Nicht schweigen – Zu einem Kommentar von Ulrich Greiner

>>>>“Oder lieber schweigen.“ So lauten die letzten Worte eines dummen Kommentars von Ulrich Greiner in der ZEIT. Hätte Greiner sie doch befolgt. Wie jemand, dessen Zuhause das Schreiben ist, sein Sterben ver- und bearbeitet, sollte ihm oder ihr selbst überlassen werden.

Tod und Sterben haben – wie in allen Familien (mehr oder weniger) – auch bei uns eine Rolle gespielt, die man ihnen gerne verboten hätte. Der Hinweis, dass der Tod zum Leben gehört, lindert nicht den Schmerz, einen geliebten Menschen hingeben zu müssen. Die Mutter meiner Frau starb ein Jahr lang, bevor der Krebs sie endgültig ins Nichts überführte. Gefühle schlagen nach allen Richtungen. Tod und Sterben werden nicht begangen, daher kann man sie nicht mit einem Plan oder Verhaltensregeln versehen. Tod und Sterben lassen geschehen. Der eine schreit seinen Schmerz in die Welt, der andere erliegt seinen Tränen, ein weiterer kämpft bis zum letzten Atemzug mit verbissenen Zähnen.

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Auf der Motterjagd – Erinnerungen eines Großstadtwildjägers

„Und endlich wurde ich eines Motters ansichtig. Ein kühnes Geschöpf, etwa – auch wenn es im Aussehen an eine Fliege erinnerte – drei Meter groß. Der Motter vergnügte sich damit, Parkbänke umzuschmeißen. Seinem Rüssel entwichen Töne, als würde er lachen. Ich legte mein Gewehr an, konnte aber nicht abdrücken, so sehr war ich von seiner Hässlichkeit gebannt.“

Aus „Auf der Motterjagd – Erinnerungen eines Großstadtwildjägers“ von Robert Burschenthaler, vergriffen

Kleine Geschichten zum Nachdenken und Einschlafen (1)

Ibrahim wollte unbedingt Fernsehkoch werden. Nichts erschien ihm erstrebenswerter. Um sich auf den Beruf geeignet vorzubereiten, ließ er sich von seinen Eltern in der Küche beobachten. Jeder Versuch des Vaters, auf einen anderen Sender zu wechseln, scheiterte an der Beharrlichkeit der Realität.

Donnerstag

Erste Ausstellung von Rainer Wildkind in Frankfurt. Sollte sie mir unbedingt ansehen. Wildkind gilt als wichtigster Nasenhaarkünstler seiner Epoche. Er baute Städte wie Rom, Berlin und Nötigen nasenhaargenau nach, obwohl er selbst unter Nasenhaarausfall leidet. Wildkind, so las ich unlängst in einer Ausgabe der Kunsthaarzeitschrift bART, konnte bei seinen Projekten auf Nasenhaarspenden aus siebzehn Ländern zurückgreifen. Darunter befanden sich sogar solche, die das Tragen von langen Nasenhaaren unter Strafe stellen. Gott, ich kann es noch gar nicht glauben, einem echten Wildkind tatsächlich gegenüberzustehen. Könnte heimlich eines meiner Nasenhaare hinterlassen, vielleicht gar in seinem NASENHAARKLEINKIND III, das bereits jetzt als unbezahlbar gilt.

Abends: Scharfe Nudeln gegessen. Übergeben. Am Spätnachmittag erregt. Später wieder abgeregt. An- und Abregen soll die Herzmuskulatur stärken. Jetzt krank, weil ich sonst nichts anderes vor habe.

