Here comes the Bappzeug

Es gibt Dinge, die darf man erst gar nicht laut aufschreiben, wenn man anschließend nicht in der Hölle der Intellektuellen brennen will. Z.B., dass man früher Captain Future gelesen hat. Das sollte man tunlichst abstreiten. Das disqualifiziert einen zur Teilnahme beim nächsten Literaturclub. Oder schlimmer noch, man wird geschnitten. „Rohm, nö, den will ich nicht sehen. Nö. Kein Rohm!“ – „Ja, warum denn?“ – „Hat als Kind mit Captain Future experimentiert. Mit so einem soll unser Sohn nicht verkehren!“ – „Ihr Sohn ist 52.“ – „Sohn bleibt Sohn – und somit immer gefährdet.“

Billig. Ich muss es eingestehen, es gibt Phasen (die gelbe, die rote, die schwarze, die lila, die grüne), in denen ich es billig mag. Es darf ruhig mal Schmutz sein. Nicht nur Kaviar. Der schmeckt mir eh nicht. Schmutz auch nicht. Aber Süßes. Oder wie es mein Jüngster bezeichnen würde: Bappzeug.

Da ist er, der Begriff, nach dem ich so lange gesucht habe, um meine kulturellen Sehnsüchte zu kennzeichnen. Ich mag Bappzeug. Keines aus der Disney-Fabrik, bei dem sterbe ich meistens selbst an einem Zuckerschock, sondern Filme, die sich aufplustern, die breit daher kommen. Die sagen: „Hahaha! Ich bin vielleicht ein Kerl von einem Film. In mir gibt es eine Menge Bummbumm. Und noch mehr Pengpenp. Und wenn das erledigt ist, setze ich noch ein paar Hahahas drauf. Bappzeug eben. Ein Mutant von einem Film. Ein Kaugummi.

Gestern haben wir uns – nach dem Gewaltakt des Schlägerfilms SINGAPORE SLING – DAS IST DAS ENDE reingezogen. BÄNG! Fickt euch, will da meine Kleinkinderseele aufschreien. So etwas will ich sehen. Das war so billig, dass es Spaß gemacht hat.

Hollywood geht unter. Wen würde das nicht freuen? Da hat sogar Hollywood seine Freude dran. Also her mit den Riesenlöchern, in denen wir die ganze Mischpoke verschwinden lassen. Ein paar müssen am Leben bleiben, um die Unterhaltungsmaschine am Laufen zu halten. Das war kein Kopfkino. Das war Eierkino.

Na, wenn ich mir das jetzt alles durchlese. Nein, so bin ich nicht. Ganz und gar nicht. „Rohm“, sagt meine innere Stimme. – „Ja?“ – „So sind Sie gar nicht!“ – „Nein, so bin ich nicht.“ – „Rohm?“ – „Ja?“ – „Lassen Sie den verfluchten Text mit etwas Kultur enden. Hochkultur. Vielleicht mit einem Zitat.“ – „Zitat?“ – „Ja!“

„Mr. Gorbachev, tear down this wall.“ Ronald Reagan  

Ja, Gott, ein anderes Zitat ist mir jetzt auf die Schnelle nicht eingefallen.

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