Mittwoch II

Ich kann mich nicht konzentrieren. Meine Frau hat Besuch von einer Freundin aus alten Tagen. Damals, lange ist es her, waren sie ein Herz und eine Seele. Heute sehen sich nur noch selten. Ich weiß nicht, wie ich schreiben soll, wenn sie dauernd reden. Sie tauschen sich aus. Das tun Frauen gerne. Worte fliehen aus ihren Mündern, verirren sich im Raum, taumeln von Schrank zu Schrank, wissen nicht, warum es sie gibt, warum sie geboren wurden.

Jetzt habe ich es geschafft. Die Freundin hat sich verabschiedet. Ob es an dem Gesicht lag, das ich die ganze Zeit über zog? Die Mundwinkel nach unten gezogen. Die Augen verdreht. Ich wollte meinen Unmut nicht zu deutlich zum Ausdruck bringen.

Sie stehen im Hausflur. Wieder Worte. Sie hallen durch das Treppenhaus, schlagen Purzelbäume. So viele Worte, die, ohne lange darüber nachzudenken, gezeugt werden. Und nicht nur das. Sie werden geboren, werden in die Welt gepresst, die sie links liegen lässt, die nichts mit ihnen anzufangen weiß. Wortwaisenhäuser werden aus dem Boden wachsen, nicht eins, nicht zwei, sondern ganze Viertel von ihnen, in denen sie mit ihren bleichen Gesichtern hausen müssen, die Worte, die sich mit Taschendiebstählen über Wasser halten werden.

Die Freundin ist fort. Geschafft. Es ist vollbracht. Ich lege eine Messe von Hanebüchen auf, seine Messe in G-Punkt, die ich mitsummend zelebriere, froh, nicht taub geworden zu sein. Meine Gedanken befreien sich allmählich. Ideen kehren zurück, zaghaft klopfen sie an die Tür, die ihnen geöffnet wird.

Guten Abend, Welt!

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