Traumtagebuch mit Hoden

„Ernst von Fleischl kam schon wieder vorbei. „Freud“, sagte er, „ich brauche mehr Cocain.“ Versprach es ihm widerwillig. Meine Vorräte befinden sich unter einem großen Stein am Bahnhof. Verabredete mich mit von Fleischl dort, dessen linkes Augenlid unablässig zuckte. Das Lid, erklärte ich, könne er mit einem Faustschlag kurieren lassen. Weberthal in der Innenstadt habe sich auf Faustschläge ohne Anästhesie spezialisiert. Von Fleischl bedankte sich, auch für meine Untersuchungen am Aal-Hoden, die ich durch tagelanges Kneten dazu animieren konnte, ein eigenes Hirn zu entwickeln. (Bei den meisten Männern scheint mir diese besondere Mutation schon längst vollzogen.) Werde wohl nicht am Bahnhof erscheinen, weil ich die gesamten Cocain-Vorräte für die Behandlung meiner Nebenhöhlenentzündung benötigte, die sich bereits wieder bemerkbar macht. Sollte mich in den nächsten Wochen dringend um meine Angst vor Türklinken kümmern. Vermutlich handelt es sich dabei um die Urangst des Mannes vor Türen mit Penis. Dies ist aber nur eine vorläufige Vermutung. Ziehe mich jetzt zum Aal-Hoden-Kneten zurück, das mich doch sichtbar entspannt.“

Aus „Traumtagebuch mit Hoden“ von Sigmund Freud, nie erschienen

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