Die Katzen von Kopenhagen

Heute hatte ich mal wieder fünf Minuten, in denen ich nicht wusste, was ich machen sollte. Also habe ich nach einem Buch gegriffen, einem Bilderbuch mit wenig Buchstaben drin. Das sind mir die liebsten von allen Büchern. Man kann sie auch als Tablett benutzen, um z.B. ein Glas Milch zu transportieren.

Was ich mir angeguckt habe? Die Katzen von Kopenhagen. Das ist ein  Brief von James Joyce an seinen Enkel Stephen, den Wolf Erlbruch wunderbar verspielt illustriert hat.

James Joyce hätte ich auch gerne zum Opa gehabt. Man könnte sich in eine Bar begeben und an die Theke lehnen. In einem Augenblick, in dem keiner damit rechnet, würde ich mit der Sprache rausrücken. „Mein Opa hat Bücher geschrieben, die so bekannt sind, dass sie kaum einer gelesen hat.“ Das würde die Spannung zum Überkochen bringen. Einer würde vielleicht vermuten, dass es sich dabei um die Bibel handelt. Aber weit gefehlt. „James Joyce“, würde ich sagen. Die Stille würde ohrenbetäubend sein. Und dann ein Bier. Und eine Runde für alle, die mir auf die Schulter klopfen, weil sie nichts gelesen haben, kein Buch, niemals, aber ULYSSES kennen sie natürlich.

Opa Joyce hat seinem Enkel einen Brief geschrieben, darüber, dass es in Kopenhagen keine Katzen gibt. Er erzählt auch von Polizisten, die den ganzen Tag im Bett liegen und Zigarren rauchen und Buttermilch trinken. Endlich mal eine realistische Reisebeschreibung, die voll ins Leben greift. Keine öden Sätze über Kirchen, sondern über alte Damen und junge Jungs.

Ich will nicht alles verraten, weil so dick ist das Buch nun auch wieder nicht.

Illustriert hat es Wolf Erlbruch. Übersetzt wurde es von Harry Rowohlt, den ich auch als Opa annehmen würde, wenn er will.

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James Joyce: Die Katzen von Kopenhagen. Aus dem Englischen von Harry Rowohlt. Mit Illustrationen von Wolf Erlbruch. Verlag Carl Hanser, München 2013. 32 S., 14,90 € (ab 5 Jahren).

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5 Gedanken zu “Die Katzen von Kopenhagen

  1. Stimmt. Das Buch ist gut. Ich habs auch schon besprochen. Und mir gewünscht, ich hätte JJ als Opa gehabt. Der hätte dann evt. bei einem Kneipentreffen mit Guido Rohm das getan, was er immer tat: Seinen Kumpel Ernest von der Leine lassen. Der musste nämlich mit den anderen dann immer noch mehr trinken und die dann anschließend verhauen, wenn sie frech wurden.

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