Sonntag

Ich bin Hitze gewöhnt. Damals in der Sahara saßen wir oft bei Hitze im Sand und wischten uns gegenseitig den Schweiß von der Stirn. Meine Frau, die Kinder und ich. Wir saßen im Kreis und waren froh darüber, einen solch tollen Trip gebucht zu haben. Einmal Sahara. Dagegen konnte nichts anstinken, auch wenn es nachts unglaublich kalt wurde. Schneestürme fegten durch die Sahara. Die Kinder hatten ihren Spaß daran. Sie krochen aus dem Zelt und bauten Schneemänner. Einen nach dem anderen. Um die Sitten und Gebräuche nicht zu verhöhnen, versteckten sie die Schneemänner unter langen Gewändern. Man konnte kaum erkennen, dass es Schneemänner waren. Wären nicht die roten Karottennasen gewesen, man hätte sie für echte Saharisten halten können.

Es war eine wilde und gefährliche Zeit. Wir zogen von Düne zu Düne. Manchmal meinten wir, uns verirrt zu haben.

„Ich glaube …“, sagte meine Frau und schnäuzte laut in ihr weißes Taschentuch, „Ich glaube, wir waren hier schon mal.“

„Unsinn“, erwiderte ich und blickte auf meinen Kompass. „Wir müssen“, ich benutzte meinen Arm als Wegweiser, „exakt in diese Richtung laufen, um vor den Schneestürmen der Nacht die nächste Düne zu erreichen.“

Sanddünen, wohin das Auge blickte. Die Kinder, in diesem menschlichen Stadium noch verzückt von allen Arten von Ansammlungen, griffen beherzt in den Sand und bauten eine Burg.

„Sieh mal, die Kinder!“ rief ich aus. „Die kleinen Racker haben Neuschwanstein nachgebaut.“

Ich tätschelte meinem Nachwuchs den Kopf. Kinder müssen in ihrem Drang, die Welt zu bebauen, unterstützt werden.

An all das musste ich heute Morgen denken, als ich schweißgebadet in meinem Bett erwachte.

Meine Frau Gristina (Name geändert) saß bereits auf dem Balkon und studierte den Himmel. Als ausgebildete Himmelskartenleserin, kann sie die Zukunft aus dem jeweiligen Himmelszustand herauslesen.

„Wie wird das Wetter in der nächsten halben Stunde?“ fragte ich die in allen Wetterfragen bewanderte Person, die momentan mein Ehebett mit mir teilt.

Sie starrte mit zusammengekniffenen Augen in den wolkenlosen Himmel und sagte dann: „Die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei … hmm, sie liegt bei 20%.“

Und? Was meinen Sie? Tatsächlich. Sie behielt recht.

Ich muss zugeben, es gibt Tage, da ist sie mir mehr als unheimlich.

Guten Morgen, Welt!

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