Dienstag II

Hektik. Die kommt in den besten Familien vor. Man darf sich von ihr nicht aus der Ruhe bringen lassen. Alles der Reihe nach. Erst einatmen, dann ausatmen.

Ich bin kein Anhänger unüberlegter Handlungen. Ich bin ein Gegner von Handlungen. Handlungsarmut, die fordere ich bereits seit Jahren für den deutschen Kriminalroman. Bloß keine Hektik im Roman aufkommen lassen. Wort für Wort schreiben. Das könnte so klingen: „Herbert ist wach. Schon wieder, denkt Herbert. Wie oft soll ich denn noch erwachen? Muss das sein? Ich will schlafen. Herberts Gedanken haben ihn ermüdet. Er legt seinen Kopf in das Kissen zurück. Das Kissen ist weich. Es wurde vor fünfzehn Jahren in einem Werk an der Ostsee gefertigt. Das Werk wurde längst geschlossen. Alle Mitarbeiter wurden entlassen. Auch ein gewisser Herbert Mahler. Er hat gerne Kissen hergestellt. Herbert und Herbert werden sich nie kennenlernen, und doch verbindet sie ein unsichtbares Band. Wer weiß, vielleicht hat Herbert Mahler Herberts Kissen hergestellt.“

Und so weiter und so fort. Keine Hektik. Der Erzählfluss tröpfelt rinnsalartig dahin. So sollte er aussehen, der zukünftige deutsche Kriminalroman.

Guten Abend, Welt!

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