Samstag II

Den ganzen Nachmittag den dritten Teil meiner Tagebücher überarbeitet, die einen nicht unerheblichen Teil meines Werks ausmachen.

Buchstabe für Buchstabe ging ich mit den Augen ab, bald auf diesem, bald auf jenem verweilend, die Beine über die Ränder streckend, um die Tiefe, die ein Wort aufzuweisen hat, auszuloten. Vögel schossen über mein Haupt hinweg, sich in den gleißenden Strahlen einer dubiosen Sonne verlierend, die nicht viel mit dem uns bekannten Gestirn gemein hatte. An den Rändern stiegen Rauchwolken auf, als würde Sol verbrennen, als hätte jemand in seinem Inneren Feuer gelegt. Möglich wäre es, würde es mir doch eine Begründung für die enorme Hitze liefern, derer ich mich ausgesetzt fand. Hitze und Sonne. Da konnte etwas nicht stimmen.

Also drückte ich mich vom Buchstabengrund nach oben und hopste hinüber zum nächsten Buchstaben, einem G, in dessen Rundung ich es mir gemütlich machte. Ein G lässt sich als Schaukelstuhl gebrauchen, missbrauchen, das kommt auf die Sicht an, die man im Falle des G einnimmt. Nutzt man es, um sich in einem Wort zu bewähren, wird man nach dem tätigen G verlangen. Ist man ein Anhänger der gestammelten Sprache, wird einem das vergammelte G reichen, das man bisweilen, achtet man nicht auf seinen Werdegang, unter Brücken findet. Ein G, das sich g-ehen ließ, das sich dem Trunk und der unentwegten Schaukelei hingab, wird es schwer haben, ins Alphabet zurückzufinden. Genug der Belehrungen über die Lebensläufe mancher Buchstaben.

Guten Abend, Welt!

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