Freitag

Ein Geräusch weckte mich an diesem Morgen, das aus der Küche kam. Ah, Hausaufgabe, mein treuer Wolfshund, pinselte mich mit einigen gekonnten Zungenstrichen an.

„Gleich, gleich“, murmelte ich, noch ganz in meinen Traum versunken, der sich um eine versunkene Stadt drehte, in der ich einen Film über eine versunkene Stadt drehte. Eine verzwickte Angelegenheit!

Weil Hausaufgabe keine Ruhe gab (er bellte etwa eine Stunde), schlug ich die Bettdecken schließlich doch zurück. Ich entledigte mich meiner drei Mäntel, die ich der Hitze wegen angezogen hatte. Ein altes Gesetz der Südhalbkugelbewohner besagt, dass man große Hitze mit großer Hitze bekämpfen soll. Feuer mit Feuer. Deshalb lasse ich in der Nacht die Öfen laufen und liege unter zahllosen Fellen. Und tatsächlich, es funktioniert. Ich schwitze derartig, dass ich von der eigentlichen Hitze draußen gar nichts mehr mitbekomme.

Ein Gang auf meinen Balkon überzeugte mich davon, dass etwas nicht stimmte. Nirgendwo war auch nur eine Menschenseele zu sehen. Woran konnte das nur liegen? Blitzschnell analysierte ich alle Möglichkeiten. Ein Virus könnte die Menschheit befallen haben. Vermutlich hatte er die meisten meiner Freunde und Bekannte (und solche, die es noch hatten werden wollen) in bösartige Zombies verwandelt. Tote, für die in der Hölle kein Platz mehr war, und die nur deshalb auf die Erde zurückgekehrt waren, um sich in den Kellern und in den Erdlöchern der verschiedenen Tiere, die Erdlöcher bewohnten, zu verstecken. So musste es sein.

Ich kniff meine Augen zusammen. Ich kniff sie auf jene verwegene Art zusammen, die ich sonst nur benutzte, wenn ich dringend aufs Klo musste. Mein Verstand war zu einem Rechenzentrum geworden. Was könnte ich tun, um dem unabwendbaren Grauen zu entkommen? Ich würde mich zunächst einmal bewaffnen müssen. Ein bis drei Panzer würden für den Anfang genügen. Aber woher Panzer nehmen, wenn man sich nie welche zugelegt hatte? Die falsche Einkaufspolitik meiner Frau würde also unser Tod sein. Ich hatte es schon immer geahnt, schon damals, als sie nur Binden, aber keine Handgranaten einkaufen wollte.

Dabei hatte ich als Starautor alle Beziehungen, die vonnöten waren, um den Rest der Menschheit mindestens um 1245 Jahre zu überleben. „Lass die Binden“, hatte ich zu ihr gesagt. „Der russische Waffenhändler, der unten im Wohnzimmer sitzt, würde uns Atomsprengköpfe aus den Beständen der ehemaligen UdSSR verkaufen.“ Nichts zu machen. Sie ließ sich von mir und meinen unbestechlichen Argumenten nicht überzeugen.

Und da stand ich nun. Hilflos! Dort draußen waren sie irgendwo. Zombies. Gott stehe uns bei!

Guten Morgen, Welt!

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Ein Gedanke zu “Freitag

  1. Zombies bekämpfen nützt sowieso nichts. Mach‘ sie dir zu eigen, mit deinem hypnotischen Blick, beherrsche sie. Deine Frau hatte Recht. Denn wenn du diese Zombies mit Binden bewirfst, werden sie willenlos. Mit Panzer und Handgranaten schaffst du das nie. Schließlich willst du irgendwann den Herrscher-Thron besteigen. Nur Mut!

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