Mittwoch

Ich bin an den seltsamsten Tagen müde. Sonntags, da bin ich nie müde, obwohl ich ausschlafen kann. Dafür bin ich montags müde. Seltsam. Ich war auch schon beim Arzt, der mich, es war Mittwoch, angähnte. Aha, dachte ich, der auch. Donnerstags? Müde! Samstags? Ein wenig.

Ich gähne mich durch den Alltag. Mit einem aufgerissenen Maul stolpere ich durch eine Welt, die verlangt, dass man wach ist. Hellwach soll man sein, und das auch noch täglich. Ein Ding der Unmöglichkeit.

Um wach zu werden, trinke ich ein bis drei Kannen Kaffee. Ich nehme diverse Pulver, die dem Körper eine Energie zuführen sollen, dass man sich kaum noch beim Reden stoppen kann. Alles ist in Bewegung. Sogar die eigene Zunge, die unaufhörlich über die Lippen leckt. Ganz geil wird man von dem Zeug auf sich. Es soll Leute (in Wien und anderswo) gegeben haben, die am helllichten (ein Wort mit drei l, Wahnsinn) über sich hergefallen sind, in der Fußgängerzone oder im Kaufhaus, z.B. in der Spielzeugabteilung. Da standen sie dann und hatten dieses Verlangen, es gleich hier auf der Stelle mich sich zu tun. Die Knie haben sie sich abgeküsst, haben sich die Ohrläppchen gerubbelt, bis sie glühend heiß in die Gegend standen. Wie zwei Sonnen hingen die Ohrläppchen am Himmel der Persönlichkeit, die gerade dabei war, sich von allen gesellschaftlichen Vereinbarungen zu verabschieden. Ausstieg in Richtung Polizei, die flugs kam. Und raus mit den Knüppeln, die auf den Knüppel des Erotisierten niedergingen. Aua!

Eine gute Methode, wach zu werden, ist es, sich wach zu schreiben. So wie ich das hier betreibe. Hochliterarische Notwendigkeiten aufs Papier bannen. Wort für Wort schreibt man sich in den Wachzustand. Ungeheuerlich, was man so alles schreibt, wenn man noch halb unter den Schläfern weilt. Das war ich? Ja, Gott, da will ich gar nicht wissen, zu was ich fähig wäre, wenn ich mal wach schreiben würde. Da käme am Ende ein sinnvoller Text dabei heraus, ein Roman mit Inhalt, und das von einem Autor, der sich noch nie in seinem Schreibleben einen Plan für ein Buch zurechtgelegt hat. Nur nicht nachlassen. Kaffee dabei nicht vergessen. Das Energiepulver. Und schon kann er kommen, der Tag.

Guten Morgen, Welt!

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