Dienstag

Dienstag. Schon wieder, denke ich. Das kann auch mit meiner Müdigkeit zusammenhängen, die sich im Laufe der letzten Nacht angesammelt hat. Da erwacht man rasch mal am nächsten Tag und schreibt: Dienstag. Schon wieder, denke ich.

Das muss Sie also, liebe Freunde dieses gepflegten Blogs, nicht weiter beunruhigen. Es kam mehr aus dem Bauch, war eine jazzartig trompetete Nichtigkeit, die mir jetzt, da sie dasteht, ebenfalls nichts bedeutet. Im Gegenteil: Es taucht die Frage in mir auf, wie ich das schreiben konnte?

Ist Schreiben ein Impuls, etwas, das auf das, was einen anstößt, reagiert? Das Leben ist also ein Hammer, und das Hirn ist das Knie, während das Schreiben der Reflex ist, der folgt, berührt der Lebenshammer das Hirnknie.

Endlich ist mir eine ungeheure Entdeckung geglückt, eine, nach der ich schon so viele Jahre gesucht habe, eine, die mich in den literaturwissenschaftlichen Kreisen berühmt machen wird. Man wird mich achten, man wird mich in einer Sänfte in die Hörsäle dieser Welt tragen.

Sie brauchen keine Angst zu haben, ich neige zu Übertreibungen. Das mit der Sänfte wird nicht passieren, man wird mich höchstens in einem dieser Golfwagen reinfahren. Das wiederum liegt im Bereich des Möglichen.

Ich bin unter meinen Kollegen, wie der eine oder andere weiß, nicht besonders wohlgelitten, was an meiner blühenden Fantasie liegen kann. Leider trage ich sie, die Fantasie, direkt auf meiner Zunge. So traf ich einst einen Mitschreiber (mein Begriff für die Mitesser im Betrieb) auf der Frankfurter Buchmesse, den ich nicht sonderlich ausstehen konnte. Ich überlegte, wie er mit einigen wohlfeil ausgewählten Worten rasch zerstört werden könnte. Ich verfiel auf folgende Bemerkung: „Hübsche Krawatte!“ Der Clou daran war, dass er überhaupt keine trug. Sein Haupt färbte sich augenblicklich dunkelrot. Die Zeichen waren gesetzt. Das Duell konnte beginnen.

„Und Sie, Rohm, haben wunderbare lange Haare.“

Ich kniff die Augen zusammen. Ein guter Schachzug. Ein bösartiger Hund, dieser X. In meinem Hirn, meinem Knie, wenn Sie es so wollen, rumorte es. Es kam zu blitzschnellen Wortfindungen, die den Gegner endgültig vernichten sollten. Schließlich entschied ich mich für den tödlichen Satz: „Sie haben da einen netten Roman geschrieben.“

Natürlich knickte er ein. Ich klopfte mir nach diesem Duell den imaginären Staub aus dem Mantel. X blieb zurück, ein gebrochener Mann, der nie wieder etwas Brauchbares schrieb. Und auch heute haben sie wieder einige wichtige Dinge gelernt.

Guten Morgen, Welt!

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