Montag

Es gab eine Zeit, da spielte ich mit dem Gedanken, eine  Tischkickerfigur zu werden. Ich dachte, da muss man nicht viel machen. Sie amputieren dir die Arme und ziehen dir stattdessen eine Metallstange durch die Schultern. Rumhängen und benutzt werden, das war mein Traum vom Glück. Ich würde gefeiert werden, obwohl ich nicht mal etwas tun müsste.

Nie wieder einsam. Ich würde mit meinen Kollegen in einem Tischkicker in einem Gemeindezentrum leben. Die Kinder kämen vorbei und würden große Partien austragen. Solche, die in die Geschichte eingehen würden. Und ich würde nichts tun müssen, außer Kopf und Füße hinhalten.

Meine Eltern meldeten mich tatsächlich an. Als sie mich ins Krankenhaus brachten, um mich zu operieren, bekam ich Angst. „Ich wäre doch zu sehr gebunden“, erklärte ich Mutter und Vater, die das verstanden. Sie hatten meinen Wunsch, eine Tischkickerfigur zu werden, eh nie verstehen können. Also rissen sie mich vom OP-Tisch und nahmen mich wieder mit nach Hause.

Heute bin ich froh, dass ich keine Figur in einem Tischkickerteam wurde. Nur auf einem Platz leben, nie etwas anderes sehen. Außerdem kann einem rasch schlecht werden, durch die Bewegungen, die die Kinder mit einem ausführen. Die Bezahlung ist beschissen. In den meisten Fällen bekommt man gar nichts. Nein, das ist kein Leben, das man sich wirklich wünschen sollte. Man hat im Grunde nie Feierabend, weil es zu einer Symbiose mit dem Tischkicker kommt. Wer sich entscheidet, ein Star der Tischkickerszene zu werden, muss wissen, dass er durch die Metallstange, an der man mit mehreren anderen Spielern hängt, zu einem Fleischstück auf einem Spieß wird. Und wenn man sich jetzt mit seinem Nebenmann nicht versteht? So einfach aussteigen kann man nicht. Beine und Mund werden nämlich zusammengenäht. Ernährt wird man durch eine Speziallösung. Gesehen habe ich es noch nie. Aber es muss sie geben. Sonst würden die ganzen Jungs der unzähligen Teams weltweit jämmerlich verhungern. Im Grunde wird man zu einer Marionette. Zu einem Sklaven derer, die einen benutzen, um sich einen netten Nachmittag zu machen. Tischkickerfiguren sind keine Stars, sondern durch eine Operation gezüchtete Sklaven. Widerlich! Wir sollten nicht länger zuschauen. Gehen Sie hin und befreien Sie diese armen Wesen! Führen Sie ihn an, den Aufstand der Tischkickerfiguren!

Guten Morgen, Welt!

 

Advertisements

6 Gedanken zu “Montag

    1. Ah, Olli, altes Haus, auch wieder mal hier. Du willst mich also, trotz meiner inzwischen vier faulen Zähne und drei fehlenden Arme, herausfordern. Nun gut, wenn du das für richtig hältst, sei es so. Ich schlage dich trotzdem. Herausforderung angenommen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s