Angst – Eine Begegnung mit Thomas Bernhard

Anlässlich des Geburtstags von Thomas Bernhard!

Er würde kommen, sagten Meiers, und so saß ich erregt, die Backen rot, in einer Ecke des Zimmers, die mich an eine Ecke meiner Kindheit erinnerte, eine, die ich mit meinem Kopf gefüllt hatte, die Augen geschlossen, um dort zu zählen, spielten wir doch Verstecken, daran musste ich denke, als ich auf die Ankunft Thomas Bernhards wartete, der sich für die frühen Abendstunden angekündigt hatte, um, so Meier, der Bernhards letztes Buch verrissen hatte, auf eine Schimpftirade zu hoffen, die dann, so Meier, in einen Artikel über Bernhard einfließen würde, denn, so Meier weiter, darauf habe er sich mit Bernhard verständigt, auf einen Streit, bei dem sich die Balken biegen würden, und so kam es, dass ich hier in der Ecke saß, während es im Treppenhaus polterte, der Bernhard, sagte Frau Maier, er zetere gerade mit den Nachbarn, mit denen gäbe es auch ein Arrangement, die hätten sich ins Schimpfen eingekauft, um alle ihr kleines Büchlein über die Begegnung zu schreiben, sagte sie, indes ich die Ecke betrachtete, die der Ecke meiner Kindheit glich, so sehr, dass mir ganz schwindelig wurde, der ich den Schritten lauschte, die sich der Tür näherten, und die mich zusammenfahren ließen, während mein Darm verrückt spielte und sich nach dem Klo sehnte.

Aus „Angst – Eine Begegnung mit Thomas Bernhard“ von Leopold Brechtinger, vergriffen

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