Sonntag II

Wie, so fragte ich meine Frau am späten Nachmittag. Sie, die in allen Fragen der Philosophie bewandert ist, zuckte mit den Schultern und gab sich ratlos. Es könne doch nicht sein, führte ich weiter aus, ihr mit meinen Worten zwischen Gabel und Mund fahrend, um sie, die es doch wissen müsste, hatte ich so doch ihrer Bildung wegen geehelicht, zu zwingen, ihr Hirn nach einer Antwort abzusuchen. Ich, sagte ich, ich kann so nicht leben. Ohne mich weiter anzuhören, steckte sie das Kuchenstück zwischen ihre Zähne, die sich wie zwei Wände schlossen, Wände, wie ich sie aus Horrorfilmen kannte, Wände eines Raums, in dem der Held seinem Ende entgegensehen soll, das ihn dort nicht ereilen wird, liegen doch noch etliche Drehbuchseiten zwischen ihm und dem tatsächlichen Finale.

Erbost stand ich vom Tisch auf.

Wie, so fragte ich meine Gäste, die an diesem Tag den Geburtstag meiner Tochter feiern wollten. Stille, als ob in der Stille Heilung zu finden wäre.

So nicht, sagte ich. So nicht.

Guten Abend, Welt!

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