Der Hirnökoaktivist

„Haben Sie die Mondfinsternis gesehen?“
„Da habe ich selig geschlafen.“
„Ein einmaliges Erlebnis.“
„Wenn Sie sich mal bei Facebook umsehen, kann das gar nicht so einmalig gewesen sein. Das ist ja das gute heute, dass man selbst nicht dabei sein muss, wenn etwas geschieht. Da sind ja all die anderen, die es fotografisch festhalten.“
„Aber dann erleben Sie doch alles nur aus zweiter Hand.“
„Second-Hand-Erinnerungen. Das schont die Gedächtnisumwelt. Muss sich ja nicht jeder sein Gedächtnis ständig mit frischen Erinnerungen füllen.“
„Sie sind also so einen Art Hirnökoaktivist, der sich gegen den Erinnerungsmüll, der heute produziert wird, auflehnt.“
„Das könnte man so sagen. Wenn jeder eigene Erinnerungen produziert, wird das Internet irgendwann mit all diesen Erinnerungen überlaufen. Man muss auch mal den Mut haben, sich mit Bildern anderer zu erinnern. Da ist man ausgeschlafen und hat das Kollektivgedächtnis entlastet.“
„Sie haben sich also aus dem Erinnerungsüberfluss zurückgezogen?“
„Ich lebe in der Beziehung völlig spartanisch. Ich nähre mich quasi vom Erinnerungsüberangebot meiner Umwelt. Seit Jahren werden eh viel zu viele Erinnerungsfotos produziert.“

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