Samstag

Städte reisen. Margot (Name geändert) glaubt nicht daran. Sie nennt mich einen Irren, weil ich Milliardäre anschreibe, um ihnen frühzeitig die Chance zu geben, mit in mein Geschäftsboot zu steigen. Städte reisen, das wird das Modell der Zukunft. Die Leute werden erst gar nicht mehr ihre Häuser verlassen müssen, um nach Moskau zu reisen. Dabei ist der Grundgedanke so einfach wie genial. Wir hebeln die Städte auf gigantische Anhänger, die von riesigen Traktoren gezogen werden. So kommt die ganze Stadt in den Genuss einer Urlaubsreise. Unentwegt, wenn es sein muss. Die Städte, so mein Plan, könnten dauerhaft unterwegs sein. Langsam, damit sie die Erschütterungen nicht bemerken, werden sie von einem Ende der Welt zum anderen transportiert. Liegt Wasser dazwischen, werden die Anhänger auf spezielle Schiffe verladen. Das Reiseziel wird von den Einwohnern bestimmt. Über ein Wahlverfahren. Sie können direkt über ihren Rechner abstimmen, wohin die Reise als nächstes gehen soll.

Ich sehe schon den Werbeslogan vor mir: WIR VERREISEN SIE!

Der Rubel wird rollen. Diese Idee wird mich endgültig zum reichsten Wesen des Universum machen. Ich brauche nur Investoren, die an diese mehr als realistische Idee glauben. Man könnte auch kleiner anfangen, indem man zuerst Dörfer reisen lässt. Oder Hochhäuser.

Ich sitze bereits aufgeregt seit den frühen Morgenstunden da und lasse meine Tochter Wyoming (Name geändert) Zeichnungen von dem Projekt anfertigen. Sie malt das perfekt, die kleine Künstlerin. Noch zwei Jahre und sie kann den Stift ganz ohne fremde Hilfe halten. Ich werde die ersten Rohentwürfe nachher eintüten und absenden. Hier muss schnell gehandelt werden. Auch kein Wort darüber in meinem Tagebuch. Ich bin doch nicht blöd.

Und wenn sie erst alle auf Tour sind, Städte wie Berlin und München, sodass München vorübergehend dort liegt, wo Berlin lag, und umgekehrt, werden Sie in der Nervenheilanstalt merken, dass man mich nicht unterschätzen sollte. Egal was kommt, dort bekommen sie mich nicht mehr rein. Den ganzen Tag vernähten sie meine Nerven, saßen mit Nadel und Bindfaden da, diese Wahnsinnigen.

Jetzt müssen nur noch die ersten Strecken von den dort ansässigen Bevölkerungen gesäubert werden. Stichwort: Umsiedelung. Und schon ist alles gut!

Guten Morgen, Welt!

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s