wer.

Am Morgen erwachte ich mit einem, was nicht heißen soll, dass ich, aber auch darüber muss berichtet werden.

Später traf ich mich mit, was ich hier nicht ausschreiben kann, weil es sich nicht gehört, wenn man, auch wenn man möchte.

Ja, das war wieder ein aufregender Tag.

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Niedelstein

In der Bibliothek.
„Entschuldigung, haben Sie ein Buch vom Niedelstein?“
„Haben Sie denn schon im Computer nachgesehen?“
„Nein, das habe ich nicht.“
„Moment. Ich suche es mal für Sie. Niedelstein, Niedelstein. Mit ie? Ja, jetzt sucht er. – Nein, da haben wir nix.“
„Nichts? Das ist aber seltsam. Sie müssen doch was vom Niedelstein haben. Ich meine, das ist ja nicht irgendwer, sondern eben der Niedelstein. Der hat ‚Krieg und Frieden‘ geschrieben.“
„Das ist vom Tolstoi.“
„Der mit ol?“
„Genau der.“
„Und Sie sind sich da sicher, weil ich im Fernsehen gesehen habe, dass ‚Krieg und Frieden‘ vom Niedelstein geschrieben wurde. In seinem Turm. Kennen Sie die Geschichte vom Niedelsteinturm in Tübingen? In dem hat der Niedelstein gesessen und hat ‚Krieg und Frieden‘ geschrieben, obwohl er bereits verrückt war. Das muss man sich mal vorstellen. Das ist schon eine Leistung.“
„Das war doch der Hölderlin.“
„Ach, der hat ‚Krieg und Frieden‘ geschrieben?“
„Nein, der hat in dem Turm gesessen.“
„In dem Turm vom Niedelstein? Nein, das wusste ich noch nicht.“
„Nicht im Turm vom Niedelstein, sondern in seinem eigenen.“
„Die hatten da zwei Türme? Tja, man lernt eben nie aus.“

Zu Niedelstein: Johann Friedrich Niedelstein (26.08.1749 bis 21.03.1832). Bekannteste Werke: Das Schloss, Krieg und Frieden, Pippi Langstrumpf. Außerdem konnte er Haarträger nicht ausstehen. „Umgebt mich mit Leuten, die Haarausfall haben.“

niedelstein

Aus meiner momentanen Lektüre

Warum zum Teufel habe ich nicht geputzt?
Das waren sie also wirklich, die letzten Gedanken im Leben eines Menschen. David konnte es nicht fassen. In einem Buch hatte er gelesen, dass das Leben noch einmal vor einem ablaufen würde. Wie ein Film. Unsinn. Während das Blut aus seinem Hals pulste, sah er sich um. Er hatte nicht geputzt. Es sah fürchterlich aus. Er stolperte zum Telefon. Er musste Maggie anrufen. Sie konnte ihm helfen, sie könnte ihm einen Lappen bringen. Und es wurde nicht besser. Er verlor Unmengen Blut. Gott, das bekomme ich doch nie weg. Maggie … sie …
Er stieß mit dem Knie gegen den Tisch. Ein Teller vom Mittag knallte auf den Boden. Das auch noch. Das Fett würde seinen Teppich ruinieren. Ihm wurde schwarz vor Augen. Jetzt nicht, dachte er. Der Lappen. Maggie musste ihn bringen.

Aus Kevin Olofsons „Dreckiger Tod“

Die größten Stars der Schlagermusik – Heute: Adorno

Adorno wurde im Nachkriegsdeutschland mit Hits wie „Leben, das Sinn hätte, fragte nicht danach“ und „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ berühmt. Bereits mit seiner Band „Hegel“ feierte er früh Erfolge in zahllosen Jugendzentren rund um Frankfurt. Der Frauenschwarm war siebenmal verheiratet.

Adorno wurde im Nachkriegsdeutschland mit Hits wie "Leben, das Sinn hätte, fragte nicht danach" und "Es gibt kein richtiges Leben im falschen" berühmt. Bereits mit seiner Band "Hegel" feierte er früh Erfolge in zahllosen Jugendzentren rund um Frankfurt. Der Frauenschwarm war siebenmal verheiratet.
Ein Zeitgenosse (Stimme verzerrt) erinnert sich: „Als Adorno die Bühne betrat, breitete sich Schweigen im Saal aus. Die verliebten Blicke der Frauen malten ihn von oben bis unten mit Leidenschaft an. Die ersten Töne erklangen. Und dann sang er seinen Hit „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Das Meer aus Köpfen schwappte hin und her. Ja, man schunkelte.“ 

Die Frankfurter Buchmesse 2014 – So war sie wirklich

feuerstein

Herbert Feuerstein, der sich unter anderem im Interview zu unserer langjährigen Freundschaft bekannte. „Ich mag den Kerl einfach.“ Danke, Herbert, ich dich auch.

kramp

Der Weinkenner, Bartträger, Nackttänzer, Blumenzüchter, Schriftsteller und Verleger Ralf Kramp begrüßte mich auf den Knien, das Haupt geneigt. Ein Mann, der weiß, wie man mit mir umzugehen hat.

