Zum Tod von Philip Seymour Hoffman

Filmstills

1.) Erwachend. Am Morgen. Sein Blick in den Spiegel. Den Anderen erblicken. Das Ich, das fremde Wesen. Spiegel als Paralleluniversum. Wer erwacht? Wer steht auf? Der dort? Ich? Wer ist das? Abtasten. Mit dem eigenen Blick im Abbild stochern. Suchtsuche. Versuch, sich einzuklammern. Sich nicht zu verlieren. Entdeckungsfahrt der Augen. Augenblicke.

2.) An der Frühstückstheke. Verschwindend. Ein Mann, der sich in seiner Haut unwohl fühlt. Der seine Brille auf die Nase drückt, als müsse sie in der Haut verschwinden. Das Berühren des eigenen Gesichts als Selbstvergewisserung, dass es ihn noch gibt. Das Berühren des Selbst. Das Ich muss abgetastet werden. Der Finger liest es, ohne es zu verstehen. Das Ich als unübersetzbarer Text. Die Hoffnung, nicht zu verschwinden. Einen Sinn entdecken.

3.) Der Kopf gesenkt. Die Augen in einer undefinierbaren Tiefe. Als würden sie etwas suchen. Eine Antwort. Als würden sie vor den  Augenblicken fliehen. Blick als Fluchtbewegung in die Statik des Bodens. Bodenlose Tiefe wird vermieden. Wegsehen. Absehen. Eintauchen ins Nichts des Ablebens. Angst vor dem Tod. Eine Angst, die lähmt, die lebensunfähig macht. Die eine Leichenstarre zeugt. Ein Blick, der sich an Dinge klammert, um nicht zu ersaufen.

4.) Ausbruch. Aufbegehren. Im Angesicht seiner Tochter, die er in einem Glaskasten findet. Die Tochter als Ausstellungsstück. Schauspiel als Peepshow. Kunst als Verkaufsobjekt . Die Erkenntnis des Verlusts. Die Hände schreien. Der Mund schreit. Der Körper schreit. Der Aufschrei: „Das ist meine Tochter!“ Ungehört verhallt er. Körperlichkeit. Unendliche Körperlichkeit. Schmerz als Fühlmittel. Ohnmächtigkeit dem Leben gegenüber.

5.) Leben als Kunstwerk. Um zu verstehen, was man tut. Die Wiederaufführung des Gelebten. Kunst als Blick auf den Boden, als Tasten im Gesicht, als Versuch, die Welt zu lesen. Hoffnung, zu verstehen.

6.) Am Ende der Tod, auf den wir alle zurasen.  Keine Hoffnung. Keine Übersetzbarkeit der bodenlosen Tiefen. Dafür eine Bodentiefe, die vom eigenen Sarg gefüllt wird. Nichts. Abblende.

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