Aus meinem Tagebuch

8. April 2014

Ich habe die ganze Nacht an einer Kurzgeschichte gearbeitet, deren Sinn sich mir nicht recht erschließen will. Was will ich damit sagen? Wütend stampfte ich auf, bis meine Kinder weinend erwachten. „Das ist doch nur Papa“, erklärte meine Frau ihnen. „Er arbeitet an einer Kurzgeschichte.“ Das beruhigte die Kinder. „Ach so“, seufzten sie erleichtert auf. Jetzt liege ich müde und erschöpft auf dem Hund vor dem Kamin. Neben mir die Geschichte, die keinen Sinn ergibt. „Lies!“, hatte ich den Hund angebettelt. „Lies!“ Aber auch er verweigerte sich. Ich bin so unglücklich. Oh weh! Würde ich meine eigene Geschichte nur verstehen, ich wäre ein glücklicher Mensch, der bereit wäre, sich an den Frühstückstisch zu setzen. So aber schlafe ich aus Trotz auf dem Hund, bis alle aus dem Haus sind.

9. April 2014

Es ist traurig. Der Hund ist tot. Als ich mich gestern Abend erhob, um mich bei ihm zu bedanken, dass er so geduldig als mein Lager gedient hatte, rührte er sich nicht mehr. Alle Versuche, ihn wiederzubeleben, scheiterten. Ich zerrte ihn über seine Lieblingsstrecke durchs Viertel. Aber nichts. Nicht einmal ein kurzer Atemzug. „Oh!“, klagte ich. „Der Hund ist von uns gegangen.“ Die Kinder waren minutenlang untröstlich. Wir bestatteten das arme Tier später im Garten einer uns unbekannten Familie. „Wir werden einen neuen kaufen“, versprach ich den Kindern. „Aber, Papa“, sagten sie, „wir wollen Herr Rodenbach.“ – „Gut, gut“, sagte ich. „Wir werden ihn finden. Seelen wandern. Nun müssen wir uns auf die Suche nach dem Hundekörper machen, in den Herr Rodenbach nach seinem Ableben eingefahren ist.“- „Juchhu!“ Die Freude der Kinder war unbeschreiblich, selbst dann noch, als ich ihnen erklärte, dass Herr Rodenbach vermutlich Besitz vom dicken Leib unseres Nachbarn genommen habe. Ein Spaß. Haha! Nun soll ich ihn entführen. „Nein, nein, nur ein Spaß, wirklich.“ Die Kinder sind von der Idee, unseren Nachbarn Gassi zu führen, besessen. Ich hätte das nicht sagen sollen. Kinder sind einfach zu gutgläubig.

Ich habe eine Mail unflätigen Inhalts erhalten. Man lehnte eine meiner Geschichten, die ich selbst nicht verstehe, ab. „Sieh mal!“, rief ich meiner Frau zu, die gerade Gulasch kochte. – „Was?“ – „Sie haben meine Geschichte, die ich selbst nicht verstehe, abgelehnt.“ Erzürnt bis über beide Ohren stürmte meine Frau heran. „Dieses Miststück!“, schimpfte meine Frau über die Absenderin der Mail. – „Zähme dich nicht!“ – „Unkrautjätendes Ungetüm!“ – „Ja, ja!“, feuerte ich sie an. „Wir dürfen uns das nicht gefallen lassen.“ – „Niemals!“ – „Lass uns unzüchtig Liebe machen, direkt hier im Angesicht ihrer Mail.“ Und so geschah es. Wir liebten uns umständlich auf der rechten Stuhllehne. „Sieh hin, Bitch“, forderte meine Frau die Mail auf. „Sieh und lerne!“ Wollüstig glitt der Nachmittag in den Abend.

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