Samstag

Der Winter kommt auf uns zu. Ich kann seine Anwesenheit bereits riechen. Er stinkt nach Schnee. Der Geruch von Schnee ist kaum auszuhalten. Deshalb leben auch kaum Menschen am Nordpol. Der Mief. Er brachte sie ihm um den Verstand, und die wenigen, die blieben, banden sich Tücher über die Nase. Harte Gesellen, die ihr Land nicht aufgeben wollten. Sie ziehen mit ihren Schlittenhunden von Schneehaufen zu Schneehaufen. Die Hunde werden beinahe verrückt. Sie können das alles noch sehr viel intensiver wahrnehmen.

„Hör ma“, sagte gestern mein Verleger am Telefon.

Ich lauschte. Nichts außer seinem Atem war zu hören. Ein Atem, tödlich wie diverse Giftgase, die aus verschiedenen Chemiefabriken entkommen konnten.

„Ja, interessant“, sagte ich und legte auf.

Mein Verleger ist ein guter Mensch. Er will mich dazu bringen, auf das zu hören, was sonst nicht gehört wird. Er konfrontiert mich mit meinem Ohr, mit meiner Art, zu hören.

Heute kommen wieder die Kinder aus meinen ersten zwanzig Ehen. Sie sollten mich für meinen unsteten Lebenswandel nicht verurteilen. Ich bin ein Schriftsteller, das entschuldigt vieles. Meine Unsauberkeit, meine Faulheit, mein Triebleben.

Guten Morgen, Welt!

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