sargnotizen

  1. wäre es nicht viel angebrachter, die leute so zur letzten ruhe zu betten, wie sie ihr leben lang geschlafen haben. (arm angewinkelt, hand unter dem kopf z.b.).

2. man putzt und putzt die zähne, obwohl sie am ende dann doch verrotten.

3. öffentlich aufgebahrte tote sollten eine rote clownsnase tragen, um ihnen den schrecken zu nehmen und anzuzeigen, dass es ihnen fast gut geht.

4. der sarg und der/die tote sollten auch irgendwie spaß machen. daher rate ich zu trauergimmicks, wie z.B. furzkissen auf den stühlen in der trauerhalle oder einer wasserspritzenden blume am hemd des toten. das erhöht enorm den funfaktor bei der trauerfeier.

Die Belohnung

„Und?“
„Was?“
„Sind wir im Paradies?“
„Ja, was weiß denn ich.“
„IHR SEID IN DER HÖLLE.“
„Wer war das?“
„Da hat einer gesagt, wir wären in der Hölle.“
„In der Hölle? Unsinn! Die haben uns versprochen, wir kämen ins Paradies. In der Hölle, das kann gar nicht sein.“
„IHR WERDET UNSÄGLICHE PEIN ERLEIDEN.“
„Was hat er gesagt?“
„Wir würden unsägliche Pein erleiden.“
„Ich will jetzt meine 72 Jungfrauen.“
„EIN ÜBERSETZUNGSFEHLER.“
„Was?“
„Übersetzungsfehler.“
„IHR BEKOMMT 72 WEINTRAUBEN.“
„Was?“
„72 Weintrauben.“
„Was will ich denn mit 72 Weintrauben?“
„ESSEN UND EWIGWÄHRENDEN DURCHFALL ERLEIDEN.“
„Was?“
„Ewigwährender Durchfall.“
„Jetzt hab ich aber die Schnauze voll. Wozu hab ich mich den in die Luft gesprengt?“
„WEIL DU EIN WICHSER BIST.“
„Was hat er gesagt?“
„Du bist ein Wichser.“
„Eben. Und darum will ich jetzt auch meine 72 Jungfrauen, damit das mal ein Ende hat.“

Besorgte Bürger

– Die Flüchtlinge, das kann nicht gutgehen.
– Niemals.
– Drüben in der Leopoldstraße haben sie im Supermarkt gestohlen.
– Das ist ja noch gar nix. Ich hab gehört, dass sie in der Mozartstraße ein Wohnhaus gestohlen haben.
– Ein ganzes Wohnhaus? Ein Wohnhaus, da kann ich nur lachen. In unserem Stadtteil haben sie einen ganzen Straßenzug verschwinden lassen.
– Nein?
– Doch, wenn ich’s sag.
– So eine Sauerei.
– Aber das ist noch gar nix. Ich hab von welchen gehört, die Süddeutschland geklaut haben.
– Ganz Süddeutschland?
– Wenn ich’s sag.
– Davon steht wieder nix in der Presse.
– Kein Wort.
– Außerdem haben die meisten drei Augen.
– Drei Augen? Das ist gar nix. Ich hab gehört, dass sie siebzehn Augen haben.
– Siebzehn? Wahnsinn.
– Manche haben ihre Augen auch zurücklassen müssen, die sollen dann nachziehen.
– Augennachzug?
– Wenn ich’s sag.
– Und die Presse?
– Verschweigt es.
– Wahnsinn.

Die Fadfinder

Die Fadfinder waren stundenlang gelaufen, als sie plötzlich eine Stelle entdeckten, die so fad war, dass die ersten sofort gähnten.
„Mann, ist das fad hier“, sagte Silvia.
„Superfad“, stimmte ihr Silvio zu und sackte zu Boden.
„Hier können wir bleiben, bis uns der letzte Rest Hirn verkümmert ist“, sagte Silvia.
„Was?“, krächzte Silvio und schlief ein.

Aus „Die Abenteuer der Fadfinder im Kummerland“ aus der Reihe „Depressives für Kinder ab 4 zum Vorlesen“

Haustürgeschäfte

„Ich bin der Tod.“
„Können Sie sich ausweisen?“
„Ausweisen?“
„Heutzutage klingeln ja eine Menge Spinner.“
„Ich bin gekommen, um dich zu holen.“
„Jetzt? Jetzt geht gar nicht. Warum haben Sie denn nicht geschrieben, dass Sie heute kommen?“
„Der Tod kommt meist unerwartet.“
„Da brauchen Sie sich auch nicht zu wundern, wenn die Leute keine Zeit für Sie haben.“
„Die Zeit spielt keine Rolle mehr.“
„Na, so ein Leben will ich auch mal führen.“
„Als Tod?“
„Ohne Zeitnot.“
„Das wird so sein, wenn wir zusammen gehen.“
„Zusammen gehen? Aha. Bekomme ich gleich einen Zettel zugesteckt?“
„Zettel?“
„Wo steht: Hallo, ich bin der Tod, wollen wir zusammen gehen? Ja, nein, vielleicht. Betreffendes bitte ankreuzen.“
„So läuft das nicht. Der Termin mit mir ist eher zwingend.“
„So nicht. Bringen Sie mir einen Beschluss vom Gericht, dann können wir darüber reden.“
„Gericht?“
„Ja, von mir aus auch vom Jüngsten Gericht.“
„Das kommt erst noch.“
Gegenüber öffnet sich die Tür.
„Frau Müller, bleiben Sie lieber drin.“
„Will der junge Mann was?“
„Das ist der Tod, der mich holen will.“
„Da muss aber erst geklärt werden, wer in der nächsten Woche die Biotonne an die Straße räumt.“

Der Künstlername

„Sie sind angezeigt worden.“
„Weil ich mir einen Künstlernamen zugelegt habe, mit dem ich meine Bilder signiert habe.“
„Nicht nur einen.“
„Ich nannte mich Picasso und Rembrandt.“
„Sie haben die Leute getäuscht.“
„Ich wollte nicht unter meinem bürgerlichen Namen malen, deshalb habe ich mir einen bzw. mehrere Künstlernamen zugelegt.“
„Obwohl es die Künstler alle gab.“
„Das war wichtig für den Künstlernamen. Meier, den Künstler, gab es vielleicht auch, aber da war ich mir nicht sicher.“
„Die Leute haben Ihnen die Werke aus der Hand gerissen.“
„Wahnsinn, was sich alles ändert, wenn man sich einen Künstlernamen zulegt.“

Der Langsamkeitsläufer

„Sie gehören zu den langsamsten Menschen weltweit.“
„Richtig. Ich laufe die 100 Meter in 47 Stunden. Das ist Weltrekord.“
„Beim Marathon …“
„Bin ich erst nach zwei Jahren ins Ziel gekommen.“
„Wie oft trainieren Sie in der Woche?“
„Jeden Tag. Im Grunde ist schon das Aufstehen eine Trainingseinheit. Ich komme nicht unter sechs Stunden aus dem Bett. Vom Schlafzimmer aufs Klo brauch ich weitere drei Stunden. Das zerrt schon an einem. Man muss sich im Griff haben, muss sich zurückhalten können.“
„Ihr Ziel ist es, so langsam zu laufen, dass sie gar nicht mehr ins Ziel kommen.“
„Das ist ein Traum, das wär natürlich wunderbar.“