Abendschein

Der Schriftsteller, Verleger und Herausgeber Hartmut Abendschein und ich

dpr

Der Krimiautor, Kritiker, Verleger und Ziehvater zahlloser Mädchen Dieter Paul Rudolph und ich

Imre

Imre Török und ich

Jannis

Die Frankfurter Szenegröße Jannis Plastargias und ich

schütz

Jürgen Schütz vom Septime Verlag und ich

suhrkamp

Wunder geschehen immer wieder. Nachdem er Teile seines neuen Romans vorgesungen hat, wurde dieses Talent – so munkelt man – augenblicklich von Suhrkamp unter Vertrag genommen.

Die Fabrik der Tortenmädchen (Eine weitere kostenlose Leseprobe)

Mein Name ist Dr. Mouse. Sie sollten mich wegen meines Namens nicht unterschätzen, und auch nicht wegen meiner Größe. Wem auch immer mein Tagebuch dereinst in die Hände fällt – vermutlich wird man es in einem Museum, das zu meinen Ehren errichtet wurde, ausstellen -, sollte sich klar machen, dass meine Größe nicht daran schuld ist, dass ich zu einem der wahnsinnigsten Verbrecher aller Zeiten wurde, sondern dass es an meiner Mutter lag, die mich bereits als Kind dazu anhielt, den anderen Kindern das Pausenbrot zu stehlen. Wenn sie mich dabei erwischte, dass ich die Wahrheit sagte, zog sie mich an den Ohren in das Arbeitszimmer meines Vaters, das aus Gemütlichkeitsgründen in eine Zelle umgebaut worden war. Versonnen bzw. teilversonnen saß er am Fenster mit den Gitterstäben und sehnte sich.
„Was machst du da wieder?“
Vater seufzte. „Ich sehne mich“, sagte Vater.
Mutter schüttelte ihren schweren großen Kopf, der mindestens so schwer wie drei normale Köpfe war. „Das habe ich jetzt davon. Mutter hat mich gewarnt: Heirate nie einen, der zu lange im Knast war. Und ich, was musste ich machen?“
Sie stellte mich vor meinen Vater und verlangte von ihm, dass er mir mit aller Entschiedenheit beibrachte, dass es einen im Leben nicht weiterbrachte, wenn man die Wahrheit sagte.
„Junge“, sagte er. „Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass es nicht gut ist, wenn man die Wahrheit sagt? Die Wahrheit kostet einen die Freiheit, sie kostet andere die Freiheit. Und was ist das schon, die Wahrheit? Wenn man am Morgen sagt, es sei früh am Tag, muss das nicht stimmen. Für einen anderen, der gerade nach Hause kommt, ist es spät. Verstehst du, mein Sohn?“
Ich nickte, und weil ich aufgeregt war, nickte ich so stark, dass er mich beruhigen musste.
„Sei nicht so aufgeregt. Man könnte sonst denken, dass du dich zu einem Denunzianten entwickelst. Nicke andeutungsweise.“ Er führte es mir vor. Er stellte sich seitlich hin und hob das Kinn. Nichts geschah.
„Hast du es gesehen?“, knurrte er durch die Zähne.
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
„Ich nicke jetzt noch mal.“
Wieder war nichts zu sehen.
„Du musst genauer hinsehen“, knurrte Vater.
Schließlich gab ich auf und sagte, dass ich es genau gesehen hätte.
„Ha!“ Vater lachte mich an. „Du hast gelogen. Siehst du, wenn man nur will, kann man auch lügen. Behalte das bei.“ Und mit diesen Worten schickte er mich aus seinem Arbeitszimmer. Ich warf einen letzten Blick zurück, hin zu diesem Mann, der an den Gitterstäben stand und seufzte.

Aus Urs Schliepers “Die Fabrik der Tortenmädchen”, Krimi in Tagebuchform

Kleine Abhandlung über den Fußball

Fußball ist eine Wissenschaft für sich. Man sollte erst gar nicht versuchen, sie zu verstehen. Das ist, als würde man versuchen, die Quantenphysik zu begreifen, die keiner einem erklären kann, auch nicht die Quantenphysiker, die mit ihrer eigenen Disziplin völlig überfordert sind. Deshalb trinken die meisten von ihnen auch. Säfte, so sagt man. Und Säfte können den Magen kaputt machen, die Säure zerstört alles. Man löst sich regelrecht von innen auf. Der Körper schäumt, bis man in alle Richtungen zerläuft. Da haben dann die Putzfrauen eine Riesenarbeit, sofern es überhaupt Putzfrauen gibt, die sich ja heute gar nicht mehr jedes Institut, das Quantenphysiker beschäftigt, leisten kann. Und dann? Ist der Boden erst ruiniert, müssen Firmen engagiert werden, die den entstandenen Schaden reparieren. An all dem kann man sehen, dass den Fußball eh nie einer verstehen wird.

