Montag

Ich habe den Morgen mit einem Horrorgedicht begonnen. Mit solchen Gedichten, denen ein Zauber innewohnt, muss man vorsichtig sein. Am besten schreibt man sie in einem schalldichten Raum, der abseits aller bewohnten Gebiete liegt. Man schließt sich ein und spült den Schlüssel im Klo runter. Weg damit. Sicher ist sicher. Und dann zieht man seinen Horrordichterhut an, das ist der mit der langen Feder, mit dem man so beschissen aussieht.

Das Dichten geht schnell, man muss aber berücksichtigen, dass man zwischendurch auch mal essen und schlafen muss. Töten Sie einen Kanarienvogel oder eine von Gott beseelte Ameise, um die Dämonen der Hölle zu beschwören, die Ihnen helfen sollen, das perfekte Horrorgedicht zu schreiben. Es muss eines sein, das den Menschen Angst macht. Sie müssen bibbern, wenn sie es erblicken. Schnallen Sie es aber an, das Gedicht, damit es nicht mutiert und flieht. Das alles gab es schon. Dem bekannten Mundartdichter Wenzel Müller entkam dereinst ein drei Meter großes Gedicht mit Mundgeruch. Es stapfte durch die Gegend, und ehe es von zwei wagemutigen Kritikern (Urbi und Orbi) verrissen werden konnte, tötete es siebenunddreißig Leser im Raum Kassel. Das hätte nicht sein müssen. Schutz geht vor Kunstfreiheit.

Guten Morgen, Welt!

Morgengrauen (Horrorgedicht)

Unheimlich ist das,
wenn man schon
wieder, ich
wiederhole, wenn
man schon wieder,
jetzt geht es weiter,
aufstehen soll.
Das Grauen!
Fürchterlich!
Angsteinflößend.
Am besten, man
dreht sich um
und schläft noch zwei
bis fünf Tage.

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