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Mischmasch

Der Hirnökoaktivist

„Haben Sie die Mondfinsternis gesehen?“
„Da habe ich selig geschlafen.“
„Ein einmaliges Erlebnis.“
„Wenn Sie sich mal bei Facebook umsehen, kann das gar nicht so einmalig gewesen sein. Das ist ja das gute heute, dass man selbst nicht dabei sein muss, wenn etwas geschieht. Da sind ja all die anderen, die es fotografisch festhalten.“
„Aber dann erleben Sie doch alles nur aus zweiter Hand.“
„Second-Hand-Erinnerungen. Das schont die Gedächtnisumwelt. Muss sich ja nicht jeder sein Gedächtnis ständig mit frischen Erinnerungen füllen.“
„Sie sind also so einen Art Hirnökoaktivist, der sich gegen den Erinnerungsmüll, der heute produziert wird, auflehnt.“
„Das könnte man so sagen. Wenn jeder eigene Erinnerungen produziert, wird das Internet irgendwann mit all diesen Erinnerungen überlaufen. Man muss auch mal den Mut haben, sich mit Bildern anderer zu erinnern. Da ist man ausgeschlafen und hat das Kollektivgedächtnis entlastet.“
„Sie haben sich also aus dem Erinnerungsüberfluss zurückgezogen?“
„Ich lebe in der Beziehung völlig spartanisch. Ich nähre mich quasi vom Erinnerungsüberangebot meiner Umwelt. Seit Jahren werden eh viel zu viele Erinnerungsfotos produziert.“

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Mischmasch Nachrichten

E droht mit Verbot von YouTube und Facebook

„Ich werde YouTube und Facebook verbieten!“, schreit E seine F an. „Und nicht nur die. Später verbiete ich auch Kämme und den Regen.“ Zufrieden streicht er sich durch seinen Schnauzer. „Und ab Oktober verbiete ich Monatsnamen.“ Seine F schluckt. „Könntest du nicht meine Monatsblutungen verbieten?, fragt sie hoffnungsfroh. „Nein!“, sagt E. „Sie heißen dann natürlich nicht mehr Monatsblutungen, sondern Blutungen, die von Zeit zu Zeit im Bereich des Verbotenen auftreten.“

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Nachrichten

Eilmeldung

Und schon wieder ein neuer Deal. Facebook kauft sich selbst für 999 Milliarden. Fachwelt löst sich vor lauter Irritation auf.

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Nachrichten

Eilmeldung

Chaos Sotschi

Wie man über Twitter oder Facebook erfährt, landen die meisten Olympia-Gäste in Hotels, die noch in der Planung stecken. „Der Hoteldirektor wollte uns in einer Suite unterbringen, die bisher nur als Zeichnung existiert“, postete Georg Koch, 33, selbstständiger Waffenhändler aus Berlin.

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Funkenmariechen des Todes

Mittwoch (II)

Aha, habe ich gedacht. Ja, das habe ich tatsächlich heute Morgen gedacht, weil ich gesehen hatte, dass man nicht mehr so einfach über Facebook auf mein Blog zugreifen konnte, und dann habe ich eben gedacht, aha, so ist das, jetzt haben sie endlich deinen Stellenwert innerhalb der Literaturgeschichte erkannt, haben eingesehen, dass du ein potentieller Revolutionär und Staatsfeind bist, auf den unmissverständlich hingewiesen werden muss. Das habe ich gedacht, und da habe ich mir schon die Hände gerieben, weil ich einen Text schreiben wollte, der sich gewaschen hatte, so einer, Sie wissen schon, der austeilt und nix einsteckt, so ein Text, als wäre er von Ali geschrieben worden, ein Text, wie von einem großen Boxer höchstpersönlich.

Denen werde ich es schon zeigen, habe ich gedacht. Die ganzen Wörterbücher, die wir haben, habe ich aus den Regalen gezerrt, damit ich denen ein paar hundsgemeine Wörter um die Ohren …, solche, die sie nicht so schnell vergessen.

Und ich hatte ja noch ganz andere Vermutungen, weil, habe ich so bei mir gedacht, da steckt bestimmt nicht nur Facebook dahinter, sondern auch mein Widersacher, der bösartige Doktor Thams. Ja, so ein Arschloch, habe ich gedacht, und hab mir schon ausgemalt, wie ich ihn – diesen Superschurken – beschuldige, wie ich ihn eventuell zum Duell herausfordere. Das hab ich alles vor meinen inneren Augen gesehen, also, im Kopf hab ich das gesehen. Das war, das kann ich Ihnen sagen, das war schon eine rechte Aufregung, wie der Thams und ich da in meinem Kopf mit den Degen stehen, obwohl ich gar nicht …, weil der Kampf fand ja in meinem Kopf statt, da standen die Chancen schlecht, dass der Thams gewinnt.

Und jetzt, wie ich so bei Facebook auf ein paar Links klicke, da merke ich plötzlich, dass ich überhaupt nicht alleine bin, da gibt es eine Menge Seiten, vor denen gewarnt wird. Ja, so eine Scheiße, habe ich gedacht. Das hab ich mir aber anders vorgestellt. Und jetzt?

Gott, ich weiß ja nicht, ob man sich irgendwo bei Facebook darüber beschweren kann, dass die nicht nur vor mir warnen. Die warnen ja vor jedem Drecksblog. Nix Revolutionär! Nix Staatsfeind Nr. 1! Den ganzen Abend haben die mir versaut, die Banditen von Facebook. Aber man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben, dass ihnen noch ein Licht aufgeht.

Meine Seite, vor der sollte man warnen. Die ist hochgradig gefährlich. Auch wenn die von Facebook das noch nicht gemerkt haben, die Armleuchter.

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Funkenmariechen des Todes

Meldung aus der wundersamen Welt der Menschen

Wie konntet er das tun? Oder sie? Hier kommt keiner mehr klar. Klar? Frau D hat sich von ihrem Mann getrennt. Twitter läuft mit Meldungen über. Facebook ebenfalls. Die Magazine überschlagen sich.

Sieben Quadratmeter bewohnte man in der Hamburger Innenstadt. Lebte direkt neben Jochen C. Tür an Tür. Wer kennt ihn nicht? Er ist sich selbst ein Rätsel. Steht vor seinem Mülleimer und spricht die Passanten an: „Entschuldigen Sie, aber könnten Sie mir vielleicht verraten, wer ich bin.“ Nie eine Antwort. Da muss man ja verzweifeln.

Aber um C geht es hier nicht. Dafür um Beate D, die ihren Mann, den berühmtem Maschinisten Manuel D, am Neujahrsmorgen verlassen haben soll.

Sie liebe ihn noch, aber was nicht gehe, das gehe nicht. Da müsse man sich nur bei Jochen C befragen, der neben ihr in einer Mülltonne wohne.

Die Kamerateams des Boulevardmagazins D E S T R U K T I V belagern sie. Man möchte sie zu einem Statement nötigen. Wie konnte das passieren? Zehn Jahre war man zusammen. Beinahe. In neun Jahren wären es zehn Jahre geworden.

Jochen C bestätigt alles. Später dementiert er es. Alles wie gehabt in der wundersamen Welt der Menschen.