Montag II

Ich trinke zu viel Kaffee. Mein Arzt Dr. Stegenstegen meint, ich müsse ihn reduzieren. Dringend. Unsinn. Was weiß der Mann schon von Kaffee. Das sage ich auch. „Du hast doch nur Medizin studiert.“

Am Nachmittag die üblichen siebzehn Kannen. Macht mich kein bisschen nervös, auch wenn ich nicht weiß, wie ich das Radschlagen einstellen soll. Die Hände sind schon ganz blutig. Harmonie (Name geändert), mein mich treu umsorgendes Eheweib, sitzt derweil im Rotgrünvioletten Salon, den ich demnächst umstreichen lassen will. Sie scheint mir etwas rammdösig. Wie Sie alle aus meinen letzten Einträgen wissen, leidet sie an einer schweren Form der Schlafsucht. Sie fällt von einem Moment zum anderen in eine Art Trancezustand. Meistens während meiner Lesungen. Sie könne nichts dafür, bestätigte sie mir erst nach der letzten. Sie könne die Anfälle nicht kontrollieren. Ich machte ihr kaum Vorwürfe. Das würde ich auch nie machen. Ich bin in meinem gesamten Umfeld als Gefühlskrüppel bekannt, und wie jeder weiß, sind gerade Krüppel sehr empfindsame Menschen. Martina (Name geändert) bestätigt mir das auch immer wieder aufs Neue. Sie bezeichnet mich nicht nur als Gefühlskrüppel, sondern auch als emotionale Achterbahn, was den Spaß, den ich ihr bereite, zum Ausdruck bringen soll.

Eine großartige Frau.

Guten Abend, Welt!

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Reisenotiz

Unter Vorbehalt geschrieben

Freilich. Ich lege mich fest, kurz, für einige Sekunden, Millisekunden, vertäue ich mich, setzte gar einen Fuß in die Luft, in die Tür, auf das erreichte Land, feiere es, lass es hochleben, als wäre es mein Privatjerusalem, künde von seiner gottgleichen Schönheit, seiner Einzigartigkeit, seiner Kühnheit und Erhabenheit, um im nächsten Augenblick meinen Schritt zu heben, ihn verharren zu lassen, ihn zweifelnd zurückzunehmen, wie eine Kündigung, die im Eifer der Flucht, die eine unbestimmte Zukunft ist, geschrieben wurde.

Nur nicht ankommen, denn an Land, so male ich es mir in mein Kinderseelenmalbuch, würde ich vertrocknen, würde zu einem Brezelmenschen, der bricht und bröselt, bis ein Wind ihn in alle Himmelsrichtungen geweht hätte. Nichts bliebe übrig, außer einer staubigen Erfahrung, die die letzte ihrer Art gewesen wäre.

Wer ankommt, der war unterwegs. Wer beständig an- und ablegt, der kommt nirgends an, im besten Fall nicht einmal bei sich.  Und wer endgültig ankommt, der hat kein Ziel mehr, der hat es beschritten. Es kann spannend sein, sich einzurichten, auch wenn man sich damit verurteilt. Möbel von hier nach dort zu räumen, kann eine ideale Möglichkeit sein, sich auszudrücken. Drin bleibt man trotzdem, ein Gefangener, auch wenn es ein Außen gibt, das man besuchen kann.

Derzeit bleibe ich meiner Untreue treu.