Samstag III

Walburga, habe ich gerufen. (Walburga ist meine Schildkröte. Eine gescheite Riesenschildkröte, die es im Kreuz hat. Das Schild, hat sie mir erklärt, wiegt sage und legende 2000 Kilo.) Also, um den nimmermüden Faden meiner Lebenserzählung aufzunehmen: Walburga, habe ich gerufen. Keine Walburga zu sehen. Da habe ich noch einmal gerufen. Diesmal lauter. Sie ist nämlich schwerhörig. Sie hat es in den Ohren. Die hängen auf den Boden, sodass sie sie inzwischen mit sich schleift. Durch den Dreck schleppt sie ihre Ohren, das arme Tier. Das ist ein Leidensweg, den ich keinem an den Hals wünschen würde. Nur an die Ohren. Und nur manchen. Aber das ist eine andere Geschichte. Zurück zu dieser. Keine Walburga. Ja, wo ist sie denn, dachte ich bei mir. Es wird ihr doch nichts passiert sein. Ich ging los, um sie zu suchen. Und schließlich, Gott sei Dank, fand ich sie auf dem Sofa liegend. Unter der Decke lag sie und schnarchte. Ja, Walburga, flüsterte ich. Und dann schwieg ich. Das Schweigen ist ein Mantel. Und ich zog ihn über ihren Leib, der wie eine halbe Erdkugel aus den Kissen wuchs. Walburga schlief und träumte. Ruhe sanft, Walburga. Ruhe sanft. Ich setzte mich neben das treue Tier und wachte über sie. Über sie und ihre Träume. Ich war sozusagen ihr Traumschild. Ihr Schlafschild.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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