Bitches auf ihrem Weg ins Höllenhimmelheimchenglück

Ich habe versagt. Jetzt ist es draußen. Jetzt kann man mich als den bezeichnen, der den Film SINGAPORE SLING nicht gepackt hat. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Der Film hat mich geschafft. Er hat mich in die Ecke getrieben. Hat mich gezwungen: Geh und schalt den Fernseher aus!

Und nun? Was wird werden? Ich fühle mich gedemütigt. Ausgerechnet ein Film hat mich des Platzes verwiesen. Wäre SINGAPORE SLING das Leben, würde ich über Selbstmord nachdenken. Wäre er eine Frau, würde ich sie verlassen. Nix für ungut, aber das wird nichts mit uns, Sling! Koffer packen und raus.

Am Anfang lief es noch gut mit uns. Regen klatschte auf dem Bildschirm in die Filmwelt hinein. Eine entfärbte alte Hollywoodwelt. Kein Hollywood. Film Noir made in Griechenland. Kein Wunder, dass es dort bergab geht. Bei den Fantasien muss man sich fürchten. Die nächsten Griechenlandurlaube sind gecancelt.

Weiter im Beschreibungskampf. Regen fällt, während zwei aufreizend bekleidete junge Damen, Mutter und Tochter, wie sich herausstellen wird, ein Grab buddeln. Bei Poe ging es noch um die SCHÖNE TOTE. Hier sind es die SCHÖNEN und der TOD.

Ein Grab, klar, das muss gefüllt werden, sonst hat man sich ganz umsonst bei einem solchen Sauwetter abgequält. Drinnen landet der ehemalige, weil inzwischen ermordete Chauffeur des Tochter-Mutter-Gespanns.

Außerdem erfahren wir von einem Detektiv, der auf der Suche nach Laura ist, nicht Otto Premingers Laura, sondern seiner ganz eigenen, wohl aber einer, die sich am Hollywoodengel orientiert. Kunstkino mag Anspielungen.

Und dann geht es richtig los. Die Kamera zerrt mich ins Familienidyll hinein, ins unheimelige Unheimlichidyll, das mir vorkommt, als habe man mich in den Kopf eines Perversen bzw. einer Perversen entführt. Inzucht, Sex, bei dem man sich auf den Partner übergibt, Nekrophilie. Das Treiben will nicht enden. Tabulosigkeit to go bzw. zum Schlürfen beim Vorbeischauen. Schön fotografiert, von einigen Späßchen gebrochen, damit man sich nicht wie in einer Hölle vorkommt, die es sein sollte. Vielleicht liegt da das Problem. Ich fühle mich in echten Höllen wohler.

Ekelreigen, ja, das trifft es. Wie eine Disney-Version für Fetischisten.

Irgendwann mittendrin habe ich aufgegeben. Ich bin aufgestanden und habe den Film gecuttet, mitten in einer Szene, an die ich mich schon nicht mehr erinnern kann. Das spricht nicht gegen den Film. Es spricht gegen meinen Willen, das Ding bis zum Ende durchzuziehen.

Im besten Sinne, ich wollte doch etwas finden, was ich übersehen haben könnte, war es ein Feministinnen-Movie, eine Hardcore-Version eines die Welt unter die Sexknute zwingenden Frauenduos. Mütter und Töchter dieser Welt, lebt euch aus. Fickt, was euch gefickt hat. Vergewaltigt, was euch vergewaltigt hat. Kotzt an, was euch angekotzt hat. Bitches auf ihrem Weg ins Höllenhimmelheimchenglück.

Und ich? Versagt! Ich habe es mir versagt.

Beim nächsten Mal versuche ich durchzuhalten.

Versprochen!

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2 Gedanken zu “Bitches auf ihrem Weg ins Höllenhimmelheimchenglück

  1. Dem Freund gediegener griechischer Unterhaltung empfehle ich den „Hundszahn“.
    Etwas mehr Handlung, weniger Erbrochenes und doch noch immer heftig.
    Amazon bietet ihn unter dem nahe liegenden Namen Dogtooth – Störkanal Edition an.

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