Tagebuch eines Krimikritikers

Muss mehr auf meine Diät achten. Warum habe ich eine Frau geheiratet, die einen Namen hat, der mich ständig unter Druck setzt? Wie heute Morgen, als sie rief: „Das Frittierfett ist nicht dazu da, dass man es sich aufs Brot schmiert!“ Dämliche Diät. Wie soll es denn sonst aushalten, ständig Krimis lesen zu müssen, die meinen Ansprüchen nicht genügen? Trotzdem gut, dass die Dinger ins Haus geschneit kommen, so habe ich wenigstens etwas, an dem ich meine Fettgriffel abputzen kann. Heute den neuen Winslow gelesen. Erst mach ich einen König aus ihm und jetzt kommt er mir so. Anruf bei Klein-Toby, dass wir dem Don eine Lektion erteilen. Klein-Toby grunzt mir Recht. Schwachkopf. Jetzt eine Sahnetorte und dann ab aufs Arbeitsklo, mein Kassengestell besprechen. Hektik!

Aus „Tagebuch eines Krimikritikers“, verschmiert

 

Das geheime Tagebuch des Mathias Schaschlik

21. Februar: Die ganzen Matschbirnen haben es immer noch nicht begriffen. Drei Vater-unser haben auch nicht geholfen. Versuchte in einem weiteren Artikel meinen Artikel zu erklären, der meinen Artikel über die Homos verteidigt. Homosexualität ist wie eine Krankheit, wie Florian Silbereisen, aber das will einfach nicht in ihre leeren Totenschädel. Thomas Mann, die alte Pädophilen-Sau, wäre vermutlich nie aufs Klo gegangen, wenn er sich geoutet hätte. Er wäre ein fauler Sack mit sechs Kindern geworden, der sabbernd bei einer Tageszeitung sitzt und seine Verstopfung in Artikel über Gott und Kirche packt. Warum sträubt man sich so gegen meine Gebote, äh, Worte? Jetzt ein Stückchen Leib Christi und ab in den Puff.

Aus „Das geheime Tagebuch des Mathias Schaschlik“, geheim und daher nicht veröffentlicht

Ich bin der Bruder des Gottessohns

Der Anruf kam gegen acht Uhr rein. Direkt über das goldene, mit Edelsteinen verzierte Gottifon. ER selbst war dran. Ich saß gerade im Whirlpool. Babbes, du musst du die Welt vor den Armeen des Satans retten. „Später“, murmelte ich und ließ Schwester Beatrix wieder auftauchen.

Aus „Ich bin der Bruder des Gottessohns“ von Babbes von Schmelz

Schöngeredet – Die Wahrheit über Politik und Politiker

Wenn sich die Politiker der verschiedenen Parteien trafen, um über eine Erhöhung ihrer Diäten abzustimmen, steppte der Bär. „50 000 Euro monatlich“, forderte ein Hinterbänkler. Wer war das? Egal! Hier gab es eh nur gute Männer und ein paar Frauen. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Der eine oder andere wischte sich eine Träne aus den Augenwinkeln. Man schrieb der Familie, dass der Sommerurlaub neu überdacht werden könne. Da sage mal einer, Politik würde nichts verändern. Man konnte eben doch groß denken, wenn es darauf ankam. In Maßstäben, die einem Empfänger von Hartz IV deutlich vor Augen führen musste, dass sich Engagement lohnte, wenn man sich ein wenig am Riemen riss.

Aus „Schöngeredet – Die Wahrheit über Politik und Politiker“, Sachbuch, vergriffen

Die Wahrheit über die Ausführungszeichen

Ich würde ständig so komische Dinge schreiben. Das warf man mir unlängst vor. Direkt vor meine entzündeten Füße. Na und!, schrie ich zurück. Ich war so aufgeregt, dass ich nicht mal Zeit hatte, meinen hastig dahingehauchten Satz in Anführungszeichen zu setzen. Dabei sind sie wichtig. Anführungszeichen führen einen Satz an, den man spricht. Sie sollen das Gesagte vom Erzählten trennen. Anführungszeichen sind der Grenzübertritt. Dahinter liegt das Reich des Bösen. Quatsch. Es gibt natürlich auch Ausführungszeichen, die die wörtliche Rede beenden. Die Germanistik schweigt sich gern und beharrlich über dieses heikle Thema deutscher Rechtschreibgeschichte aus. Und das bereits seit Jahren mit zunehmendem Erfolg. Wer weiß heute noch etwas von den Ausführungszeichen, die 1923 von einem gewissen Bertram Heidegger heimtückisch ermordet wurden. Seit dieser Zeit endet jede wörtliche Rede ohne Ausführungszeichen, sondern mit dem Wiederholen der Anführungszeichen. Nur wenige wissen das. Teilt es euren Kindern mit. Danke.