Literaturkritik vs. Blocker

„Sie sind also Literatur-Blocker?“
„Ja. Nicht nur, aber hauptsächlich. Ich blocke zwischen ein bis drei Bücher in der Woche. Wenn es klingelt und der Postbote hat ein neues Paket mit Rezensionsexemplaren, hebe ich die Hand und blocke.“
„Sie nehmen die Bücher also gar nicht an?“
„Natürlich nicht.“
„Und das machen Sie nebenberuflich?“
„Obwohl es mehr und mehr Zeit in Anspruch nimmt. Ich blocke ja auch Filme.“
„Wenn Sie einen Film blocken, wie muss man sich das vorstellen?“
„Ich kaufe die Kinokarte und gehe dann nicht rein. Ich blocke aber auch Filme, die auf DVD erschienen sind.“
„Es gibt ja immer mehr Blocker. Man redet bereits von einer ‚Kultur der Verweigerung‘.“
„Das würde ich so eher blocken. Meinungen kann man ja auch blocken, indem man sie nicht hört bzw. überhört.“
„Kennen Sie andere Blocker?“
„Nein, wir blocken uns meistens gegenseitig.“
„Man sagt, dass Blocker gar nicht über das Rüstzeug verfügen, wie z.B. die professionellen Blocker beim Volleyball, die das tatsächlich gelernt haben.“
„Ja, dann lasse ich das mal so stehen.“
„Aber hätten Sie das jetzt nicht auch blocken müssen?“
„Nein, ich bin ja nicht nur Blocker, sondern auch jemand, der Dinge stehenlassen kann. Wenn ich einen Freund treffe, blocke ich den nicht unbedingt. Manchmal lasse ich ihn auch einfach stehen. Wobei das dem Blocken schon sehr nahe kommt.“
„Die Literaturkritiker halten von den Blockern in den meisten Fällen nicht viel.“
„Das sind wohl erste Versuche, sich im Blocken zu üben, würde ich sagen. Man spürt, dass die überlaufen wollen.“
„Es gibt auch noch die Pflocker.“
„Das ist was ganz anderes. Die pfählen Vampire. Das machen wir nicht. Wir würden einen Vampir einfach blocken.“

Aus „Die Kunst des Blockens“

Ein Gedanke zu “Literaturkritik vs. Blocker

  1. Die Kunst des Blockend beherrsche ich so gut wie Sie – nicht. Ich bin nur ganz gut im Reh-Blocken. Zu viele waren es geworden, da musste ich was tun. ich habe nichts gegen Rot- und Schwarzwild, durchaus schmackhaft. Nur so eine Stadtwohnung und so ein Magen, die/der kann nicht endlos aufnehmen, was da den Weg kreuzt oder an der Tür klingelt: deshalb mittlerweile höchstens 1 bis 2 Rehe pro Monat.

    Freundlichst und satt
    Ihr Herr Hund

    P.S. Wissen Sie, ob Reh-Innereien jetzt als Bio- oder Sondermüll gelten? Da fiel doch einiges ab.

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