Dienstag

Eine alte Übung der Buddhisten ist es, nicht aufs Klo zu gehen, obwohl du dringend musst. Aber nein, du hältst es ein, bis deine Blase dich das Tanzen lehrt.

Ich lebte eine Weile in einem Kloster, in dem man sich auf solche Techniken verstand. Wir gingen nicht nur fast nie pinkeln, sondern wir tranken auch noch Unmengen, um den Körper herauszufordern, wie der Klostervorsteher in einem seiner Briefe, die unregelmäßig eintrafen, schrieb. Er selbst, der Klostervorsteher, konnte nicht bei uns sein, weil er sich eine Übung auferlegt hatte, die ihn mit drei ehemaligen Stripperinnen in einem Hotelzimmer in den USA festhielt. Sie durften es nicht verlassen, bis er, der Vorsteher, nicht alle Lust am Sex verloren hatte. Seine kommende Unlust zögerte und zögerte sich hinaus. Schließlich verließ ich das Kloster, ging auf eine öffentliche Toilette, und sah ihn leider nie. Schade, hätte ich doch den Mann, der uns beibringen wollte, Unpersonen zu werden, gerne einmal kennengelernt. Nichts zu machen.

Danach zog ich eine Weile als Wanderdetektiv durch die Lande. Ich löste hier und da Fälle, blieb nie lange, schlief ausgiebig, duschte, es war eine wilde Zeit, in der ich eine Menge verrückte Leute verhaften ließ.

Als Wanderdetektiv darfst du niemals näher als vierhundert Kilometer an deinen Heimatort herankommen. Du musst die Tracht der Wanderdetektive (Mantel, Hut, Sonnenbrille und Lupe) dauerhaft tragen, niemals darfst du etwas anderes anziehen. Es ist auch verboten, Geld anzunehmen. Ich schlief daher bei meinen Auftraggebern, wusch in ihren Waschmaschinen meine Tracht und zog, war der Fall gelöst, weiter, stets per Anhalter.

Stundenlang stand ich an den Autobahnauffahrten und hielt meinen Daumen in die kalte Luft. Mein Daumen schwoll durch die Kälte zu doppelter Größe an. Die Menschen, die mich mitnahmen, bewunderten meinen Daumen, sie fragten, ob sie ihn mal anfassen dürften, na klar, sagte ich, ist doch nur ein Daumen, bis einer ihn lutschen wollte, ein ehemaliger Daumenlutscher, wie er erklärte, der seiner Sucht hatte entsagen müssen, und für den mein Daumen eine Herausforderung darstellte, der er nicht widerstehen konnte. Selbstverständlich ließ ich ihn nicht lutschen. Ich warf ihn bei Köln aus dem Auto und fuhr alleine weiter, bis mir in Hamburg einfiel, dass es ja ihm gehörte. Ich ließ es stehen und wurde Hamburger. Ein schlecht bezahlter Job, den ich auch nicht lange ausübte.

Guten Morgen, Welt!

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