Samstag

Samstagmorgen ist eine verflucht frühe Uhrzeit. Trotzdem nahm ich den Kampf gegen die Zeit auf mich und wühlte mich aus dem Bett. Die Nacht hing noch dunkel über allen Dingen. Autos waren kaum zu erkennen. Fußgänger noch weniger. Ich musste mich schon sehr konzentrieren, um zu begreifen, dass keine da waren. Sie mussten noch schlafen, schloss mein messerscharfer Verstand. Ich ging ins Zimmer zurück, einen kühlen Hauch Außenluft mit mir schleifend. Ich klopfte sie mir von der Hose, von den Schuhen. War man nicht vorsichtig, hängte sich so ein kleiner Bursche an einen dran, und ehe man sich versah, hatte man ihn in der Wohnung. Frischluft, die sich wie die Pest verbreiten konnte.

Ich würde einige Abschiedsworte schreiben, dachte ich und fuhr den Rechner hoch, der sich langsam aus dem Boden erhob. Deckenhoch thronte er neben dem Schreibtisch. Ich hätte dieses Riesenmodell nicht kaufen sollen, aber die Speicherkapazität hatte mich verführt. Ganze drei Romane würde ich auf dem Ungetüm unterbringen können. Diese Möglichkeit hatte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen wollen.

Mein Kaffee war bereits durchgelaufen. Ich schenkte ihn mir ein, nahm einen Schluck und fühlte mich hellwach. Der Koffeingehalt befand sich in einem Bereich, der als „bedenklich“ einzustufen ist. Zwei Tassen, so mein Kaffeehändler, konnten einen töten. Eigentlich streckte ich ihn mit handelsüblichem Kaffee, aber bei dieser Lieferung hatte ich es vergessen. Meine Augen sprangen unvorbereitet schnell auf, sodass mich die Eindrücke meiner eigenen Inneneinrichtung beinahe um den Verstand brachten.

Nur wenige Worte, schwor ich mir. Ich würde mit meiner Frau und den dreizehn Kindern einen Ausflug machen, der mich einmal rund um den Globus führen sollte, da hatten meine treuen Leser es verdient, dass ich mich noch einmal an sie wandte. Wie beginnen? Als Meister der Worte, als einer, der sich den geschliffenen Sätzen bereits ein Leben lang widmet, tat ich mich schwer. Ich würde meinen Morgen beschreiben. Ehrlich und realistisch. Ihn würde ich sezieren. Wie ein Metzger das Lamm. Zupackend, doch mit Liebe in den Händen. Und schon entstand, was Sie hier lesen können.

Wenn ich zurück bin, seien Sie gewiss, werde ich mich wieder bei Ihnen melden.

Guten Morgen, Welt!

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