Du Kunst Mich Mal Folge IV

Wir waren in China! Dort haben wir die Unterschiede zwischen fernöstlichen und einheimischen Schwarzwälderkirschtorten vermessen und andere bahnbrechende Kultur-Experimente veranstaltet, um dem Phänomen der Fremde nah zu kommen. Nicht so nah, als dass man uns mit gebratenem Reis verwechseln könnte, aber doch nah genug, um bereits erste körperliche Anzeichen einer Chinarisierung zu zeigen. Oben sieht man das Beweisfoto. Ob das nun gut oder schlecht ist, darf auf keinen Fall montags beurteilt werden, wenngleich Aufmärsche zur Abwehr derselben wohl vorerst nicht zu befürchten sind.
Wer nun denkt, das seien Klischees, der hat vielleicht recht, ist aber zu beglückwünschen, da er überhaupt was gedacht hat. Wir bewundern Denker in jeglicher Form, vor allem die, die vorher denken und dann sprechen, die nur noch getoppt werden von denen, die nur denken und gar nicht sprechen. Auch das eine Lehre, die wir aus unserer Reise in das fernöstliche Land der unendlichen Weisheit gezogen haben.
Wir selbst sind eindeutig noch nicht so weit selbst diesen Pfad zu beschreiten. Noch zu stark ist unser abendländischer Drang zur Mitteilung in jeglicher Form. Eine Form ist unser nächster Film, den wir ganz unchinesisch unbescheiden großposaunig ankündigen und hiermit zum Ansehen empfehlen.
Wie immer ist der Film auf unserem Youtube-Kanal zu sehen, wo wir beharrlich gegen den Strom schwimmen, um wenn möglich auf der anderen Seite anzukommen, die vorher noch kein Mensch betrat..

#MarianneBlum #GuidoRohm #DuKunstMichMal #ChinafürKulturidioten #Stäbchensprung #UnsinnaufReisen

Kamera: Arthur Blum, Dennis Steib
Schnitt: Arthur Blum
Tontechnik: Lean Jöckel
Wir danken: Marina Gajda und ihrem unmöglichen Hund
Wir empfehlen aus vollstem Herzen das Peking Restaurant im CineStar, Löherstrasse 39, Fulda

Editorische Meisterleistung soeben erschienen

Lieber Peter,
nur kurz die Mitteilung, dass ich keine Zeit habe, dir zu schreiben.
Hans

Lieber Hans,
wunderbare Nachricht.
Peter

Lieber Peter,
ich sehe mich außerstande dir zu schreiben.
Hans

Lieber Hans,
das ist schade, schafft mir aber Zeit, mich um andere Dinge zu kümmern.
Peter

Lieber Peter,
demnächst mehr.
Hans

Lieber Hans,
ich konnte deinen letzten Brief wegen meines Ablebens leider nicht mehr lesen.
Peter

Aus “Peter Weber/Hans Hothem – Der Briefwechsel (Kritische Ausgabe), erschienen bei Sumpfkamp

Du Kunst Mich Mal – Folge III

Herr Rohm und Frau Blum haben sich noch nie gescheut, durch fremde Brillen zu blicken. Man kann dabei viel Befremdliches entdecken und genau das zeigen die beiden in der neuen Folge “Du Kunst Mich Mal”.
Kein Mensch weiß, unter welch widrigen Umständen sie dieses Stück wahre und falsche Kunst gedreht haben. Sie haben der Kälte getrotzt, Anfeindungen und den Verlockungen von dunkler Bitterschokolade. Herausgekommen ist ein Stück Film- und Zeitgeschichte, das sich um nichts anderes dreht als um die bedenklichsten Formen von Grenzüberschreitungen. Ein aktuelleres Thema kann es derzeit nicht geben und auch keine authentischere Live-Berichterstattung.

 

Filme auf der Couch (Buchtipp des Monats)

