Der Zeitungsleser

Beim Frisör.
„Wollen Sie eine Zeitung?“
„Nein, die lese ich nicht mehr. Das ist doch alles gelogen, was die schreiben.“
„Ach.“
„Nehmen Sie den Wetterbericht von gestern. Da hat nix gestimmt.“
„Das Wetter ist natürlich auch so eine Sache.“
„Die beeinflussen uns. Schreiben, dass die Sonne scheint, nur damit ich nachher ohne Schirm im Regen stehe.“
„Die Unbeständigkeit des Wetters.“
„Unsinn. Lügenpresse sag ich. Hier (tippt mit seinem Finger auf die Zeitung), das Horoskop. Gestern stand, dass ich -ich bin Jungfrau, da brauchen Sie jetzt nicht blöd lächeln – eine berufliche Veränderung erleben werde.“
„Und?“
„Es war langweilig wie immer. Ich sage, die lügen, und dahinter steht ein Plan, eine große Verschwörung aus Meteorologen, Presse und Astrologen.“
„Aber man liest doch nicht deshalb die Zeitung.“
„Stimmt, aber bei den Traueranzeigen findet man auch nie, was man sucht. Da stirbt keiner, von dem man sich das schon lange erhofft. Und wenn das Tag für Tag so geht, deprimiert es einen, die Traueranzeigen zu lesen, in denen nicht die auftauchen, die man dort finden will.“
„Aber die Weltpolitik.“
„Ich blättere die Zeitung von hinten durch, sodass die Politik am Ende kommt. Bis dahin komme ich eh meistens nicht.“

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