Dienstag

Ich bin von einem Jucken in meiner Nase wach geworden. Sofort sprang ich auf, denn dies musste in mein Tagebuch geschrieben werden. So etwas muss doch gebannt werden, damit all die kommenden Armeen aus Literaturwissenschaftlern, die jedes Ziehen in meinem linken Arm analysieren und auf den Verlauf meines Werks rückführen werden, etwas vorfinden, wenn sie sich auf die Reise in meine Vergangenheit machen.

Alles muss notiert werden, etwa wie meine Jacken an der Garderobe hängen, besser noch, ich fotografiere es und „klebe“ es in mein Blog. Denn an der Reihenfolge der Jacken könnte abzulesen sein, warum ich gerade in meiner „Jackenphase“ steckte.

„Rohm“, könnten sie schreiben, „hängte zu der Zeit Jacken, was auf eine Form der Selbstjustiz schließen lässt. Warum hängt man Jacken? Welches Verbrechens haben sich die armen Überzieher schuldig gemacht? Rohm, so lesen wir in seinem Tagebucheintrag vom 3. Dezember 2013 war sich außerdem bewusst, dass wir ihn dereinst beforschen werden. Hatte er Ahnungen? War er ein Hellseher? All dies muss in zukünftigen Arbeiten über ihn berücksichtigt werden.“

Ja, so wird es kommen. Schon merkwürdig, wenn man liest, was die Literaturwissenschaft dereinst über einen schreiben wird. Man fühlt sich ein wenig übertölpelt. Da greifen Fremde in den eigenen Alltag ein. Gehört sich das? Na, zumindest ist das alles sehr fragwürdig. Trotzdem komme ich nicht umhin, jedes Haar und jedes Staubkorn zu beschrieben oder zu fotografieren, damit kein falsches Bild entsteht. Noch habe ich die Sicht aus der Zukunft in die Vergangenheit in der Hand.

Guten Morgen, Welt!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s