Freitag

Wieder einmal herrscht in der Villa helle Aufregung. Arbeiter (solche aus der Arbeiterschicht, also Proletarier, echte dazu, mit rotgeäderten Nasen vom Saufen und Muskeln, die dünn wie Stemmeisen sind) eilen durch den Park, um sich später auch das Haus anzusehen. Überprüfte rasch den Sitz meines federgeschmückten Huts, soll man mich doch nicht für einen Barbaren halten, der sie nicht auf sein Äußeres versteht. Ich weiß gar nicht, was sie hier wollen. Es ginge um das Wasser, erklärte mir meine Frau Bärbel-Cordula (Name geändert). Wasser, Wasser, Wasser. Immer geht es um das Wasser. Und was ist mit dem Wein? Meinem Sherry? Stimmen tönen in diesem Augenblick bereits durch den Hausflur, tollwütige Stimmen, die sich auf Lautstärke und Unverständlichkeit verstehen. Ich werde die Arbeit an meinem neuen Gedicht „Im Angesicht des Sensenmanns“ unterbrechen müssen.

Für den frühen Abend hat sich eine Internetbekanntschaft angekündigt, ein Musiker mit zweifelhaftem Ruf und einer – wie ich vermuten muss – Drogenvergangenheit, derer ich mich vielleicht mit einem Sonett annehmen werde. Hoffe, es handelt sich bei ihm nicht um einen Serienkiller. Sollte ich mich bewaffnen? Der kleine perlmuttbesetzte Damenrevolver, den ich vor einigen Jahren von meiner geschätzten Kollegin Barbara Cartland geschenkt bekam, dieser großen Literatin des Nebulösen, dieser Erotomanin des Todes, könnte mir geeignete Dienste erweisen, ist er doch in der Lage, kleinste Kratzer zu verursachen. Wir werden sehen, ob ich den Tag überstehe.

Guten Abend, Welt!

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Freitag

Ich denke, dass das Tagebuch hinter mir liegt. Nie wieder, so sage ich es mir, während mein Blick auf einem Gemälde von Barbara Cartland ruht. Die große alte Dame der englischen Literatur. Sie, die alles veränderte. So müsste man schreiben können. Gelassen, den Blick in der Ferne, einen Jüngling zu Füßen, während man diktiert. Roman um Roman würde so entstehen. Jedes Jahr vierzehn neue. Ach, was sage ich. Vierzig neue Romane würden entstehen.

Zum Glück schreibe ich nichts mehr in mein Tagebuch, denn so kann ich mich voll und ganz auf die nächsten Romanprojekte konzentrieren, die in der Heimatstadt meiner Eltern spielen.

Ach, Barbara, wir werden das Kind schon schaukeln.

Barbara_Cartland_Allan_Warren

Bildquelle: Wikipedia