Freitag

Ideenlos.

Martha, meine Frau, meint, das liege an den Haaren, die senkrecht wie Antennen auf die Sterne ausgerichtet sind. Ich vermute, dass ich bereits als Kind vom CIA entführt und umgerüstet wurde, um die Sterne anzusprechen. Meine Haarspitzen senden unaufhörlich Signale, die quer durch das sich ausdehnende Universum geschossen werden. Manche der Funksprüche werden so lange unterwegs sein, bis das All sich wieder zusammenzieht. Es wird zu einem Rückprall kommen, sodass die Botschaften, die von meinen Haaren ausgehen, in einigen Milliarden Jahren wieder auf der Erde ankommen, um die bis dahin entstandene Spezies mit der Neuigkeit zu verwirren, es könnte Leben irgendwo dort draußen geben.

Meine Haare sind also an der Ideenlosigkeit schuld, weil jede Idee, kurz nachdem sie kleine Funken schlägt, bereits über den haarinternen Antrieb in den Weltraum geschossen wird. Dort oben schwirren sie rum, all meine sexuell aufgeladenen Ideen. Sie paaren sich, ihrer erotischen Ausstrahlungen wegen, und zeugen dabei kleine Teilchen. Das alles ist sehr verwirrend. Ein Gebiet der Astronomie, das nur wenigen bekannt ist.

Verfügt man über ein geeignetes Teleskop (sollten Sie keins besitzen, fragen Sie im Laden am besten nach einem geeigneten Teleskop), kann man die kleinen Ideenteilchen über den Nachthimmel spazieren sehen. Sie tragen meist eine gelben Regenjacke, einen Rucksack und treten in der Gruppe auf. Erst gestern Abend sah ich einen dieser Märsche. Etwa zwanzig Ideenteilchen rannten aufgeregt vom Mond Richtung Mars. Hinter ihnen eine ausgewachsene Idee, die mich mindestens einen Roman gekostet hat. Vermutlich ein Ideenteilchengartenausflug. Könnte gut sein, dass sie in den nächsten hundert Jahren zurückkommen.

Und ich? Ein Opfer meiner vom CIA einst veranlassten Umbaumaßnahmen. Ein lebendes Funkgerät. Eine Zwischenstation, um Ideen aufzufangen und abzugeben. Ein Missbrauchsopfer. Beständig zuckt mein Körper. Da! Schon wieder eine Idee, die in meinen Körper fuhr. Sie schüttelt mich durch, bohrt sich wie der gemeine Hirnkäfer durch mein Oberstübchen, macht sich schlank, schlängelt sich in die Haare, aktiviert den gedachten Raketenantrieb und schießt sich mit der Wucht einer Wuchte in die Tiefen des Weltraums. (Eine Wuchte, für alle die es nicht wissen, ist ein kleines Insekt, das, obwohl es zwei Millimeter klein ist, in der Lage ist, einen ausgewachsenen Mann an den Füßen anzuheben und umzuschmeißen.)

Ich bin eine Abschussrampe. Welch ein Schicksal.

Guten Morgen, Welt!

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