Dienstag III

Als Autor soll man sich, so der „Leitfaden für den erfolgreichen Schriftsteller“, ins Leben stürzen. Was keine Aufforderung zum Selbstmord sein soll.

Da saßen wir also, meine Frau und ich. Und zwar in einem der zahlreichen Fuldaer Kaffeehäuser. Fulda ist das Wien Hessens. Das weiß man, wenn man, wie ich, zum Zeitvertreib abseitige Reiseführer studiert, also solche, die in kleiner Auflage bei Verlagen erscheinen, die es im nächsten Monat bereits nicht mehr geben wird. Im Reiseführer „Fulda für den praktizierenden Satanisten“ stand folgendes: „Als Satanist müssen Sie sich mal zwischendurch eine Pause gönnen. Gräber schänden macht durstig. Besuchen Sie eines der zahlreichen Fuldaer Kaffeehäuser. Fulda ist das Wien Hessens. Essen Sie dazu einen Fuldaer Trauerkranz. Die Torte gilt als eine Spezialitäten der Region. Haben Sie sich erst ausreichernd gestärkt, kann es mit dem Abbrennen der einen oder anderen Kirche lustig weitergehen. Wir empfehlen Ihnen folgende Gotteshäuser …“

So habe ich es gelesen. Und daran musste ich denken, als wir heute auf dem Universitätsplatz in der prallen Sonne saßen und uns ein Stück Fuldaer Trauerkranz teilten. Daran, dass womöglich direkt neben mir ein potentieller Satanist seine Torte verspeiste, nur um später am Tag noch das christliche Ambiente der Altstadt in Flammen aufgehen zu lassen.

Auf der anderen Seite, endlich mal Fremde, die Feuer und Flamme für unsere Stadt sind.

In diesem Sinne … Willkommen, Satanisten!

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