Werkstatt

In Deutschland hatte ich einen Fall gelöst, über den ich inzwischen nicht mehr reden darf. Zu viele Politiker würden stürzen, es käme zum Fall der Regierung, die sich auflösen würde, und das wäre ein Fall, den ich nicht mal lösen wollte, selbst wenn ich wollte. Ich dachte über meinen letzten Satz nach, der beunruhigend konfus klang. Hatte ich das gedacht, wirklich ich? Ich konnte es mir nicht vorstellen, obwohl ich mir im Moment vorstellte, wie ich es mir nicht vorstellen konnte. Bei Wittgenstein, ich sollte nicht so viel denken. Dafür sollte ich die Seele baumeln lassen, sollte sie sich hinlegen lassen, auf ein weiches Baumwolltuch, das durch die Ausbeutung der Ärmsten der Armen hergestellt worden war.

Das war mein erster Urlaub seit Jahren, aber ich konnte mein Meisterdetektivhirn nicht bändigen. Unablässig dachte ich über die verschiedenen Möglichkeiten, die eine Sache bereithielt, nach. Nicht mehr lange und ich würde in einer Nervenheilanstalt landen, ohne Ausweispapiere, unmündig. Der Fall Montag hatte gezeigt, wie schnell es gehen konnte, wie rasch einen Staat und Exfrau austricksen und in einem psychiatrischen Krankenhaus verschwinden lassen konnten, ohne dass man die Chance auf ein ordentliches Interview während der Unterbringung bekam.

Zum Glück für Montag hatte ich mich eingeschlichen. Ich hatte mich als leicht trotteliger Professor Wedekind aus Karlsruhe ausgegeben und hatte Montag nach monatelanger Suche schließlich im Besucherraum entdeckt.

– Auszug –

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