Der Nachtschwärmer

Der Nachschwärmer mag es dunkel und feucht. Hat sich der Tag von seiner Arbeit verabschiedet, drängt es den Nachtschwärmer nach draußen. Gekleidet in der Tracht des Discotänzers durchstreift er die Clubs, nicht auf der Suche nach einem willigen Weibchen, dem er seine Liebe in den Schoß legen darf. Tänzelnd betritt er die erste Feierstelle. Da sind sie ja, die Frauen, die sich nicht zu schade sind, sich in verzückter Art und Weise zu den Beats einer Maschinenband aus Frankfurt zu bewegen. Geschmeidig wiegen sie ihre Hüften, die die Bereitschaft zur Paarung signalisieren. Der Nachtschwärmer aber übersieht sie. Er ist in die Nacht verliebt, die er mit bebenden Lippen beschwört: „Oh, Nacht, entkleide dich. Werfe dich mir zu Füßen.“ Wieder geschieht nichts, und er wird sich sinnlos betrinken müssen, um seinen Schmerz zu betäuben. Der Nachtschwärmer sucht nach einer Erfüllung, die eine Körperlichkeit der Nacht voraussetzen würde. Seine Zunge durchzuckt die kühle Dunkelheit. Kein Keuchen, kein Stöhnen. Was bleibt ihm anderes übrig, als sich unablässig durch die Nacht zu bewegen, um sich so, als Ganzkörperpenis, dem Trug hinzugeben, sie wenigstens einmal begattet zu haben, die Nacht, wohl wissend, dass dem nicht so ist. Erschöpft wird er heimkehren, sich die Kleidung vom Leib reißen, um ins Bett zu schlüpfen, während die Arbeiterschaft, dem Tag, dem er so gar nichts abgewinnen kann, ihren Tribut zollt. Unselig schläft er ein, hoffend, in der nächsten Nacht Erfüllung zu finden.

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