Gildo&Rohm

motterstelle

Es war eine verflucht trostlose Zeit. Mary hatte sich mit einem Kerl eingelassen, der in Nacktschnecken machte. Ich verdingte mich als Handlungsreisender. Ständig auf Achse. Kein Zuhause. Motterls, in denen ich meine einsamen Nächte verbrachte. Ich und mein Koffer. Er nannte sich Charlie. Er steckte eine Menge ein: Hemden, Schlipse, Unterhosen. Wir zogen von Stadt zu Stadt. Glücksritter, die auf der Suche nach ihrem Stück vom Kuchen waren. „Ein Stück Kuchen, nur eins“, sagte ich zu Charlie. Seine Leder knirschte traurig. Und dann tauchte an einer Motterstelle plötzlich dieses blonde Gift auf.

Auszug aus Raymond Motters Roman „Das große Schaf“

Advertisements

Gildo&Rohm

Aus dem Leben der Motter (1)

mottermais

Motter können Mais nicht ausstehen. Es geht die Mottersage, dass einst ein Maiskolben FREHNLEHN, die Urmottermutter, in ein Feld lockte und dort vergewaltigte, zerhackte und tötete. Genau in dieser Reihenfolge. Harter Tobak, wie überhaupt alle Geschichten, die sich Motter allabendlich zum Einschlafen erzählen. Vermutlich stimmt sie gar nicht, aber trotzdem wird sie von Mottermund zu Mottermund getragen. Eine heikle und eklige Angelegenheit, die bereits zu vielen Krankheiten führte. (Mottermundschmotter nennt sich eine.) Trifft ein Motter nun auf ein Maisfeld, kann er sich nicht halten und ergeht sich in Beschimpfungen, die mehrere Maisgenerationen zurückreichen. Eigenwillig, aber nicht direkt inkonsequent bzw. eigenwillig, aber konsequent, um die schnelle Variation des Satzes auch noch angeboten zu haben.

Gildo&Rohm

Wie Motter sich ärgern

schotter

Ist ein Motter verärgert, etwa weil man ihn streicheln oder ihm Tee anbieten wollte, sucht er eine Bahnstrecke auf, um die sich dort befindlichen Gesteinsbröcklein weit in die Gegend zu katapultieren. Er lässt sie spritzen, bis es zu Verletzungen der Atmosphäre kommt, wie er hofft. Noch nie hat ein Motter sich ohne Gesteinsbröcklein seiner schlechten Stimmung hingegeben, sodass die meisten von ihnen stets eine kleine Tüte Gesteinsbröcklein bei sich tragen. Auch in Gesteinsbröckleinläden kann man sie erwerben. Kosten aber eine Menge Schotter. Darum laufen die meisten Motter lieber einige siebenhundert Kilometer bis zum nächsten Schienenstrang.

Gildo&Rohm

Über die Motterspeisung

dotter

Motter verspeisen nur Dinge, auf die sie sich einen Reim machen können. Darunter befinden sich so exotische Speisen wie Furunkelbotter, Feuchtlotter und Rhabarberhotter. Hat sich der Trompetenrüssel erst in eine Dose verliebt, kann es geschehen, dass der Motter nicht mehr ausziehen möchte. Manche Motter leben bis zu vier Jahre mit einer Dose, bevor ihnen bewusst wird, dass sie längst verhungert sind.

Auf der Motterjagd – Erinnerungen eines Großstadtwildjägers

„Und endlich wurde ich eines Motters ansichtig. Ein kühnes Geschöpf, etwa – auch wenn es im Aussehen an eine Fliege erinnerte – drei Meter groß. Der Motter vergnügte sich damit, Parkbänke umzuschmeißen. Seinem Rüssel entwichen Töne, als würde er lachen. Ich legte mein Gewehr an, konnte aber nicht abdrücken, so sehr war ich von seiner Hässlichkeit gebannt.“

Aus „Auf der Motterjagd – Erinnerungen eines Großstadtwildjägers“ von Robert Burschenthaler, vergriffen

Gildo&Rohm

Motter neigen zu Gewaltausbrüchen, sind aber zärtlich, wenn dies von einer Magd aus Unterkottenbach verlangt wird. Seit den Verfolgungen des 3. Juli 1982 befinden sie sich auf der Flucht. Am liebsten halten sich Motter auf Dachböden oder in überdimensionalen Briefkästen auf. Motter können lesen und verehren das Werk des Philosophen Markus Möwenberg, der über sie in Band V seiner Werke schrieb: „Motter, schrie ich oft als Kind, wenn ich nicht schlafen konnte, aber Motter kam nicht, weil sie bei Votter weilte, keuchend. Es verdarb mir die Kindheitsabende.“ Votter konnten bislang von der Wissenschaft weder nachgewiesen noch seziert werden, was man in Fachkreisen für eine Schande hält.

Motter

(Bild: Eggs Gildo)

Mittwoch

Rote Flecken im Gesicht. Meine Frau meinte, man könne sie ernten und einkochen. Rote Flecken, so meine Frau weiter, würden sich besonders gut im Gesicht des Nachbarn machen. Packt man sie luftdicht in ein Einmachglas, können Flecken bis zu einem Jahr halten. Überhörte es Kraft meiner Stereoanlage. Die Motter wüten noch immer auf dem Dachboden. Ein bis zwei von ihnen scheinen sich im Treppensteigen zu üben.

Motter sind hässlich und grausam – Eine Einführung

„Und so versammelten sich die Motter auf einer Lichtung. Sie waren von überall gekommen. Von Nördingen und Supernördingen. Aus dem Isterwald und dem Niesental. Hässlich waren sie alle, zumindest für das menschliche Auge, das an diesem Tag nicht unter ihnen weilte. Nicht ein einziges. (Na, ein paar wenige schon, aber die standen auf der Speisekarte.) Dies war die Stunde der Motter. Sie stellten ihre dreizehn Ohren auf (was nicht viel für siebzehntausend Motter war), wetzten ihre klingenartigen Krallen an den Baumstümpfen, schnupperten mit ihren Nasen nach Feinden, und als sie sich sicher waren, allein zu sein, fielen sie gemeinsam in eine schlafähnliche Starre, um im Traum miteinander zu kommunizieren. Sie sprachen über die Menschen, über deren Dachböden, und darüber, dass sie sich dorthin zurückziehen müssten, wollten sie überleben. Später, nach dem Erwachen, teilten sie sich eine Herde Rehe und einige Kleinkinder, die sich verlaufen hatten. Danach trennten sie sich. Man würde sich im nächsten Jahr wiedertreffen. So wurde es vereinbart.“

Aus „Motter sind hässlich und grausam – Eine Einführung“, Sachbuch, vergriffen