Sonntag

Es regnet. Ich denke nicht, dass es mir etwas ausmacht, ausmachen muss, denn es regnet ja nicht in unseren Zimmern, sondern draußen. Welch eine Laune der Natur, dass es nie in den Häusern regnet. Das würde viel Arbeit sparen. Man müsste nicht mehr saugen, sondern würde mit einem Abzieher das Wasser von den Oberflächen ziehen. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie oberflächlich die Möbel sind? Keine wirkliche Tiefe, und ist sie mal vorhanden, wird  sie sogleich genutzt, um Bücher darin zu verstauen. Die Tiefe wird mit Wissen ausgestopft, sodass sie weniger tief wirkt.

Wir hatten gestern Besuch, der an unserem Tisch saß und den ich vollsprach. Vollsprechen ist die Kunst, unablässig zu reden, so dauerhaft, dass der andere irgendwann seine eigenen Gedanken nicht mehr versteht.

Ich sprach den Besuch also voll, bis obenhin sprach ich ihn mit Wörtern voll, sodass der Besuch am Ende des Abends benommen aus unserer Villa torkelte, vorbei am Benz, der verärgert vor dem Haus stand, weil wir ihn nicht eingeladen hatten, ja, warum hätten wir das tun sollen, er hätte eh wieder nichts gesagt, und hätte er gesprochen, wäre es um seine Diebstähle gegangen, die ihn mittlerweie zu einem der meistgesuchtesten Verbrecher des Universums machen. (Ich hatte ja berichtet, dass der Benz stiehlt, was er unter seine Finger bekommt, er will es gar nicht lassen, auch wenn er nichts von dem braucht, was er in seinem Zimmer hortet, der Narr.)

Ich schrecke aus meinen Tagebuchgedanken auf, in die ich ganz versunken war, der halbe Kopf war schon in der Tastatur verschwunden, als mich der Regen in die Realität zurücktrommelte. Es regnet wie damals, anno 1872, eine Nacht, die mein Vater in seinem Tagebuch aufzeichnete, eine Nacht, in der der Regen mit einer solchen Wucht vom Himmel fiel, mit taubeneiergroße Tropfen, dass kein Stein auf dem anderen blieb. Portishead Park, so der Name des Familiensitzes, musste neu gezimmert werden, und erst nachdem der Sitz fertig war, fühlte sich mein Vater in der Lage, das Haus wieder errichten zu lassen. Alles nachzulesen in „Tagebücher des Peter Rohm – Mein Leben im und neben dem Busch“.

Guten Morgen, Welt!

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