Gildo&Rohm

Motter neigen zu Gewaltausbrüchen, sind aber zärtlich, wenn dies von einer Magd aus Unterkottenbach verlangt wird. Seit den Verfolgungen des 3. Juli 1982 befinden sie sich auf der Flucht. Am liebsten halten sich Motter auf Dachböden oder in überdimensionalen Briefkästen auf. Motter können lesen und verehren das Werk des Philosophen Markus Möwenberg, der über sie in Band V seiner Werke schrieb: „Motter, schrie ich oft als Kind, wenn ich nicht schlafen konnte, aber Motter kam nicht, weil sie bei Votter weilte, keuchend. Es verdarb mir die Kindheitsabende.“ Votter konnten bislang von der Wissenschaft weder nachgewiesen noch seziert werden, was man in Fachkreisen für eine Schande hält.

Motter

(Bild: Eggs Gildo)

Möwenberg – Schicksalsjahre eines Philosophen (V)

„Packte mein Gestänge ins bebend sich entäußernd Seiende. Zeugs entfloh in die Achtsamkeit des Anwesenden. Zu früh! entfuhr es der Seienden, die der Wesensgrund meines Gedränges war. Weib! entfuhr es mir, hinab ins Angesicht der Seienden. Schnappte mir industriell gefertigtes Zeug vom zureichenden Grund und entfleuchte.“ Markus Möwenberg in einen Brief an Martin Heidegger, der niemals zugestellt wurde

“Möwenberg – Schicksalsjahre eines Philosophen”, Biografischer Roman, vergriffen

Mittwoch

Rote Flecken im Gesicht. Meine Frau meinte, man könne sie ernten und einkochen. Rote Flecken, so meine Frau weiter, würden sich besonders gut im Gesicht des Nachbarn machen. Packt man sie luftdicht in ein Einmachglas, können Flecken bis zu einem Jahr halten. Überhörte es Kraft meiner Stereoanlage. Die Motter wüten noch immer auf dem Dachboden. Ein bis zwei von ihnen scheinen sich im Treppensteigen zu üben.

Kardinal Meisner

>>>>“Ich sage immer, eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien.“ Kardinal Meisner

Hier hat der Kardinal nicht weit genug gedacht, denn eine Motterfamilie ersetzt siebzehn christliche Familien, wobei eine buddhistische Familie dreihundert christliche ersetzt. Getoppt wird das von einer Familie aus dem Wekotan-System (nahe dem Sternbild Einsilbe), die sage und schreibe fünf Milliarden christliche Familien ersetzt, wenn es sie denn gäbe.

Die Ministerin

„Schluss mit unlustig, dachte die Ministerin, die seit einigen Tagen für die Armee zuständig war. Sie würde aufräumen. Ausmisten. Die Armee musste zu einem familienfreundlichen bzw. für die Gegner familienfeindlichen Unternehmen werden. Sie würde Teilzeitkillerkommandos einsetzen. Ein Eltern-Kind-Panzer. Ihre mit Haarspray verklebte Frisur begann regelrecht zu glänzen, als sie daran dachte, was sie alles verändern würde.“

Aus „Die Ministerin“, Roman, im Entstehen

Möwenberg – Schicksalsjahre eines Philosophen (IV)

„Ich denke, also bin ich, hatte Möwenberg von der Kindergärtnerin vorgelesen bekommen. Aber ging Möwenberg dieser Satz weit genug? Die Hosen nass, weil er vergessen hatte, das Wasserlassen zu unterlassen, stand er zum Trocknen in der Sonne und schrieb im Kopf: Ich denke Eis, also bin ich Eis. Er sah an sich hinab. Erblickte seine zittrigen Beinchen. Nichts. Noch einmal. Ich denke Millionär, also bin ich Millionär. Verzweifelt sah sich Möwenberg um, ob ihm Spielzeug aus reinster Schokolade angetragen würde. Wieder geschah nichts. Er beschloss den Satz, den die Kindergärtnerin aus dem HORT DER FREIDENKER einem gewissen Buch über einen René Irgendwer entnommen hatte, getrost zu vergessen.“

“Möwenberg – Schicksalsjahre eines Philosophen”, Biografischer Roman, vergriffen