Lektüre (1)

Er band meine Hände zusammen, mit Geschenkband, einem pinken, das er drüben bei Walter gekauft hatte, wie er mir erklärte, während er meine Arme in Geschenkpapier einschlug, um sie anschließend mit dem Band zu umwickeln. Das sei der letzte Schrei auf dem Markt der erotischen Möglichkeiten, sagte er, und dann packte er meine Füße ein.
Da stand ich schließlich, ein Geschenk, von oben bis unten in Papier, bis Timmy es von mir riss, ganz erstaunt, mich zu sehen.
“Du!”, rief er.
Ich wollte ihm die Überraschung nicht versauen und breitete die Arme auseinander und rief: “Ta-ta! Über-raschung!”
“Das hätte ich nie für möglich gehalten. Du? Aber wie …?”
“Tja …”, sagte ich.
Er schüttelte noch immer den Kopf. “Das kann ich einfach nicht glauben, ich meine, wie …”
“Glaub es!”
Er wurde ernst. “So sehr ich mich freue, Tiffy, aber das ist nicht richtig. Menschen sollten nicht wie ein Geschenk …”
“Du …”
“Ich sage: Das geht nicht! Zieh dich an. Das ist ja entwürdigend.”
Er lief aufgeregt durchs Zimmer und brummte etwas davon, wie krank alles sei, und dass er in einer solchen Welt nicht mehr leben wolle. Er war wirklich runter mit den Nerven.

Aus “Die vierzig Jünger”, Roman von Barbara Cartwright

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