Mal ausspannen

Manchmal denkt der Thomas übers Aufhören nach. Mal nicht mehr in Weltliteratur machen. Mal ausspannen. In sich zusammensacken. Rumliegen. Oder mit dem Kindern spielen. Laut schreiend durchs Haus. Lieber nicht, denkt er. Das sind die nicht gewohnt. Da muss immer eine Ruhe herrschen. Eine große Ruhe. Eine Weltliteraturerschaffungsruhe. Denn so Romane, die fallen ja nicht vom Himmel. Sondern aus seinem Kopf. Aber ständig Kopf, denkt der Thomas, muss auch nicht sein. Wo ihm der Postbote einfällt. Ein gutaussehendes Kerlchen. Mit dem mal durchgebrannt. Da würden sie aber alle staunen. Die Zeitungen würden aufschreien. Blut und Druckerschwärze würden die spucken. Abhauen. Jetzt muss der Thomas über sich selbst lächeln. Wo er doch nicht mal schlapp dasitzen kann. Der Rücken ist steif und schmerzt.
In dem Moment öffnet sich die Tür und seine Frau steckt den Kopf ins Zimmer. Ob er alles hat? Da nickt er, obwohl er am liebsten aufschreien würde. Sich mal die Seele aus dem Leib schreien. Alles eingestehen. Die Sehnsucht nach dem Postboten und so. Wäre er doch nur ein wenig wie sein Bruder. Aber nein. Also beugt er sich über seine letzten Worte. Überliest sie. Das hat er geschrieben? Das kann er sich nicht durchgehen lassen. Zu viel Sex, zu wenig Komplexität. Obwohl, er und der Postbote. Hier auf dem Teppich. Da wäre nix komplex, aber alles Sex. Und dann würde das auch mit dem Rücken klappen. Mal nicht ständig durchdrücken, sondern zusammensacken. Und mit den Kindern. Ach, denkt er seine Gedanken weg. Er schiebt sie weg und schreibt weiter. Man kann eben nicht alles haben.

Aus „Thomas oder: Die Geburt der schweren Stunde“

2 Gedanken zu “Mal ausspannen

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