“Ich – Einfach unverbesserlich” ist ein geschönter Titel, heißt das Original übersetzt doch “Verabscheuungswürdiges Ich”, womit der geschulte Filmpsychologe schon viel anfangen kann. Aha, wird er denken, da liegt ein Film vor, der sich selbst hasst. Ja, aber warum hasst er sich denn, der Film? Etwa weil er ein Animationsfilm aus dem Computer ist? Also ein herzlos gemachtes Stück Film? Das könnte sein, aber dafür kann er ja nichts. Und vor allem greift das zu kurz.
Da wäre zunächst, um zum Inhalt, zum Innenleben zu kommen, der Superschurke Gru. Gru, das klingt unfertig, als würde ein Teil seines Namens fehlen. Ein fehlerhaftes, nicht zu Ende gedachtes Wesen, dessen Namen ein Laut ist, etwa wie ihn einsilbige Tauben gurren würden.
Gru, dessen Sprachduktus an einen Osteuropäer erinnert, vermutlich ein Russe, ist ein Superschurke, der inmitten einer wunderschönen Vorstadt wohnt.
Hier werden bereits viele Vorurteile aufgebaut, die Kinder nicht sehen sollten. Osteuropäer haben – laut dem Film – gegurrte Namen und sind Schurken. Das ist für ein friedliches Zusammenleben der Völker fatal.
Weiter: Im Haus lebt der Superschurke mit einer Armee aus gelben Minions, Helfern, die an gelbe Bonbons mit Taucherbrillen erinnern. Die gelbe Gefahr? Weit gefehlt, denn die Bonbons sind so animiert, dass wir sie in unser Herz schließen sollen, was Kinder vermutlich dazu animieren soll, ihre Süßigkeiten zu lieben. Da sind Löcher in den Zähnen vorprogrammiert. Besuche beim Zahnarzt. Ein Leben mit Füllungen. In den USA Rechnungen, die nicht bezahlt werden können.
Umso mehr muss man vor diesem Film warnen.
In seinem Haus plant Gru die Entführung des Mondes. Die Entführung des Mondes, da muss man sich einmal vorstellen, was passieren würde, würde er, der z.B. für die Schlaflosigkeit von uns Menschen verantwortlich ist, der Werwölfe zu dem macht, was sie sind, verschwinden. Die Welt, wie wir sie kennen, wäre nicht mehr die, die sie einmal war.
Hier werden also nicht nur Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgeheckt, sondern Verbrechen gegen einen ganzen Teil des Weltalls. Schlimmer geht’s nimmer.
Und warum will Gru das tun? Damit seine Mutter stolz auf ihn ist.
Aha!
Es geht um Selbsthass. Und schon kommt uns der Titel “Verabscheuungswürdiges Ich” wieder in den Kopf. Würde die Mutter ihr Kind so lieben, wie man es erwarten könnte, wäre Gru ein Wesen, das sich in die Vorstadtidylle einpassen würde.
Es ist also ein Film über fehlende Mutterliebe, unvollständige Namen, über einen, der sich eine Armee aus Bonbons halten muss, um sich ein Polster gegen die Unbill der Außenwelt zu schaffen.
Aber das war es noch nicht.
Auftritt Vector, von dem man sich fragt, warum er nicht Victor heißt. Auch da ist etwas schiefgelaufen, auch dort fing es mit dem Namen an. Es ist also enorm wichtig, welchen Namen wir unserem Kind geben.
Vector verdrängt Gru von Platz 1 der Superschurkenhitparade, als er die Cheops-Pyramide entführt, also eine, die wie eine Chipssorte klingt.
Ausgerechnet eine Pyramide, was an den IS erinnert, an die Auslöschung des kollektiven Gedächtnisses.

Aus einer Analyse des Films “Ich – Einfach unverbesserlich” in dem Standardwerk “Filme auf der Couch – Die Filmpsychoanalyse”

Weihnachtslied

“Jetzt singen wir aber alle noch ein Weihnachtslied.”
“Nein, nein, ich will jetzt auspacken.”
“Lass den Jungen halt.”
“Ein Lied wenigstens.”
“Sing der Mama eben ein Lied.”
“Copkiller.”
“Was?”
“Das ist über einen Polizistenmörder. Rap halt.”
“Ein Weihnachtslied.”
“Schöner die Nadeln nie klingen.”
“Glocken.”
“Lass den Jungen jetzt auspacken.”
“Soll ich nicht singen?”
“Pack aus!”
“Ich würd jetzt schon gern singen.”
“Hier wird nicht gesungen.”
“Mama?”
“Hör auf den Papa.”
“Und wenn ich was von Dr. Dre …”
“Wem?”
“Dr. Dre.”
“Jetzt singen schon die Akademiker.”
“Papa …”
“Gib her, ich pack jetzt für dich aus.”

The Truth about Moses

– Grüß dich, Moses.

– Der liebe Gott, sieh da, was machst du denn so?

– Ich gott halt so vor mich hin.

– Und was willst du?

– Ich hab eine Vision für dich.

– Eine Vision?

– Ja, die lag hier noch rum.

– Für die kann ich mir auch nichts kaufen.

– Du sollst die Israeliten befreien.

– Nix da, ich hab heute gar keine Zeit. Und jetzt schleich dich.

Aus “The Truth about Moses”