Mittwoch

Regen fällt! Der Herbst ist da, diese braunflüssige Brühe, die über das Land schwappt, die alles und jeden unter sich zu begraben droht. Krankheiten haben die Villa heimgesucht, so die heimtückische Grippe, die Pest, die Cholera und die Unverträglichkeit.

Meine Frau Heido (Name geändert) liegt ermattet zu Bett, sich in Träume stehlend, die ihr keine ideale Wohnstatt werden. Wer fühlt sich schon in Albträumen wohl?

Sie albträumte unlängst, dass mich Schergen des amerikanischen Geheimdienst entführen würden, um den Bestsellerautorenhaushalt aufzufüllen. Ähnliche Technik wie Ende des Zweiten Weltkriegs, da man die Speerspitzen der Wissenschaft und der Erotikbranche ins eigene Land verbrachte, um sie Tag und Nacht in unterirdischen Bunkeranlagen schuften zu lassen.

So könnte es auch mir ergehen. Obacht ist das Gebot der Stunde. Hinter jedem Pfeiler könnte ein Agent des Schurkenstaates USA stehen, bereit, mich dem amerikanischen Bestsellermarkt einzuverleiben. Das habe ich nun davon, dass ich so gut schreiben kann. Bat Mama bereits früh, mir die entzückend süßen Hände zu brechen. Ihre Weigerung kommt einer Kapitulation vor dem Feind gleich, der mich über kurz oder lang in seine dreckigen Pfoten bekommen wird.

Spiele mit dem Gedanken, das Haus mit Sprengstofffallen auszurüsten. Mit Selbstschussanlagen. Vielleicht gar mit Selbstleseanlagen. Lyrik würde den Ami um den Verstand bringen. Eine Zeile Trakl würde sein Hirn in tausend Teile explodieren lassen. Ein Wort aus einem Gedicht von George würde ihn qualvoll verrecken lassen. (Den George lasse ich lieber. Experimente mit Mäusen haben bewiesen, dass George brandgefährlich ist. Es kommt zur sogenannten Selbstentzündung. Eine Fluchtfunktion des Organismus, der sich ins Jenseits retten will.)

Ich sitze zu dieser Stunde einsam in der riesigen Halle, die mein Arbeitszimmer sein soll. Viel Geld versaut den Charakter. Wünsche mich in die Armut der frühen Jahre zurück. Gesine (Name geändert) und ich lebten damals in einer offenen Wohnung. Sie hatte keine Fenster, keine Wände. Sie hatte nichts, was man mit einer Wohnung assoziieren würde. Der offene Wohnungsbau veränderte alles in den späten 70ern. Tausende fanden plötzlich eine Unterkunft, wenn auch nur eine offene. Wir saßen mit der Nachbarschaft am offenen Lagerfeuer, sangen Lieder. Spät in der Nacht saß ich an einem Schreibtisch aus Luft und schrieb meinen „Odentanz“. Gern denke ich an diese Zeiten zurück.

Guten Morgen, Welt!

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